Gemeinsame Pressemitteilung des Paritätischen Sachsen und der GEW Sachsen:
Allein 2025 waren sachsenweit 7.500 Kinder weniger in Kitas als im Vorjahr. Der Trend sinkender Kinderzahlen hält an und schlägt sich spürbar auf die Kita-Landschaft in Sachsen nieder. Der Paritätische Wohlfahrtsverband Sachsen und die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft Sachsen (GEW Sachsen) fordern den Freistaat daher auf, die Kita-Infrastruktur im Freistaat zukunftsfest aufzustellen.
Auf einer gemeinsamen Pressekonferenz in Dresden warnten der Wohlfahrtsverband und die Gewerkschaft davor, die Fehler der 1990er Jahre zu wiederholen, indem man die Kita-Infrastruktur und die Fachkräfte untätig aufgibt. Bei wieder steigenden Kinderzahlen müsste dann vieles neu aufgebaut werden, was zu einer Mehrbelastung öffentlicher Kassen führen würde. Beide Akteure forderten gemeinsame Kraftanstrengungen von Freistaat, Kommunen und Trägerlandschaft, um eine wohnortnahe Kita-Versorgung abzusichern. Hierfür bedürfe es einer reformierten Finanzierung sowie flexiblerer Strukturen zur Angebotsgestaltung vor Ort. Zudem müssten die sinkenden Kinderzahlen endlich genutzt werden, um mit den freiwerdenden Mitteln die Bildungsqualität weiterzuentwickeln.
Michael Richter, Landesgeschäftsführer des Paritätischen Sachsen, sagt: „Die sinkenden Kinderzahlen entfalten bereits Wirkung in den Kitas. Stellenabbau, Schließungen, längere Wege für Eltern und Kinder sowie steigende Kosten für die jeweiligen Gemeinden und Eltern sind die Folge. Wir brauchen in Sachsen endlich eine Debatte darüber, wie wir Kitas zukunftsfest aufstellen, um Strukturverluste zu vermeiden. Es geht nicht um den Einrichtungserhalt um jeden Preis. Vielmehr fordern wir endlich eine Vision und Maßnahmen, die den Erhalt von Infrastruktur ermöglichen, um bei steigenden Geburtenzahlen nicht wieder alles neu aufbauen zu müssen. Das können Kommunen und Träger nicht allein leisten. Dafür muss die Kita-Finanzierung verändert werden und der Freistaat stärker in die Verantwortung gehen. Daher muss vom Kita-Fachkongress des Sächsischen Kultusministeriums zur Zukunft der Kitas im Mai ein klarer Impuls für einen übergreifenden Dialog ausgehen. Zudem darf nicht vergessen werden, dass Kitas nicht nur Bildungsorte sind, sondern nachweislich zur Attraktivität des Wirtschaftsstandortes beitragen."
Burkhard Naumann, Vorsitzender der GEW Sachsen, unterstreicht: „Die Landesregierung hat sich im Koalitionsvertrag auf eine Reform der Finanzierung sowie Qualitätsverbesserungen geeinigt. Das ist nicht zuletzt ein Erfolg der gemeinsamen Kita-Aktionen im Vorfeld der Landtagswahl 2024. Doch seitdem ist nichts passiert, während landesweit Kitas vor der Schließung stehen. Pädagogische Fachkräfte werden immer stärker in Teilzeit gedrängt, viele wurden bereits gekündigt, obwohl Sachsen bundesweit noch immer Schlusslicht bei der personellen Ausstattung von Kitas ist. Wir benötigen dringend mehr statt weniger Personal an den Einrichtungen und mehr Zeit für das einzelne Kind! Der Freistaat darf nicht länger zuschauen. Wir fordern eine öffentliche Debatte zur Zukunft der Kitas in Sachsen und erste Schritte der Landesregierung zum Erhalt von Kitas noch in diesem Jahr."
Das gemeinsame Forderungspapier des Paritätischen Sachsen und der GEW lesen Sie hier.
Hintergrund: Zahlen des Statistischen Landesamtes gehen davon aus, dass die Geburtenzahl bis 2035 weiter sinken wird. Analog zu dieser Entwicklung erfolgt ein Rückbau der Plätze in Krippen und Kindergärten. Dies wird insbesondere in ländlichen Regionen zu Schließungen führen. Das bedeutet längere Wege für Kinder und Eltern, sinkende Familienfreundlichkeit, Abwanderung von Fachkräften und in der Übergangsphase zudem höhere Kosten für Kommunen und Eltern.
Kontakt für Medienvertreter*innen:
Thomas Neumann (Pressesprecher, Paritätischer Sachsen)
Tel.: 0351 - 828 71 122
E-Mail: thomas.neumann(at)parisax.de
