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Kommentar: Bremst die steigenden Eigenanteile in der Pflege!

Corona hat wichtige Themen aus der öffentlichen Diskussion verdrängt. Dazu gehört auch die finanzielle Beteiligung von Pflegebedürftigen an den Pflegekosten. Die sogenannten Eigenanteile steigen weiter. Das muss sich ändern, meint Matthias Steindorf, Referent Entgelte im Paritätischen Sachsen.

Erinnern Sie sich noch an April und Mai dieses Jahres? Menschen standen auf den Balkonen der Republik und applaudierten den Helden der Corona-Krise. Führende Politiker*innen betonten, wie systemrelevant die Pflege sei. Richtig, denn Pflegepersonal hat Großartiges geleistet – nicht nur in den vergangenen Monaten. Deshalb darf die öffentliche Wertschätzung für Pflegekräfte nicht abebben. Neben dem Wort des Dankes gehören gute Löhne, bessere Arbeitsbedingungen, mehr Personal und mehr Zeit für Pflegebedürftige dazu. Das verursacht steigende Kosten - aber Qualität und Anerkennung haben ihren Preis.

Alle Verbesserungen in der Pflege - Qualität, Personal, Gehälter - wirken sich derzeit auf den Eigenanteil der Pflegebedürftigen aus. Hinzu kommen die Kosten für Unterkunft, Verpflegung und Investitionen. In der Summe ergibt das einen hohen Betrag, der die Menschen belastet und so zu einem negativen Bild des Pflegesystems beiträgt. Den Unmut darüber bekommen als Erstes jene zu spüren, die nichts dafür können: die Beschäftigten in der Pflege.

Zum 1. Juli 2020 mussten Pflegebedürftige in Sachsen für einen Heimplatz im Schnitt 1.621 Euro bezahlen. Am 1. Januar 2019 waren es noch 1.363 Euro. Ein Heimplatz in Nordrhein-Westfalen ist mit durchschnittlich 2.405 € am teuersten. Der bundesweite Durchschnitt liegt laut dem Verband der Ersatzkassen aktuell bei 2.015 Euro. Da muss man schon eine gute Rente haben, um diese monatlichen Kosten stemmen zu können. Dass dem oft nicht so ist, zeigt die steigende Anzahl der Personen, deren Eigenanteile ganz oder teilweise vom Sozialamt getragen werden. Und die Kosten steigen weiter. Das haben die Menschen, die nach einem arbeitsreichen Leben unverschuldet pflegebedürftig werden, nicht verdient.

In der Diskussion wird die Pflegeversicherung gerne als Teilkasko bezeichnet. Meiner Ansicht nach ein völlig falsches Bild, denn bei einer Teilkasko-Versicherung sind die Eigenanteile gedeckelt - bei der Pflegeversicherung sind es hingegen die Leistungsbeträge. Genau das muss umgekehrt werden – so wie wir es bereits von der gesetzlichen Krankenversicherung her kennen.

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn kam jetzt mit dem Vorschlag, die Eigenanteile für die pflegebedingten Kosten auf 700 Euro zu deckeln. Der Paritätische, aber auch andere Wohlfahrts- und Sozialverbände fordern die Deckelung der Eigenanteile in der stationären und der ambulanten Pflege schon länger. Wir sehen allerdings den Deckel bei 15 Prozent der gesamten anfallenden Kosten. Diese Forderung werden wir weiterhin vertreten. Pflegebedürftige Menschen müssen zeitnah und spürbar entlastet werden. Pflegebedürftigkeit darf Betroffene und deren Angehörige nicht in finanzielle Engpässe bringen. Die Begrenzung der Eigenanteilen kann zweierlei: Sie entlastet die Pflegebedürftigen und kann gleichzeitig die Wertschätzung für die Pflege stärken.

Die Bundesregierung muss handeln und der Freistaat Sachsen sollte sich nach seinen Möglichkeiten dringend dafür einsetzen. Nicht zuletzt die Staatsregierung eines so stark alternden Bundeslandes wie Sachsen sollte daran ein großes Interesse haben. Die Lösungs- und Finanzierungsvorschläge liegen auf dem Tisch. Bremst die steigenden Eigenanteile in der Pflege!


Kontakt:

Matthias Steindorf (Referent Entgelte/ Bereichleiter Soziale Arbeit und Bildung)

Tel.: 0351/ 828 71 140
E-Mail: matthias.steindorf(at)parisax.de