Künstliche Intelligenz kann Fachkräfte entlasten und neue Möglichkeiten für die Soziale Arbeit eröffnen – wenn sie sinnvoll eingesetzt wird. Ein Gespräch mit dem KI-Experten Prof. Dr. Robert Lehmann über reale Potenziale und geeignete Annährung.
Künstliche Intelligenz ist kein Zukunftsthema mehr. Auch in den Mitgliedsorganisationen des Paritätischen Sachsen wird zunehmend überlegt, welche Rolle KI künftig spielen kann. Dabei sind derzeit noch viele Fragen offen: Ist KI für soziale Organisationen überhaupt relevant? Wo könnten nutzbringende Einsatzmöglichkeiten liegen? Und wie lässt sich ein Einstieg finden, ohne sich in der Dynamik technischer Entwicklungen zu verlieren? Welche Potenziale realistisch sind und wie Organisationen sich diesem Thema sinnvoll nähern können, haben wir mit Prof. Dr. Robert Lehmann, Sozialwissenschaftler und Sprecher der Akademischen Leitung des Instituts für E-Beratung der Technischen Hochschule Nürnberg Georg Simon Ohm, besprochen.
KI ersetzt keine Beziehung – kann aber Fachkräfte unterstützen
Gerade in der Sozialen Arbeit entstehen viele sprachbasierte Prozesse: Dokumentationen, Berichte, Beratungsprotokolle oder administrative Kommunikation. Laut Lehmann kann KI genau hier helfen, Fachkräfte zu entlasten: „Der entscheidende Faktor ist, dass KI eine neue technische Dimension liefert. Dinge, die bisher nur sehr schwer automatisierbar waren, lassen sich plötzlich vereinfachen – vor allem eben dort, wo mit Sprache gearbeitet wird.“
Gleichzeitig kann KI auch in der direkten Arbeit mit Klientinnen und Klienten eine Rolle spielen etwa bei Informations- oder Beratungsangeboten. Aus Lehmanns Sicht gehe es aber nicht darum, KI einfach möglichst breit einzusetzen. Vielmehr müssten Organisationen sorgfältig reflektieren, welche Teile ihrer Arbeit sinnvoll unterstützt werden können und wo menschliche Beziehung, professionelle Einschätzung und Verantwortung unverzichtbar bleiben. Entscheidend sei also nicht allein die technische Möglichkeit, sondern die Frage, wie ein Einsatz im Alltag der Einrichtungen tatsächlich gestaltet werden könne.
Geeignete KI-Lösungen gibt es selten von der Stange
Ein häufiger Wunsch sozialer Organisationen ist eine fertige KI-Lösung, die einfach eingeführt werden kann. Nach Einschätzung von Robert Lehmann wird das jedoch nur selten funktionieren: „Eine gute KI-Lösung ist meist eine, die in den Organisationslogiken beheimatet ist. Man kann sie nicht einfach von der Stange kaufen. Das bedeutet: Erfolgreiche Projekte entstehen meist dort, wo Organisationen ihre eigenen Prozesse analysieren und gezielt verbessern wollen.“ KI werde dann zu einem Werkzeug, das dabei hilft, bestehende Probleme besser zu lösen. Technische Lösungen und fachliche Anforderungen müssen dabei gemeinsam gedacht werden. Deshalb empfiehlt Lehmann einen anderen Einstieg in das Thema. „Ich würde nicht sagen: Wir machen jetzt KI, weil alle KI machen. Sondern: Wo haben wir ein Problem in unserer Organisation – und könnte KI helfen, dieses Problem zu lösen? KI wird damit nicht nur zu einem technischen Werkzeug, sondern auch zu einem Anlass, gemeinsam mit Fachkräften Arbeitsprozesse bewusst zu reflektieren und weiterzuentwickeln, um dann gegebenenfalls gemeinsam mit externen Partnern neue Lösungsansätze zu entwickeln.“
Modellvorhaben als Chance, neue Ansätze zu erproben
Trägern, die Ideen für die Nutzung von KI in der eigenen Organisation entwickeln und erproben wollen, bietet das Sächsische Staatsministerium für Soziales, Gesundheit und Gesellschaftlichen Zusammenhalt (SMS) jetzt auch die passende Förderung für solche Vorhaben. Alle Informationen dazu finden Sie auf der Website des SMS: www.soziales.sachsen.de.
Zudem unterstützt das Projekt SINN Sachsen soziale Organisationen dabei, geeignete Kooperationspartner zu finden und erste Ideen für eine Interessenbekundung zum besagten Förderverfahren zu besprechen. Ihre Ansprechpartnerin ist Stephanie Meichsner-Eschborn (Referentin Organisationsentwicklung/Referentin SINN Transformationslabor). Sie erreichen sie via E-Mail an: stephanie.meichsner-eschborn(at)parisax.de
