Die Mitgliedsorganisationen erleben die derzeitigen gesellschaftliche Veränderungen in ihrer täglichen Arbeit. Daher legt der Verband mit „Parität 2030“ einen stärkeren Fokus auf Politikberatung und Interessenvertretung, um die Perspektive der Sozialen Arbeit noch besser in politische und administrative Entscheidungsprozesse einzubringen.
„Seit den 1990er Jahren haben wir in Sachsen viel erreicht – vom Aufbau der sozialen Sicherungssysteme bis zum Ausbau vielfältiger Angebote in der Bildungs- und Sozialarbeit. Heute stehen wir erneut vor großen, komplexen Veränderungen“, stellt Michael Richter, Landesgeschäftsführer des Paritätischen Sachsen, fest. „Demografischer Wandel, Digitalisierung, gesellschaftliche und politische Veränderungen prägen unser Arbeitsfeld. Jetzt kommt es darauf an, aufmerksam und flexibel zu bleiben, Veränderungen früh zu erkennen und die Zukunft aktiv mitzugestalten. Machen wir das nicht, werden Entscheidungen ohne uns getroffen.“
Trends erkennen, gemeinsam handeln
Mit „Parität 2030“ schaute der Verband gemeinsam mit seinen Mitgliedsorganisationen genauer hin: Welche Entwicklungen prägen Sachsen in den nächsten Jahren? Fünf wichtige Zukunftstrends, Querschnittsthemen und zehn konkrete Aufgabenfelder wurden dafür anhand von Studien, Prognosen und den Erfahrungen aus der Praxis zusammengestellt. Die Agenda macht nun deutlich, wie der Paritätische und seine Mitgliedsorganisationen soziale Infrastruktur im Land stärken können – und zwar gemeinsam mit Politik, Verwaltung und anderen Partner*innen. Dabei ist klar: Soziale Arbeit, Politik und Verwaltung haben verschiedene Aufgaben, Sichtweisen und Arbeitsweisen, die berücksichtigt werden müssen, wenn zusammen an Lösungen für die Zukunft gearbeitet werden soll.
Soziale Arbeit ist prozess- und wirkungsorientiert
Soziale Arbeit setzt durch Beratung, Begleitung und Förderung von Teilhabe auf individueller Ebene an. Im Gemeinwesen entfaltet sie ihre Wirkung durch Prävention, Integration und starke soziale Netze. Sozialarbeit erkennt frühzeitig Problemlagen, stabilisiert in Krisen und ermöglicht Menschen Selbstbestimmung. Die Ergebnisse zeigen sich oft erst langfristig und sind nicht immer direkt messbar. Obwohl Soziale Arbeit nicht irgendein neues Phänomen ist, muss ihre Wirkweise immer wieder erklärt und in der Kommunikation mit Politik und Verwaltung in deren Logik übersetzt werden. Diese Übersetzungsleistung ist im Sinne einer erfolgreichen Politikberatung und Interessenvertretung eine der Kernaufgaben des Verband.
Politik ist ziel- und ergebnisorientiert
Politik dagegen denkt oft in Projekten und sucht nach sichtbaren Erfolgen innerhalb klarer Zeitfenster wie Wahlperioden oder Haushaltsjahren. Politische Entscheidungen sind geprägt von verschiedenen parteipolitischen Interessen, Kompromissen, wechselnden Mehrheiten und öffentlicher Wahrnehmung. Soziale Arbeit ist daher gefordert, ihre Anliegen verständlich, lösungsorientiert und zum richtigen Zeitpunkt zu platzieren. Dabei muss der Verband politische Realitäten wie zum Beispiel knappe Kassen, Personalmangel und den Wunsch nach spürbaren bzw. sichtbaren Erfolgen stets im Blick behalten.
Verwaltung ist verfahrens- und umsetzungsorientiert
Das Handeln der Verwaltung wiederum ist auf die Umsetzung politischer Entscheidungen konzentriert und somit geprägt von Kontinuität, Planbarkeit und dem Anspruch auf Rechts- und Verfahrenssicherheit. Verwaltungsprozesse sind langfristig angelegt und erfordern frühzeitige, kontinuierliche Kommunikation sowie belastbare Fakten. Eine zentrale Aufgabe des Verbandes ist es daher, die Expertise und Praxiserfahrungen seiner Mitgliedsorganisationen strukturiert einzubringen, Verwaltungslogiken zu beachten und die Zusammenarbeit auf Augenhöhe zu gestalten. Hierbei ist es ebenfalls wichtig, frühzeitig und mit klaren Aussagen auf die Gesprächspartner*innen zuzugehen. Nur so entstehen praxisnahe, nachhaltige Lösungen.
Brücken bauen zwischen Systemen und Lebenswelten
Der Paritätische Sachsen bringt Soziale Arbeit, Politik und Verwaltung miteinander ins Gespräch. Als Brückenbauer hilft er dabei, die oft langfristigen und komplexen Wirkungen Sozialer Arbeit so zu erklären, dass sie für politische und administrative Entscheidungen nachvollziehbar werden. Auf diese Weise sorgt der Verband dafür, dass Maßnahmen wirklich zum Bedarf der Menschen passen. Wenn verschiedene Logiken, Sichtweisen und Erwartungen aufeinandertreffen, vermittelt der Verband, gleicht Unterschiede aus und schafft Vertrauen.
Mitgliederbeteiligung als Fundament starker Interessenvertretung
„Der Grundstein für eine wirksame Interessenvertretung durch den Paritätischen Sachsen liegt in einer starken, dialogorientierten internen Kommunikation. Der Verband setzt auf direkte Kommunikationswege und neue Beteiligungsformate, um die Mitglieder aktiv einzubinden und ihre Expertise einzubeziehen“, erklärt Michael Richter. „Nur gemeinsam können wir die Herausforderungen in der Sozialen Arbeit überzeugend gegenüber Politik und Verwaltung vertreten. Das Wissen und die Erfahrungen der Mitgliedsorganisationen sind entscheidend, damit die Stimme des Verbandes Gewicht hat und wir etwas bewegen.“
Netzwerke, neue Kooperationen und Transparenz als Erfolgsfaktoren
Erfolgreiche Interessenvertretung ist immer auch Netzwerkarbeit. Der Paritätische Sachsen arbeitet eng mit anderen Wohlfahrtsverbänden, zivilgesellschaftlichen Organisationen, Gewerkschaften und der Wissenschaft zusammen. Zudem strebt der Verband neue Kooperationen an, zum Beispiel mit Kommunen, Handwerk und Wirtschaft. Ziel ist es, gemeinsame Anliegen und die Potenziale Sozialer Arbeit bei der Lösung gesellschaftlicher Aufgaben herauszuarbeiten. Damit das gelingt, werden beispielsweise der Austausch im Beirat des Paritätischen und das Engagement bei größeren Bündnissen und Kampagnen auf Landesebene intensiviert. Transparenz ist dabei entscheidend: Der Verband legt offen, für wen er spricht, wie er arbeitet und welche Ziele er verfolgt.
Gemeinsam Zukunft gestalten
„Die Anforderungen an die soziale Infrastruktur in Sachsen sind vielfältig und verändern sich stetig. Gemeinsam mit unseren Mitgliedsorganisationen nehmen wir diese Herausforderungen an und setzen auf Zusammenarbeit mit Politik und Verwaltung. Dabei müssen wir mehr denn je mit eigenen Lösungsansätzen nach vorne gehen, die neben der fachlichen Perspektive immer auch die Anliegen und Zwänge von Politik und Verwaltung berücksichtigen. So gestalten wir die sozialen Rahmenbedingungen im Land Schritt für Schritt – nah an der Praxis und immer mit Blick auf die Menschen“, beschreibt Michael Richter den Ansatz der künftigen Verbandsarbeit.
Sie wollen an Positionen mitarbeiten und neue Lösungen entwickeln? Unsere Mitgliedsorganisationen sind eingeladen, sich einzubringen – beispielsweise bei verbandlichen Veranstaltungen. Wann sie dies als nächstes tun können, lesen Sie in unserem Veranstaltungskalender oder wenden Sie sich direkt an das Team des Paritätischen.
Der Artikel erschien zuerst in der Ausgabe September 2025 des Verbandsmagazins anspiel.
