Aus Kreisen der CDU wird der bestehende Rechtsanspruch auf Teilzeit in Frage gestellt. Diese Forderung blende wichtige Aspekte aus, kommentiert Michael Richter, Landesgeschäftsführer des Paritätischen Sachsen, und verweist auf den Aspekt der Vereinbarkeit von Berufstätigkeit und Ehrenamt.
Die Forderung des CDU-Wirtschaftsflügels, den Rechtsanspruch auf Teilzeit stark einzuschränken, hat breite Kritik ausgelöst – von Arbeitnehmervertreter*innen, Sozialverbänden und auch aus den eigenen Reihen. Zu Recht: Der Begriff „Lifestyle?Teilzeit“ suggeriert, Menschen würden in großem Stil aus Jux und Laune ihre Arbeitszeit reduzieren. Die Daten sprechen eine andere Sprache. Teilzeit ist für Millionen Beschäftigte kein Lifestyle, sondern Ergebnis von Care-Verantwortung, gesundheitlichen Gründen oder fehlender Infrastruktur.
Was in der aktuellen Debatte aber nahezu vollständig fehlt, ist ein Blick auf eine der wichtigsten gesellschaftlichen Ressourcen unseres Landes: das Ehrenamt.
Laut Freiwiligensurvey engagieren sich rund 27 bis 29 Millionen Menschen in Deutschland freiwillig – im Sport, in der Kultur, in der Sozialen Arbeit, in der Flüchtlingshilfe, im Zivil- und Katastrophenschutz. Dieses Engagement ist unbezahlbar, aber nicht unbegrenzt verfügbar. Ehrenamt braucht eines vor allem: Zeit und Planbarkeit.
Wenn wir politisch einseitig darauf zielen, Arbeitszeit zu erhöhen, ohne zugleich die Zeitbudgets der Menschen insgesamt im Blick zu behalten, riskieren wir, genau jene Strukturen zu schwächen, die unseren Sozialstaat, unsere Vereine und unser gesellschaftliches Zusammenleben tragen. Viele Engagierte kommen aus Altersgruppen und Lebenslagen, in denen Teilzeit ein wichtiges Instrument ist, um gesellschaftliche Verantwortung neben der Erwerbsarbeit überhaupt möglich zu machen.
Eine Politik, die das Ehrenamt wertschätzt, muss deshalb die Gleichung breiter denken. Es geht nicht um ein Gegeneinander von Arbeitsmarkt und Engagement. Es geht um ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Erwerbsarbeit, Care-Arbeit, persönlicher Entlastung – und dem Beitrag zum Gemeinwohl.
Wenn wir die Debatte weiterführen wollen, dann bitte mit Blick auf die gesamte Gesellschaft. Und mit dem Bewusstsein, dass wir ohne die Millionen Ehrenamtlichen vieles nicht leisten könnten. Auch der Arbeitsmarkt nicht.
Kontakt:
Michael Richter, Landesgeschäftsführer
Tel.: 0351 - 828 71 120
E-Mail: michael.richter(at)parisax.de
