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Tagungsrückblick „Arme Kinder im Sozialstaat?! – (politische) Konzepte zwischen Anspruch und Wirklichkeit“

Tagungsteilnehmer/-innen sehen beim Thema Kinderarmut große Diskrepanz zwischen gesellschaftlichem Wissen und Handeln

„Es gibt Kinder- und Jugendarmut in unserem reichen Land! Und diese Armut wird durchaus gesellschaftlich wahrgenommen, aber es wird noch zu wenig dagegen getan“, fast Christian Kurzke, Leiter des Studienbereiches Jugend der Evangelischen Akademie Meißen, die wichtigsten Erkenntnisse der zweitägigen Tagung in Meißen zusammen. Wissenschaftlerinnen und Experten aus der Kinder- und Jugendhilfe hatten sich am 11. und 12. Juni 2012 mit dem Phänomen Kinderarmut  auseinandergesetzt und über Strategien gegen Kinder- und Jugendarmut in Sachsen beraten. Die Beteiligten waren sich dahingehend einig, dass aktuelle Politikkonzepte den bestehenden Problemlagen nur ungenügend Rechnung tragen.

Die Studie ‚Arme Kinder, arme Eltern` des PARITÄTISCHEN Gesamtverbandes stellt fest, dass mindestens 26% der unter 18-jährigen Kinder in Sachsen in Hartz-IV-Haushalten leben. „Diese Kinder sind trotz des sogenannten Bildungs- und Teilhabepaketes weiterhin vom überwiegenden Teil der soziokulturellen Teilhabe ausgeschlossen und haben gesundheitliche Benachteiligungen – hier müssen Veränderungen in den Zugangsmöglichkeiten zu Teilhabe stattfinden“, so Olaf Boye, Geschäftsführer des Deutschen Kinderschutzbundes Landesverband Sachsen e.V.

Dieser Aussage stimmt Hartmut Mann, Referent für Jugendhilfe des PARITÄTISCHEN Sachsen, zu und betont: „Es fehlt nicht an Erkenntnissen, sondern am Gestaltungswillen der Politik. Kurzfristige Programme helfen da wenig. Zudem muss man sich an der Praxis orientieren und darf keine bürokratischen Monster wie das Bildungs- und Teilhabepaket entwickeln.“

Zentrales Anliegen von Politik und Gesellschaft muss mehr denn je sein, gute Lebensbedingungen und gerechte Entwicklungschancen für alle Kinder und Jugendlichen zu schaffen. Neben einer gesamtgesellschaftlichen Anti-Armutsstrategie auf Bundes- und Landesebene, Aufgaben wie der bedarfsgerechten Anpassung der Kinderregelsätze, muss vor allem in den Kommunen und Gemeinden wirkungsvoll agiert werden. Regionale Armutsberichte können die Basis für Veränderungen bilden, um den Abbau der bürokratischen Hürden im Zugang zu Bildung und Teilhabe voranzutreiben, die Möglichkeit der Teilnahme an Bildungs- und Freizeitangeboten ohne stigmatisierende finanzielle Hürden für Kinder- und Jugendliche sicher zu stellen.

Die Tagungsteilnehmer/-innen werden sich weiter in die öffentliche Diskussion einbringen und an Veränderungsprozessen mitwirken. Eine Folgeveranstaltung ist geplant.


Hintergrund:
Am 11./12 Juni 2012 fand die Tagung „Arme Kinder im Sozialstaat?! – Wege aus der Kinder- und Jugendarmut“ in Meißen statt auf der rund 30 Experten über aktuelle politische Konzepte gegen Kinderarmut diskutierten. Die Veranstaltung wurde gemeinsam von der Evangelischen Akademie Meißen, der Liga der Freien Wohlfahrtspflege und dem Deutschen Kinderschutzbund ausgerichtet.


Ansprechpartner:

Hartmut Mann (Referent Jugendhilfe, PARITÄTISCHER Sachsen)
Tel.: 0351/ 491 66 16

E-Mail: hartmut.mann@parisax.de

 

Christian Kurzke (Studienleiter Jugend, Evangelische Akademie Meißen)
Tel.: 035 21/ 47 06 18
E-Mail: christian.kurzke@ev-akademie-meissen.de

 

Olaf Boye (Geschäftsführer, Deutscher Kinderschutzbund Landesverband Sachsen e.V.)
Tel. 0351 / 42 42 044
E-Mail: info@kinderschutzbund-sachsen.de