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Personalschlüssel in Pflegeheimen: Paritätischer warnt vor prekärer Versorgungslage

(Berlin) Als alarmierend bewertet der Paritätische Wohlfahrtsverband die Ergebnisse einer aktuellen Studie der Universität Witten-Herdecke zur Belastung von Pflegekräften im Nachtdienst in deutschen Altenheimen. Die Studie, nach der im Durchschnitt eine Einzelkraft für 52 Personen pro Nacht zuständig ist, sei Ausdruck der seit Jahren unzureichenden Personalschlüssel. Die zunehmend prekäre Versorgungsrealität in deutschen Pflegeheimen werde sich mit Inkrafttreten des neuen Pflegestärkungsgesetzes weiter zuspitzen, warnt der Verband und fordert eine Anpassung der Personalschlüssel.

„Die Personalschlüssel in der Pflege sind häufig so alt wie die Pflegeversicherung selbst und werden der veränderten Versorgungsrealität einfach nicht mehr gerecht. Dass heute mehr Menschen mit höherer Pflegebedürftigkeit und vor allem auch mehr Menschen mit Demenz und damit höherem Betreuungsbedarf in den Heimen leben, wird bisher bei den Personalschlüsseln überhaupt nicht angemessen berücksichtigt“, kritisiert Ulrich Schneider, Hauptgeschäftsführer des Paritätischen Gesamtverbandes. Das Problem werde sich mit dem Pflegestärkungsgesetz II noch verschärfen, warnt der Verband. „Die jüngste Pflegereform bringt mit der überfälligen Einführung eines neuen Pflegebedürftigkeitsbegriffs viele richtige und wichtige Verbesserungen für pflegebedürftige Menschen. Das Personalproblem aber löst dieses Gesetz nicht“, so Schneider.

Nach überschlägigen Rechnungen des Verbandes bräuchte es vermutlich 30.000 zusätzliche Pflegekräfte, um die neuen gesetzlichen Vorgaben der jüngsten Pflegereform angemessen umzusetzen. Der Gesetzgeber verweise hier aber bisher stets auf die Einzelverhandlungen der Träger mit den Pflegekassen. „Die Pflegekassen sitzen am längeren Hebel. Es ist Zeit, dass der Gesetzgeber die Pflegekassen zwingt, sich endlich den veränderten Realitäten in den Verhandlungen zu stellen, um vernünftige Personalschlüssel und eine angemessene Refinanzierung zu ermöglichen“, fordert Schneider. Flankierend seien Maßnahmen erforderlich, um die Attraktivität des Pflegeberufes zu steigern. „Wenn wir mehr Menschen für den Pflegeberuf gewinnen wollen, brauchen wir bessere Rahmenbedingungen – bei der Ausbildung, bei der Entlohnung und am Pflegebett“, so Schneider.

 

Der Paritätische Gesamtverband ist einer der sechs Spitzenverbände der Freien Wohlfahrtspflege in der Bundesrepublik. Als Dachverband von über 10.000 eigenständigen Organisationen, Einrichtungen und Gruppierungen im Sozial-, Bildungs- und Gesundheitsbereich, repräsentiert und fördert er seine Mitgliedsorganisationen in ihrer fachlichen Zielsetzung sowie ihren rechtlichen, gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Belangen.

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