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Sächsischer Bildungsplan: Einblicke in die Auftaktveranstaltung zur Fortschreibung

Symbolbild: Kinder und Erzieherin spielen gemeinsam mit bunten Bausteinen. (Foto: Monkey Business/ Fotolia.com)

Der Sächsische Bildungsplan soll fortgeschrieben werden. Nach einer Online-Beteiligung werden nun Personen aus der Praxis an dem Fortschreibungsprozess beteiligt. Nicole Börner, Referentin für Bildung des Paritätischen Sachsen, kommentiert die Auftaktveranstaltung.

Seit über 18 Jahren bildet der aktuelle Sächsische Bildungsplan die Grundlage für die tägliche Arbeit der pädagogischen Fachkräfte in den sächsischen Kitas. Eben jene Fachkräfte haben den Bildungsplan mit Leben gefüllt, sich weitergebildet und sicher auch Methoden aus früheren Tagen über Bord werfen müssen. All das geschieht, damit sich Kinder in den sächsischen Kitas individuell gut entwickeln können.

Nun steht also eine Fortschreibung des Sächsischen Bildungsplans an. Wobei unklar ist, ob es sich dabei um eine Weiterentwicklung handelt oder das Thema komplett neu angegangen wird. Zugegeben, nach fast zwei Jahrzehnten ist ein prüfender Blick auf das bestehende Werk sicher kein Fehler. Anhand von Evaluationsergebnissen ließe sich gut feststellen, wo nachjustiert werden muss und was sich bewährt hat. Die Praxis nimmt den Bildungsplan als wertvolle Hilfestellung wahr, die einen Rahmen setzt und dennoch Raum für verschiedene Konzepte und pädagogische Ansätze lässt. Wichtig ist den allermeisten der stets positive Blick auf die Stärken der Kinder. Diese Ressourcen zu sehen und Kinder auf ihren individuellen Entwicklungswegen zu begleiten, ist die pädagogische Haltung, die sich über die Jahre nach und nach in der Kita-Praxis gefestigt hat.

Auftaktveranstaltung mit Akteur*innen der Praxis

Die nun begonnene Fortschreibung des Bildungsplans soll durch eine breite Beteiligung unterstützt werden. Neben einem Fachbeirat und einem Online-Beteiligungsverfahren lud das Sächsische Staatsministerium für Kultus (SMK) gemeinsam mit den beauftragten Forschungseinrichtungen Zentrum für Forschung, Weiterbildung und Beratung an der ehs Dresden gGmbH (ZFWB) und der Hochschule Zittau-Görlitz am 14. Februar 2025 nun zur Arbeit in Facharbeitsgruppen zur Evaluation und Fortschreibung ein. Unter den etwa 80 ausgewählten Personen aus Verbänden, Ämtern und der Fachpraxis waren auch der Paritätische Sachsen und vier seiner Mitgliedsorganisationen sowie weitere Spitzenverbände der freien Wohlfahrtspflege vertreten.

Irritationen der Fachöffentlichkeit

Doch das Verfahren stand unter einem ungünstigen Stern. Denn anstatt frühzeitig mit den besagten Akteur*innen ins Gespräch zu gehen, kursierten in den zurückliegenden Wochen unklare oder gar widersprüchliche Informationen aus Verwaltung und Politik. Diese öffneten Raum für Interpretationen und sorgten somit auch für Irritationen. Beispielsweise blieb eine im Auftrag des SMK erstellte Expertise mit dem Titel „Meilensteine der kindlichen Entwicklung“ unveröffentlicht. Könnte sie nicht wichtige Erkenntnisse bieten, die im Fortschreibungsprozess des Bildungsplans von Interesse wären? Oder verbirgt sich dahinter ein anderes Ansinnen? Hört man vor diesem Hintergrund den neuen Kultusminister Conrad Clemens von „verbindlichen Standards“ sprechen oder dass es klar sein müsse, „was die Kinder alles können müssen, wenn sie in die erste Klasse kommen“, wirft das mit Blick auf den Bildungsplan schon einige Fragen auf. Zudem steht ein verpflichtendes Vorschuljahr im Raum. Soll es in der Kita künftig nur noch darum gehen, die Kinder nach bestimmten Vorgaben für die Grundschule zu konfektionieren?

Organisator*innen treten Befürchtungen aus der Praxis entgegen

Gleich zu Beginn der Veranstaltung waren die Organisator*innen sichtlich darum bemüht, den Befürchtungen der Fachöffentlichkeit entgegenzutreten. So liege es dem Kultusministerium fern, ein 0. Schuljahr einzuführen. Hinsichtlich einer geplanten Fertigstellung des Bildungsplans bis zum Jahresende wurde klar gesagt, dass ein angemessenes Zeitfenster für die Umsetzung selbstverständlich mit eingeplant sei. Zudem wurde betont, dass man an den Hinweisen der Fachöffentlichkeit sehr interessiert sei, weshalb das Beteiligungsverfahren auch mehrere Schritte enthalte. Die Frage nach Standards in der frühkindlichen Bildung wurde indirekt angesprochen und unterstrichen, dass damit kein Ziehen, Zerren oder Zurechtbiegen von Kindern gemeint sei. Professionelle Erziehung und Bildung müsse dennoch zielgerichtet sein und entsprechende Möglichkeitsräume für Kinder schaffen. Dabei wurde sehr ausführlich auf den Bildungs-, Erziehungs- und Betreuungsauftrag in Ableitung aus dem SGB VIII (Kinder- und Jugendhilfe) eingegangen.

Diese klarstellende Einführung in den Veranstaltungstag wäre unnötig gewesen, wenn schon im Vorfeld des formalen Fortschreibungsprozesses mehr Transparenz gegenüber und wertschätzender Dialog mit der Fachpraxis erfolgt wäre. Dies hätte einige Skepsis abmildern können und den nun Handelnden sicherlich einen Vertrauensvorschuss gegeben.

Facharbeitsgruppen nehmen die Arbeit auf – Praxisworkshops geplant

In der Auftaktveranstaltung startete dann auch die erste Arbeitsphase. Hierfür gibt es fünf Facharbeitsgruppen: Bildungsverständnis, Ausbildung/Qualifikation, Übergang Elementar-/Primarbereich/Hort, Kita-Qualität/Organisationsentwicklung und Elternmitwirkung/Sozialraum. Darüber hinaus soll es Praxisworkshops direkt mit Praktiker*innen geben.

Während die Teilnehmenden der Facharbeitsgruppen recht frei, teils auf Vorschlag des Fachbeirats hin, ausgewählt wurden, werden die Teilnehmenden der Praxisworkshops mittels Losverfahren anhand einer festgelegten Stichprobensystematik ermittelt. So wird beispielsweise die ausgewogene Beteiligung von kleinen und großen Kitas aus städtisch und ländlich geprägten Räumen abgesichert. Der gesamte Entwicklungsprozess ist nach der Methode der Aktionsforschung gestaltet und bindet zirkulär Erkenntnisse aller Beteiligungsformate immer wieder mit ein.

Die Fortschreibung gemeinsam gestalten

Das Kommunikationsmosaik nun beiseitezulegen und einen transparenten, ehrlichen Prozess auf Augenhöhe mit allen relevanten Akteur*innen im frühkindlichen Bereich zu gestalten, liegt nun vorerst bei den Prozessverantwortlichen der EHS und der Hochschule Zittau-Görlitz. Der Start ist ihnen jedenfalls gelungen, auch wenn einige Irritationen bestehen blieben. Unklar ist etwa weiterhin, ob es sich um eine Überarbeitung oder Neukonzeption des Sächsischen Bildungsplans handelt. Auch das Thema Standards scheint nicht vollkommen ausgeräumt. So wurde der Begriff der Pädagogischen Diagnostik sehr prominent gesetzt, der auch mit der Feststellung von Defiziten verknüpft sein könnte. Aber so ist es eben, wenn sich Dinge neu entwickeln, nicht alles ist am Anfang schon ganz klar.

Für uns als Verband wird es im weiteren Prozessverlauf wichtig sein, dass die Erfahrungen der Praxis mit dem aktuellen Bildungsplan in die Fortschreibung einfließen. Das breite Erfahrungswissen der Praxis ist nicht zuletzt für die Umsetzbarkeit eines neuen Bildungsplans unabdingbar. Der Paritätische Sachsen steht hierfür als Partner weiterhin zur Verfügung.

Stimmen aus der Praxis

Neben dem Paritätischen selbst erlebten vier Mitgliedsorganisationen diesen ersten Facharbeitsgruppentag. Melanie Walther, Fachberaterin für Kindertagesstätten bei der Volkssolidarität Vogtland e. V., schildert ihren Eindruck wie folgt: „Mein Eindruck zur Veranstaltung war insgesamt positiv, denn ich hatte das Gefühl, dass die Bedenken der Praxis im Vorfeld wahrgenommen wurden und so im Rahmen des ersten Treffens vorwiegend Aufklärungsarbeit betrieben wurde. Die größten Herausforderungen innerhalb der Arbeitsgruppe Ausbildung und Qualifikation wird es geben, flächendeckend in allen Fachschulen die neuen überarbeiteten Inhalte des Bildungsplans zeitnah ab Veröffentlichung in den entsprechenden Lernfeldern zu initiieren und zu thematisieren. Die sehr kurze Zeitschiene könnte dies erschweren, denn auch die Fachschullehrer*innen bedürfen einer Fortbildung über die neuen Inhalte. Wünschenswert für den weiteren Prozess ist ein transparentes Arbeiten der Wissenschaftler, um zu erkennen, welche Rückschlüsse bzw. Ideen sie aus den jeweiligen Arbeitsgruppen/Plenartreffen ziehen und welche konkreten Ideen für die Fortschreibung des Bildungsplans sich daraus ergeben.“

Andreas Blume, Geschäftsleitung des Kinderschutzbundes, Ortsverband Dresden e. V., sagt zur Auftaktveranstaltung: „Ich begrüße den breit angelegten Beteiligungsprozess, der enge Zeitplan wird jedoch alle Beteiligten vor Herausforderungen stellen. In der Facharbeitsgruppe Organisationsentwicklung/Kita-Qualität wird die zentrale Aufgabe sein, eine Einigung bzgl. der Anforderungen an notwendige Rahmenbedingungen zu formulieren, auf diese jedoch keinen unmittelbaren Einfluss nehmen zu können. Von den beiden wissenschaftlichen Instituten wünsche ich mir die klare Benennung notwendiger Rahmenbedingungen für eine theoretisch fundierte Arbeit in Kindertageseinrichtungen.“

Bereits vor der Auftaktveranstaltung fasste die Liga der freien Wohlfahrt die wichtigen Punkte für den Prozess einer Fortschreibung des Sächsischen Bildungsplans in einem Positionspapier zusammen. Das Positionspapier lesen Sie auf der Liga-Webseite: www.liga-sachsen.de


Kontakt:

Nicole Börner (Referat Bildung, Schwerpunkt Kita und Hort)
Tel.: 0351 - 828 71 141
E-Mail: nicole.boerner(at)parisax.de