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Neue Lehrer für staatliche Schulen – Freie Träger bleiben auf der Strecke

Buntstifte (Bild: Dieter Schütz/ pixelio.de)

Mit Beginn des zweiten Schulhalbjahres werden fast 800 neue Lehrerinnen und Lehrer an staatlichen Schulen ihre Arbeit aufnehmen. Verlierer sind erneut die freien Schulen, denn sie verlieren dadurch Fachkräfte und profitieren von den Maßnahmen des Freistaates zur verbesserten Lehrkraftgewinnung nicht.

Die staatlichen Schulen schöpfen durch die verstärkten Aktivitäten der Lehrkraftgewinnung den Markt an qualifiziertem Personal ab. Schulen in freien Trägerschaft haben hierbei das Nachsehen. Ein Grund dafür ist, dass trotz der Novellierung des Gesetzes über Schulen in freier Trägerschaft im Jahr 2015 die Finanzierung gegenüber staatlichen Einrichtungen weiterhin zurückbleibt. „Die freien Träger können deshalb in der Regel lediglich 80 Prozent der Gehälter des öffentlichen Dienstes zahlen. Unsere Mitglieder sind diesbezüglich sehr unzufrieden, da ihnen die angemessene Vergütung ihres engagierten Personals sehr am Herzen liegt. Die verstärkten Aktivitäten des Sächsischen Kultusministeriums (SMK), die Schullandschaft nach jahrelanger Vernachlässigung wieder auf Kurs zu bringen, unterstützen wir uneingeschränkt. Dabei darf jedoch jener Teil der sächsischen Schullandschaft, der immerhin über 34.000 Kinder und Jugendliche beschult, nicht außen vor bleiben“, kritisiert Michael Richter, Landesgeschäftsführer des Paritätischen Sachsen, das Vorgehen des SMK.

Die Fachkraftsituation ist angespannt. Der Lehrerberuf bildet dabei keine Ausnahme. Obwohl sich auf die 800 zum Schulhalbjahr 2016/2017 vom SMK ausgeschriebenen Stellen 2259 Personen bewarben, bringen lediglich 838 eine ausreichende Qualifikation mit, informierte Kultusministerin Brunhild Kurth (CDU) in einer Pressemitteilung. Für die restlichen Bewerber(innen) bleibe nur der Quereinstieg mit begleitender Qualifizierung.

Fachkräfte wechseln von freien in staatliche Schulen

Freie Schulen greifen immer wieder auf Personen mit verschiedensten beruflichen Qualifikationen zurück und erweitern so die inhaltliche Angebotsbandbreite für die Lernenden. In vielen Fällen werden berufliche Quereinsteiger(innen) ausgebildet, die nach erworbenen Abschluss an staatliche Schulen abwandern. „Überspitzt formuliert unterstützen die freien Schulen die Aktivitäten des SMK durch die Qualifizierung von quereinsteigenden Lehrkräften. Von den Maßnahmen des SMK profitieren sie aber nicht. Schon in der Diskussion über die Novellierung des Gesetzes über Schulen in freier Trägerschaft haben wir immer betont, die sächsische Schullandschaft als ein Ganzes zu betrachten und alle Akteure gleich zu behandeln. Trotz mehrfacher Bekenntnisse des SMK zur Gleichrangigkeit staatlicher und freier Schulen wird weiterhin eine Spaltung praktiziert. Worten müssen endlich Taten folgen“, fordert der Landesgeschäftsführer.

Anstrengungen auf andere Fachkraftbereiche ausweiten

Die verstärkten Anstrengungen des SMK, Lehrernachwuchs zu gewinnen, begrüßt der Paritätische Sachsen. Gleichzeitig sieht er die Notwendigkeit auch für andere Berufsfelder gegeben. Michael Richter sagt dazu: „Wir benötigen Fachkräfte in allen pädagogischen und sozialen Berufen. Die im Schulbereich gezeigten Aktivitäten sollte der Freistaat ebenfalls für die Kitas und die Pflege, aber auch für die Bereiche der Jugendhilfe an den Tag legen. Die Träger und Einrichtungen melden insbesondere aus den ländlichen Regionen zunehmend Schwierigkeiten bei der Besetzung von offenen Stellen. Mit der Fachkräfteallianz des Sächsischen Wirtschaftsministeriums sehen wir bereits einen richtigen Ansatz.“

Info: Derzeit sind 21 freie Schulträger Mitglied des Paritätischen Sachsen. Sie betreiben insgesamt 25 allgemeinbildende sowie berufsbildende Schulen. Eine Übersicht der Mitglieder und deren gemeinsames Grundverständnis entnehmen Sie der Broschüre „Grundverständnis der Schulen in freier Trägerschaft im Paritätischen Sachsen“.