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Jugendhilfe: Durch Clearing zu passgenauen Hilfen

Symbolbild: Menschen sitzen um einen Tisch auf dem bunte Sprechblasen liegen. (Foto: alotofpeople/ Fotolia.com)

Herausfordernde Verhaltensweisen von Heranwachsenden können Fachkräfte in der Kinder- und Jugendhilfe bisweilen an ihre Grenzen führen. Die neue Fachstelle RE:CONNECT unterstützt Teams beim Umgang mit diesen sogenannten Systemsprengern. Wir sprachen darüber mit dem Leiter Stephan Cinkl.

Herr Cinkl, trotz guter Ausbildung und jahrelanger Erfahrung scheint es immer wieder Kinder und Jugendliche zu geben, denen Fachkräfte nicht Herr werden können. Wo sehen Sie das Hauptproblem im Umgang mit den besagten Kindern und Jugendlichen?

Stephan Cinkl: Das Hauptproblem besteht meines Erachtens nach darin, dass diese Kinder und Jugendlichen einerseits geradezu dämonisiert werden, indem ihre herausfordernden Verhaltensweisen nicht als situativ, kontextgebunden und als Resultat ihrer Lebens- und Hilfegeschichte verstanden werden. Andererseits werden ihre subjektiven Sichtweisen und auch ihre Ideen, wie ihnen geholfen werden könnte, nicht erfragt und berücksichtigt. Dies gilt oft auch für ihre Familien. Kurz gesagt: Das Hauptproblem besteht zu oft in der mangelnden Partizipation der jungen Menschen und ihrer Familien.

Was kann das Projekt RE:CONNECT leisten, um Fachkräfte und Teams zu unterstützen?

Stephan Cinkl: Als Fachstelle machen wir das Angebot, direkt vor Ort in den Jugendämtern, bei den freien Trägern, in Zusammenarbeit mit den Familiengerichten, den Ombudsstellen etc. ein Clearing durchzuführen, um passgenaue Hilfen zu entwickeln. Kern dabei ist, dass die jungen Menschen diese Hilfen mittragen können. Darüber hinaus können wir die Hilfen auf Wunsch auch begleiten. Das sollte insbesondere dann geschehen, um Krisen in der Betreuung und daraus folgende Abbrüche zu vermeiden Dialog und Reflexion sind hierbei entscheidend.

Als einen wichtigen Aspekt betonnen Sie die bessere Vernetzung der Fachkräfte, um den Austausch über konkrete Problemlagen zu fördern. Gibt es nicht schon genug Vernetzungsformate? Was möchte das Projekt hierbei anders machen?

Stephan Cinkl: Bei den üblichen Vernetzungsformaten besteht häufig das Problem, dass die Fachkräfte um sich selbst kreisen. Wir stellen die Sichtweisen der jungen Menschen und der Familien in den Vordergrund. Davon ausgehend werden wir Kooperationspartner suchen, die hilfreich im Sinne des tatsächlichen Bedarfs sind. Bei den geplanten Kooperationstreffen werden die Betroffenen dann immer anwesend sind. Das ist ein entscheidender Unterschied zur üblichen Praxis, in der immer noch zu viel über die Betroffenen gesprochen wird und nicht mit ihnen. Vergessen wir nicht, dass Beteiligung der wichtigste Wirkfaktor erfolgreiche Hilfen ist!

Herzlichen Dank für Ihre Antwort!


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