Parisax Aktuelle Meldungen https://parisax.de/ Parisax Aktuelle Meldungen de Parisax Sat, 25 Jun 2022 03:52:10 +0200 Sat, 25 Jun 2022 03:52:10 +0200 TYPO3 news-8271 Wed, 22 Jun 2022 15:55:00 +0200 Kommentar: Regulierte Abgabe von Cannabis - Präventions- und Aufklärungsangebote stärken https://parisax.de/aktuelles/aktuelles-artikelansicht/news/kommentar-regulierte-abgabe-von-cannabis-praeventions-und-aufklaerungsangebote-staerken/ Die regulierte Abgabe von Cannabis wird sehr wahrscheinlich kommen. Das ist gut so. Bedeutet jedoch, dass Prävention und Aufklärung in der Suchthilfe jetzt gestärkt werden müssen, meint Doreen Voigt, unsere Referentin für Suchthilfe. Die regulierte Abgabe von Cannabis wird sehr wahrscheinlich kommen. Das ist gut so. Bedeutet jedoch, dass Prävention und Aufklärung in der Suchthilfe jetzt gestärkt werden müssen, meint Doreen Voigt, unsere Referentin für Suchthilfe.

Nach Jahrzehnten restriktiver Drogenpolitik scheint sich mit dem Vorhaben einer regulierten Abgabe von Cannabis nun auch in diesem Bereich eine Zeitenwende zu vollziehen. Das ist mehr als überfällig, denn die bisherige Drogenpolitik hat ihr Ziel verfehlt. Sie kriminalisiert und stigmatisiert Konsument*innen. Nicht selten wurde dadurch auch die Arbeit von Prävention und Beratung erschwert.

Es geht nicht mehr um das Ja oder Nein zur regulierten Cannabisabgabe

Wer jetzt noch denkt, dass die entscheidende Frage jene nach dem Ja oder Nein hinsichtlich einer regulierten Abgabe von Cannabis ist, hat die zielorientierte Diskussion bei diesem Thema bereits aus dem Blick verloren. Entschuldigen Sie bitte diese drastische Aussage, aber die Realität ist doch schon viel weiter. Wer heute einen Joint rauchen möchte, der kennt bestimmt jemanden der jemanden kennt. Das trifft insbesondere auf jene Gruppe zu, der bei Rauschmitteln aller Art unsere ungeteilte Aufmerksamkeit gelten muss, den Kindern und Jugendlichen.

Daher freue ich mich, dass die entscheidende Frage in dieser Diskussion einen zentralen Stellenwert in der Position des Paritätischen zur regulierten Cannabis-Abgabe einnimmt, nämlich jene nach dem Jugendschutz und der Stärkung von Präventions- und Aufklärungsangeboten. In der Position ist zu lesen: „Jugend vor Cannabiskonsum schützen und jugendliche Konsumierende entkriminalisieren. Zur Gewährleistung des Jugendschutzes sind Aufklärungs- und Präventionsmaßnahmen für Jugendliche im Themenfeld Cannabis auszubauen und auskömmlich zu finanzieren.“

Erste Schritte der Gesetzgebung machen Hoffnung

Das Gesetzgebungsverfahren für eine regulierte Abgabe von Cannabis hat auf Bundesebene bereits begonnen. Der dafür ins Leben gerufene Konsultationsprozess „Cannabis - aber sicher“ macht Hoffnung, dass bei der Umsetzung dieses komplexen Vorhabens ein breites Spektrum an fachlich versierten Akteur*innen eingebunden und eine vernünftige Regelung auf den Weg gebracht wird.

Auch die jüngsten Äußerungen von Burkhardt Blienert, dem Sucht- und Drogenbeauftragen der Bundesregierung, sprechen eine klare Sprache, wenn er darauf hinweist, dass die Prävention stehen müsste, wenn die regulierte Abgabe starte.

Jetzt Präventionsangebote stärken – Jugend- und Suchthilfe enger verzahnen

Moment, da war doch noch was? Stimmt, die Umsetzung von Suchberatung und Prävention erfolgt auf Landesebene und in den Kommunen. Wenn man auf die regulierte Abgabe von Cannabis adäquat vorbereitet sein möchte, muss man also jetzt aktiv werden. Und das nicht nur allein wegen Cannabis, sondern um möglichen Abhängigkeitserkrankungen in jeder Form rechtzeitig und kompetent entgegentreten zu können. Bereits Ende 2022 soll im Bund ein erster Gesetzentwurf vorliegen. Die Verabschiedung eines Gesetzes bis zur nächsten Bundestagswahl ist mehr als wahrscheinlich, wenn nicht im Rahmen der europäischen Kommission eine andere Entscheidung getroffen wird.

Im aktuell diskutierten Doppelhaushalt des Freistaates müssen daher schon entsprechende Mittel eingeplant werden, damit stabile Beratungsstrukturen etabliert werden können. Die Bereiche Jugendhilfe und Suchthilfe müssen jetzt gemeinsam entsprechende Angebote entwickeln und implementieren können. Bei unseren Nachbarn in Bayern ist man da schon weiter. Dort gibt es bereits Initiativen von Jugendämtern und Akteuren der Suchthilfe, um tragfähige und nachhaltige Aufklärungs- und Präventionsmaßnahmen anzugehen.

Debatte um Cannabis kann mehr

Erlauben Sie mir zum Schluss noch einen Gedanken. Ich denke, die Diskussion um eine regulierte Abgabe von Cannabis und auch der bereits erwähnte Konsultationsprozess auf Bundesebene birgt Chancen über den Umgang mit Cannabis hinaus. Die dort gewonnen Erkenntnisse und möglichen Regelungen zu Suchtprävention und Abgabe könnten auch hinsichtlich anderer Substanzen interessant sein. Wäre es nicht an der Zeit vor dem Hintergrund der dann vorliegenden Ergebnisse in eine Debatte über die regulierte Abgabe von Alkohol einzutreten? Sollten Regelungen für potenziell suchterzeugende Substanzen nicht generell gelten? Als Patentante einer 9-jährigen Tochter habe ich mich an der Supermarktkasse schon immer gefragt, warum der Schnaps so selbstverständlich neben dem Überraschungsei angeboten wird.


Die Position "Neuorientierung der Cannabispolitik: Cannabisabgabe, Jugendschutz und Entkriminalisierung" des Paritätischen Gesamtverbandes lesen Sie hier.


Kontakt:

Doreen Voigt
Referat Sucht und Sozialpsychiatrie
Tel.: 0341 - 961 746 2
E-Mail: doreen.voigt(at)parisax.de

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news-8254 Mon, 20 Jun 2022 06:17:00 +0200 Weiterbilden und Fortbildungspunkte für beruflich Pflegende erwerben https://parisax.de/aktuelles/aktuelles-artikelansicht/news/weiterbilden-und-fortbildungspunkte-fuer-beruflich-pflegende-erwerben/ In Paritätischen Weiterbildungen können Pflegende künftig nicht nur viel für die Berufspraxis lernen, sondern auch Fortbildungspunkte der Registrierungsstelle für beruflich Pflegende sammeln. In Paritätischen Weiterbildungen können Pflegende künftig nicht nur viel für die Berufspraxis lernen, sondern auch Fortbildungspunkte der Registrierungsstelle für beruflich Pflegende sammeln.

Neue medizinisch-pflegerische Erkenntnisse, sich wandelnde Bedarfe von Pflegebedürftigen, aber auch ethische und ökonomische Fragen sind gute Gründe, sich regelmäßig fortzubilden. Praxisorientierte Seminare ergänzen dabei das informelle Lernen im Berufsalltag oder dem fachlichen Dialog mit den Kolleg*innen im Team. Sein Wissen stetig zu vertiefen und neue Kenntnisse und Fähigkeiten zu erlangen ist in der Pflege unabdingbar. Die Fähigkeiten und Kompetenzen der Fachkräfte sind für die Versorgungsqualität ausschlaggebend und Weiterbildungen daher teilweise auch verpflichtend vorgeschrieben.

Pflegekräfte können sich in Deutschland bei der unabhängigen Registrierungsstelle für beruflich Pflegende zentral erfassen lassen. Die Idee dahinter ist, den Stellenwert der professionellen Pflege gegenüber Politik und anderen Berufsgruppen zu stärken. Damit soll nicht nur die Professionalität, sondern auch die hohe Fachlichkeit von Pflegeberufen unterstrichen werden. Gleichsam als Qualitätsprädikat unterstützt sie die berufliche Weiterentwicklung und trägt zum eigenen, transparenten Qualitätsverständnis bei. Pflegende können so ihre Fachexpertise und Qualifikationen nachweisen. Gleichzeitig treten sie für ein Selbstverständnis des Pflegeberufes ein, das von fachlicher Weiterentwicklung und einem hohen professionellen Anspruch getragen ist.

Registrierte Pflegekräfte verpflichten sich, Fortbildungspunkte innerhalb der Registrierungsdauer zu erlangen. Ab sofort können diese Fortbildungspunkte auch in den Weiterbildungen des Paritätischen Sachsen erworben werden. Die angebotenen Seminare haben unterschiedliche Fach- und Sachkompetenzen sowie Managementthemen und Aspekte der Persönlichkeitsentwicklung zum Inhalt. Die erlangten Fortbildungspunkte werden dann auf den Teilnahmezertifikaten ausgewiesen sein. Diese können künftig bei der Registrierungsstelle beruflich Pflegender eingereicht und anerkannt werden, wenn die Pflegekraft bei der Registrierungsstelle zentral erfasst ist.

Nähere Informationen zur Registrierung beruflich Pflegender erhalten Sie auf der Webseite: www.regbp.de

Unsere Weiterbildungsangebote für die Pflege und Altenhilfe finden Sie hier.


Sie haben Fragen, Hinweise oder wünschen sich Unterstützung? Bitte sprechen Sie unser Weiterbildungsteam an.

Tel.: 0351 – 828 71 431
E-Mail: weiterbildung(at)parisax.de

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news-8249 Tue, 14 Jun 2022 11:13:17 +0200 Mit FDAG und BFD erwachsene Freiwillige gewinnen https://parisax.de/aktuelles/aktuelles-artikelansicht/news/mit-fdag-und-bfd-erwachsene-freiwillige-gewinnen/ Menschen im Freiwilligendienst müssen nicht immer jung sein. Der Freiwilligendienst aller Generationen und der Bundesfreiwilligendienst öffnen Türen für erwachsene Menschen. Auch die Einsatzstellen profitieren davon, erklärt Katrin Bressel. Menschen im Freiwilligendienst müssen nicht immer jung sein. Der Freiwilligendienst aller Generationen und der Bundesfreiwilligendienst öffnen Türen für erwachsene Menschen. Auch die Einsatzstellen profitieren davon, erklärt Katrin Bressel.

Als mit dem Freiwilligendienst aller Generationen (FDAG) 2005 die Freiwilligendienste für Menschen jenseits des 27. Lebensjahres geöffnet wurden, war unklar, inwieweit Erwachsene dieses Format annehmen würden. Die Resonanz war beachtlich. Schlussendlich flossen die Erfahrungen des einstigen Bundesmodellprojektes FDAG in den 2011 gestarteten Bundesfreiwilligendienst ein, der von Beginn an keine Altersbeschränkung vorsah. Ihm kamen die Erkenntnisse hinsichtlich der Rahmenbedingungen wie beispielsweise Teilzeitlösungen und ansprechende Angebote der Erwachsenenbildung zugute. Denn eins hatte der FDAG bis dahin ganz sicher bewiesen: Freiwilligendienste sind nicht nur etwas für junge Menschen.

Erwachsene Menschen befinden sich zu Beginn ihres Freiwilligendienstes in sehr unterschiedlichen Lebenslagen. Die Motive reichen von beruflicher Neuorientierung über die Rückkehr aus der Elternzeit bis hin zum Wunsch, noch mal ganz was anderes zu tun oder im Rentenalter eine sinnvolle Aufgabe und Kontakt zu haben. Dem tragen FDAG und BFD jeweils Rechnung. Während der FDAG flexible Einsätze von 10 bis 20 Stunden pro Woche ermöglicht, ist der BFD eher für jene Menschen geeignet, die sich von 23 Wochenstunden bis hin zu Vollzeit engagieren möchten. Beide Dienste bieten eine persönliche pädagogische Begleitung sowie Bildungsangebote, die am Umfang des Engagements ausgerichtet sind.

Soziale Einrichtungen agieren oft im Spannungsfeld einer Vielzahl an Aufgaben und einem eng bemessenen Zeitbudget. Um einer permanenten Überlastung des Personals entgegenzuwirken, müssten jene Dinge wegfallen, die den Angeboten ihre besondere Note geben. Meist sind das Aufgaben, die nicht zwingend von einer Fachkraft ausgeführt werden müssen. Darunter fallen Vorlesen, Spazierengehen, Zuhören, Spielnachmittage, Gartenpflege und ähnliches. Aber auch viele übliche Hilfstätigkeiten in der Arbeit mit Kindern, Jugendlichen, behinderten oder alten Menschen können durch Freiwillige erbracht werden.

War es vor 15 Jahren noch ungewohnt, auch Lebensältere als Freiwillige einzubinden, schätzen viele Einsatzstellen inzwischen diese Möglichkeit. Für manche Dienste braucht es einfach mehr Lebenserfahrung oder einen Altersabstand zur Zielgruppe. Auch die flexiblere Zeitgestaltung kann ausschlaggebend sein. Und für wiederum andere ist es schlicht die Tatsache, dass Jugendfreiwilligendienste im Gegensatz zu jenen für Ältere zahlenmäßig begrenzt sind. Nicht zu vergessen ist zudem der Kontakt zu Menschen, die möglicherweise als beruflich Quereinsteigende zukünftig das Team bereichern können.

Einsatzstellen, die diese Formate ausprobiert haben, sind dabei geblieben. Den Freiwilligen steht neben dem BFD mit dem FDAG eine tolle Option offen. Die Paritätische Freiwilligendienste Sachsen gGmbH hilft bei der Freiwilligengewinnung, unterstützt das Engagement in den Einrichtungen durch gemeinschaftsstiftende, anregende Bildungstage und steht helfend zu Seite, wenn es mal nicht optimal läuft. Denn auch das soll vorkommen, aber Lösungen finden sich eigentlich immer.


Freiwilliges Engagement ist nicht nur eine wertvolle Stütze für die Zivilgesellschaft und soziale Organisationen. Für letztere kann sie auch ein wichtiges Instrument der Nachwuchsgewinnung sein. Die Paritätische Freiwilligendienste Sachsen gGmbH unterstützt Einrichtungen bei der Suche, Vermittlung und Begleitung von Freiwilligen. Sie wollen Einsatzstelle werden? Mehr dazu unter:

www.freiwillig-jetzt.de/fuer-einsatzstellen


Der Artikel erschien zuerst in der März-Ausgabe 2022 unseres Verbandsmagazins anspiel.

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news-8237 Fri, 10 Jun 2022 06:18:00 +0200 Freiwilligendienste: Miteinander digital gestalten https://parisax.de/aktuelles/aktuelles-artikelansicht/news/freiwilligendienste-miteinander-digital-gestalten/ Freiwilligendienste sind ohne persönliche Begegnungen nicht vorstellbar. Bei Internationalen Freiwilligen sind sie besonders wichtig. Pia Klimt, Bildungsreferentin im Bundesfreiwilligendienst (BFD) Incoming, hält Rückschau, wie sich die Corona-Pandemie auf ihre Arbeit mit den jungen Menschen aus aller Welt auswirkte. Freiwilligendienste sind ohne persönliche Begegnungen nicht vorstellbar. Bei Internationalen Freiwilligen sind sie besonders wichtig. Pia Klimt, Bildungsreferentin im Bundesfreiwilligendienst (BFD) Incoming, hält Rückschau, wie sich die Corona-Pandemie auf ihre Arbeit mit den jungen Menschen aus aller Welt auswirkte.

Unsere Freiwilligen im BFD Incoming kommen aus China, Algerien, Mozambique, der Mongolei, Tunesien, Kolumbien, Tadschikistan, Indonesien - eigentlich fast jedem Teil der Welt. Sie sind für ein Jahr in Deutschland und unterstützen die Arbeit in Kitas, Schulen, Horten und der Pflege. Normalerweise begrüße ich sie an mindestens zwei Tagen im Monat in unserer Geschäftsstelle. Wir tauschen uns aus und lachen viel. Jeden Monat erkunden wir gemeinsam einen Ausschnitt des gesellschaftlichen und kulturellen Lebens in Deutschland. Dazu gehören beispielsweise Jahreskreisfeste, Alles rund ums Fahrrad, Urban Gardening, Vorschulische Bildung oder das Bild vom Kind in sächsischen Kitas. Diese Tage sind jedes Mal ein Fest. Gemeinsam lernen wir viel über die Heimatländer der Teilnehmenden und bereden gleichwohl Schwierigkeiten in ihrem Alltag als Freiwillige.

Doch dann kam Corona. Alle saßen in ihren Wohnungen und waren auf sich gestellt. Bildungsveranstaltungen in Präsenz konnten nicht stattfinden. Die wichtigen Momente der persönlichen Begegnung fielen weg. Neueingereiste hatten Probleme, in Deutschland anzukommen. Heimweh machte die Herzen schwer.

Wie froh waren die jungen Menschen, wenn sie sich zumindest am Bildschirm sehen konnten. Mir ging es ebenso. Wir etablierten recht schnell regelmäßige Online-Treffen zur Vernetzung und – ganz wichtig – zur Ermutigung. Außerdem erklärten wir die jeweils geltenden Corona-Regeln. Diese Informationen wären in einer Mail sicher nur teilweise verstanden worden. Es war gut, dass alle ihre Fragen und Sorgen beispielsweise um ihre Familien in den Heimatländern miteinander teilen konnten. Wie wertvoll Gemeinschaft doch ist.

Der Online-Bildung an sich standen wir als Team anfangs skeptisch gegenüber. Doch zunehmend wurden wir in der Gestaltung von Workshops und Bildungstagen kreativer. Wir überwanden technische und sprachliche Hürden. Einige Themen passten wir dem neuen Format an, andere planten wir um. Unser Bildungstag „Mythos Dresden – Dresden im Zweiten Weltkrieg“ fand dann mitten im Lockdown statt. Die beiden Tage waren eine Mischung aus Kurzvorträgen zum Nationalsozialismus und praktischen Erkundungsaufgaben zu Denkmälern, Stolpersteinen und Kunstaktionen zum 13. Februar. In Breakout-Sessions tauschten sich die internationalen Freiwilligen zudem über die Wahrnehmung des Zweiten Weltkriegs in ihren Heimatländern aus. Das war hochspannend und wie schön wäre es gewesen, bei einem so schweren Thema näher bei einander zu sein.

Nach dem fünften Bildungstag stellte sich bei allen - leider erwartbar - eine gewisse Online-Müdigkeit ein. Begegnung in einer Videokonferenz ist eben nicht dasselbe wie eine herzliche Umarmung oder gemeinsames Lachen und Kochen in großer Runde. Dennoch kann ich festhalten, dass uns die Videokonferenzen durch eine einsame Zeit getragen haben.

Mein Fazit lautet daher: Ich möchte digitale Methoden und Präsenzveranstaltungen auch künftig kombinieren. Denn der kurze Austausch online hat genauso seine Vorteile, wie der persönliche Kontakt zu unseren Freiwilligen in Präsenz unverzichtbar ist. Bildungsangebote und Miteinander können eben vielfältig sein – genauso wie die Bedürfnisse unserer Freiwilligen.


Informationen zu verschiedenen Freiwilligendiensten finden Sie auf www.freiwillig-jetzt.de


Der Artikel erschien zuerst in unserem Verbandsmagazin anspiel. vom März 2022.

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news-8218 Tue, 07 Jun 2022 06:36:00 +0200 Regionalwahlen 2022: Soziale Themen vor Ort mitbestimmen https://parisax.de/aktuelles/aktuelles-artikelansicht/news/regionalwahlen-2022-soziale-themen-vor-ort-mitbestimmen/ Kommunalwahlen kommen zuweilen blass daher, dabei haben sie entscheidenden Einfluss auf die lokalen und regionalen Entwicklungen. Auf die im Juni 2022 anstehenden Landrats- und Bürgermeisterwahlen trifft dies besonders zu, da sie einschneidende Veränderungen für die soziale Infrastruktur bedeuten könnten. Kommunalwahlen kommen zuweilen blass daher, dabei haben sie entscheidenden Einfluss auf die lokalen und regionalen Entwicklungen. Auf die im Juni 2022 anstehenden Landrats- und Bürgermeisterwahlen trifft dies besonders zu, da sie einschneidende Veränderungen für die soziale Infrastruktur bedeuten könnten.

Am 12. Juni 2022 werden in neun von zehn sächsischen Landkreisen neue Landrät*innen gewählt. Die Bürgerschaft eines Landkreises kann so per Mehrheitswahl die politische Richtung für die kommenden sieben Jahre bestimmen. Denn gewählt ist, wer im ersten Wahlgang mehr als 50 Prozent der abgegebenen Stimmen oder im zweiten Wahlgang die Mehrheit der abgegebenen Stimmen erhält. Ein möglicher zweiter Wahlgang fände am 3. Juli 2022 statt.

Landrät*innen als Interessenvertretung der Region

„Der Landrätin bzw. dem Landrat kommt entscheidendes politisches Gewicht zu. Als Vorsitzende des Kreistags und Leitung der Kreisverwaltung vertreten sie maßgeblich den Landkreis und seine jeweiligen Interessen vertreten. Obwohl das Amt in erster Linie als ausführendes Organ der Beschlüsse des Kreistages fungiert, können Amtsinhabende die Rahmenbedingungen vor Ort stark beeinflussen. Das haben wir in den vergangenen Jahren immer wieder erlebt“, erklärt Daniel Fuchs, Bereichsleiter Regionalgeschäftsstellen des Paritätischen Sachsen.

Für die Durchsetzung der eigenen Ziele oder Initiativen braucht es jedoch immer die Mehrheit im Kreistag. So sind für die Mehrheitsfindung kommunale Koalitionen entscheidend, die sich lokal auch über Parteigrenzen hinweg bilden können. Auch die Zusammenarbeit zwischen Landrät*innen und dem Bürgermeisteramt ist entscheidend. Gerade in den kreisfreien Städten bildet dieses Amt das politische Pendant. 

Bürgermeisterwahlen als eine Grundlage für Mehrheiten im Kreistag

Daher kommt den Bürgermeisterwahlen auf Städte- und Gemeindeebene ebenfalls ein großes Gewicht zu, da analog zu den Landratswahlen auch hier größere politische Veränderungen zu erwarten sind. In etwa der Hälfte der rund 400 Städte und Gemeinden Sachsens wird 2022 die Rathausspitze neu besetzt und das Personalkarussell scheint sich mehr denn je zu drehen. Zum einen, weil sich bisherige Amtsinhaber*innen altersbedingt in den Ruhestand verabschieden und zum anderen stehen Kandidat*innen zur Wahl, die nicht der bekannten Parteienlandschaft angehören. Auf lokaler Ebene wiegt die persönliche Sympathie für Personen oft schwerer als das Parteibuch, weshalb Wahlberechtigte umso mehr gefordert sind, die Anliegen der Kandidat*innen genau zu prüfen, bevor sie ihre Stimme abgeben.

Schon jetzt sind Akteur*innen der freien Wohlfahrtspflege in den Landkreisen aktiv, um mit den Kandidat*innen über deren sozialpolitische Prämissen zu reden und auf konkrete Problemlagen in der Sozialen Arbeit aufmerksam zu machen. Mögliche Lösungsansätze können dann im Wahlkampf aufgegriffen werden. Dabei zeigt sich, welchen Stellenwert soziale Fragen auf der Agenda der Kandidat*innen haben. Die Regionalgeschäftsstellen des Paritätischen Sachsen werden im Austausch mit den Trägern des Sozial- und Bildungsbereich die Umsetzung der gegebenen Versprechen vorantreiben.

Beigeordnete als inhaltliche Weichensteller

Mit der Landratswahl ist die Entscheidungsfindung 2022 nicht vorbei. Im 3. Quartal wählen die Kreistage vermehrt die Beigeordneten. Diese sind die Stellvertretungen der Landrätin oder des Landrats. Sie vertreten ihr Dezernat entsprechend der sachlichen Zuständigkeit und ihrer fachlichen Erfahrungen und Kompetenzen. So verkörpern die Beigeordneten nach dem Wahlergebnis der Kommunalwahl nicht nur die politische Mehrheit im Stadt- oder Gemeinderat, sondern beeinflussen zudem, welche Themenbereiche und Inhalte vordergründig behandelt werden. Auch dieser Position kommt eine hohe Steuerungsverantwortung hinsichtlich der Ausrichtung und Ausführung gesetzter Inhalte zu.

Daniel Fuchs sagt dazu: „Der Dialog mit den zuständigen Beigeordneten oder Sozialdezernent*innen ist für die Umsetzung von sozialpolitischen Fragen sehr wichtig. In den vergangenen Jahren konnten die Regionalleitungen des Paritätischen Sachsen in Gesprächen mit Beigeordneten die Soziale Arbeit vor Ort maßgeblich mitgestalten oder auf Problemlagen hinweisen. Vor dem Hintergrund angespannter kommunaler Haushalte war nicht selten von Einsparungen und Kürzungen die Rede. Jedoch ist es bislang durch gezielte Ansprache häufig gelungen, dass gerade im unterfinanzierten Sozialbereich keine Kürzungen stattfanden oder Dynamisierungen ausblieben. Die Träger konnten ihre Arbeit daher im gewohnten Umfang fortsetzen.“

Vorhaben und Einstellung der Kandidat*innen genau betrachten

Spannend wird daher sein, inwieweit die bisher guten Kontakte und die Beteiligung der Wohlfahrtsverbände auch an sozialplanerischen Prozessen in Zukunft Bestand haben, wenn die Ämter neu besetzt werden. Das hängt nicht zuletzt mit der Grundeinstellung der Kandidat*innen zu Fragen der sozialen Verantwortung, der aktiven Beteiligung der Zivilgesellschaft und der Teilhabe aller Bevölkerungsgruppen zusammen. „Ich bitte alle Wahlberechtigten, diese Aspekte bei der Stimmabgabe zur Landrats- sowie bei der Bürgermeister*innenwahl besonders zu berücksichtigen. Schließlich stellen wir mit der Wahl im Sommer die Weichen für die kommenden sieben Jahre. Anders als in den vorhergehenden Wahlperioden geht es neben der sozialpolitischen Ausrichtung auch um die Folgen der Corona-Pandemie. Diese abzumildern, liegt hinsichtlich der Kinder und Jugendlichen in kommunaler Verantwortung“, betont der Bereichsleiter.

Das Interesse an den diesjährigen kommunalen Wahlgängen mutet aktuell noch recht verhalten an. Dabei scheint sich den Wähler*innen diesmal eine weit größere Auswahl an Kandidat*innen zu bieten als in den Wahlgängen zuvor. Zudem haben einige Parteien und Wahlvereinigungen bereits angekündigt, für die Kandidat*innen anderer Gruppierungen zu werben, sollte die eigene Spitzenperson im ersten Wahlgang scheitern. In den kommenden Monaten werden sich den Wähler*innen verschiedene Möglichkeiten bieten, die kandidierenden Akteur*innen kennenzulernen und mit ihnen ins Gespräch zu kommen. Eine Chance, die alle Wahlberechtigten diesmal unbedingt wahrnehmen sollten, bevor sie am 12. Juni 2022 ihre Stimme abgeben.


Der Beitrag erschien zuerst in der März-Ausgabe unseres Verbandsmagazins anspiel.

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news-8219 Fri, 03 Jun 2022 13:50:56 +0200 Position: Inklusive Schule als selbstverständliches Bildungskonzept https://parisax.de/aktuelles/aktuelles-artikelansicht/news/position-inklusive-schule-als-selbstverstaendliches-bildungskonzept/ Laut Sächsischem Staatsministeriums für Kultus besuchten 2021 nur 36,4 Prozent der Schüler*innen mit einer Behinderung eine Regelschule. Vor diesem Hintergrund fordert der Paritätische Sachsen stärkere Anstrengungen für ein inklusives Bildungssystem. Laut Sächsischem Staatsministeriums für Kultus besuchten 2021 nur 36,4 Prozent der Schüler*innen mit einer Behinderung eine Regelschule. Vor diesem Hintergrund fordert der Paritätische Sachsen stärkere Anstrengungen für ein inklusives Bildungssystem.

Bereits 2009 ratifizierte die Bundesrepublik Deutschland die Behindertenrechtskonvention der Vereinten Nationen (UN-BRK). In dieser verpflichten sich die Vertragsstaaten unter anderem dazu, auf allen Ebenen ein integratives Bildungssystem zu gewährleisten. Ferner ist im Aktionsplan der Sächsischen Staatsregierung zur Umsetzung der UN-BRK von 2016 zu lesen, dass der Freistaat Sachsen „die schrittweise Umsetzung der Maßgaben der UN-BRK zur Gewährleistung eines inklusiven Bildungssystems [als einen] Schwerpunkt der bildungspolitischen Entwicklung der nächsten Jahre“ betrachtet.

Im Bericht des Sächsischen Staatsministeriums für Kultus über die Umsetzung der Inklusion aus dem Jahr 2021 fällt die Bilanz jedoch eher ernüchternd aus. Im Vergleich zu 2015 ist der Anteil der Kinder und Jugendlichen mit Behinderung/ sonderpädagogischem Förderbedarf an sächsischen Regelschulen nur um knapp fünf Prozent gestiegen. Damit lernen nur etwas mehr als ein Drittel der Schüler*innen mit einer Behinderung inklusiv an Regelschulen.

„Die Erfahrungen mit verschiedenen Ansätzen der inklusiven Beschulung sind in den zurückliegenden Jahren gewachsen. Gerade Schulen in freier Trägerschaft haben diesbezüglich viel Kompetenz aufgebaut. Die von ihnen umgesetzten Schulkonzepte sind oft von Beginn an inklusiv ausgerichtet. Insgesamt bleiben wir in Sachsen jedoch hinter den von Freistaat selbstgesteckten Zielen zurück“, stellt Nicole Börner, Referentin Bildung des Paritätischen Sachsen, fest.

Vor diesem Hintergrund hat der Paritätische Sachsen seine Positionen zur inklusiven Schulbildung noch einmal neu gefasst und fokussiert auf die wichtigsten Schritte, die es nun zu gehen gilt. Zentrales Anliegen des Verbandes ist dabei, dass alle Kinder und Jugendlichen möglichst wohnortnah eine Regelschule besuchen und alle sächsischen Schulen fachlich und organisatorisch in der Lage sind, dies zu gewährleisten.

Zudem spricht sich der Verband für die wohnortnahe Beratung und Unterstützung der Eltern zum Bildungsweg ihres Kindes aus. Ferner soll die Qualifikation der Fachkräfte zum Thema Inklusion gestärkt werden. Insbesondere Schulleitungen brauchen ausreichende Kenntnisse über die Ausgestaltung eines inklusiven Schulbetriebes. Damit dies auch nach den jeweiligen Gegebenheiten vor Ort gelingt, sollen Schulen in staatlicher und freier Trägerschaft ein Inklusionsbudget sowie den Zugang zur Fachberatung erhalten.

„Wir verfügen in Sachsen über vielfältiges Wissen und Erfahrungen bezüglich der inklusiven Beschulung. Darauf gezielt zurückzugreifen, den schulübergreifenden Dialog – gerade auch zwischen staatlichen und freien Schulen - zu befördern, ist ein entscheidender Schlüssel zum Erfolg“, zeigt sich die Bildungsreferentin überzeugt. Mit der nun vorgelegten Position möchte der Paritätische Sachsen auch diesen Dialog erneut anstoßen.

Das Positionspapier können Sie hier lesen.


Kontakt:

Nicole Börner (Referentin Bildung)
Tel.: 0351 – 828 71 152
E-Mail: nicole.boerner(at)parisax.de

 

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news-8095 Wed, 01 Jun 2022 07:28:00 +0200 Berufsbegleitend studieren: Ein Gewinn für Arbeitgeber und Arbeitnehmende https://parisax.de/aktuelles/aktuelles-artikelansicht/news/berufsbegleitend-studieren-ein-gewinn-fuer-arbeitgeber-und-arbeitnehmende/ Im Wintersemester 2022 startet unser Studiengang „Soziale Arbeit/Sozialpädagogik“ in die nächste Runde. Auch Arbeitgeber profitieren von einem berufsbegleitenden Studium Ihrer Mitarbeitenden. Wie genau, erfahren Sie bei unserer Informationsveranstaltung am 14. Juni 2022. Im Wintersemester 2022 startet unser Studiengang „Soziale Arbeit/Sozialpädagogik“ in die nächste Runde. Auch Arbeitgeber profitieren von einem berufsbegleitenden Studium Ihrer Mitarbeitenden. Wie genau, erfahren Sie bei unserer Informationsveranstaltung am 14. Juni 2022.

Die Vorteile eines berufsbegleitenden Studiums liegen auf der Hand: Nicht nur fließt neues Wissen ins Unternehmen ein, auch stärkt ein solches Studium die Bindung der Mitarbeiterschaft an den Arbeitgeber. Motivation als auch Einsatzbereitschaft steigen nachweislich. Die Qualifikationen der Fachkraft werden erweitert, die Einsatzmöglichkeiten nehmen zu, die Problemlösekompetenz steigt. Und es gibt noch viele weitere Argumente, die für ein berufsbegleitendes Studium sprechen.

Aber wie geht man das Ganze an? Ohne Unterstützung stoßen Arbeitnehmende bei der finanziellen und organisatorischen Umsetzung schnell an ihre Grenzen. Hier sollten Arbeitgeber aktiv werden. Die bereits genannten Vorteile machen deutlich, dass sich die Investition lohnt. Es gibt verschiedenen Möglichkeiten, Ihr Personal zu unterstützen. So kann die teilweise oder vollständige Übernahme der Studienkosten ein starkes Signal an den Beschäftigten sein: Wir glauben an Dich und stehen hinter Dir.

Aber nicht immer geht es ums Geld. Oft sind schon ein Entgegenkommen bei der Urlaubsplanung (z.B. über eine flexible Urlaubsregelung), flexiblere Arbeitszeiten oder die Reduzierung der Wochenarbeitszeit hilfreich. Konkrete berufliche Perspektiven im Unternehmen (wie z.B. die Übernahme neuer Aufgabenfelder nach Abschluss des Studiums) tragen zur Motivation und zur Bindung der Beschäftigten bei.

Wichtig ist in jedem Fall, bereits im Vorfeld des Studiums die gegenseitigen Erwartungen und Ziele gut abzusprechen. So schaffen Sie nicht nur Klarheit für alle Beteiligten, sondern machen das berufsbegleitende Studium zum gemeinsamen Vorhaben. Am Ende stehen maximale Vorteile für beide Seiten.

Unser berufsbegleitender Studiengang "Soziale Arbeit/Sozialpädagogik" bietet Ihnen und Ihren Mitarbeitenden solch eine spannende Zukunftsperspektive. Er eignet sich für beruflich Neueinsteigende ebenso wie für Beschäftigte, die sich weiterentwickeln möchten. Der Einstieg in den Studiengang ist bei entsprechender Berufserfahrung auch ohne Abitur möglich.

Informationen, wie Sie als Arbeitgeber vom berufsbegleitenden Studium profitieren können, erhalten Sie bei unserer kurzen Online-Informationsveranstaltung am 14. Juni 2022. Wir stellen Ihnen vor, wie Sie mit dem berufsbegleitenden Studiengang "Soziale Arbeit/Sozialpädagogik" Fachkräfte finden, qualifizieren und langfristig binden können.

Näheres zur Info-Veranstaltung sowie die Online-Anmeldung finden Sie hier.


Alle Informationen zum berufsbegleitenden Studiengang "Soziale Arbeit/Sozialpädagogik" lesen Sie hier.

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news-8181 Wed, 25 May 2022 09:04:00 +0200 Regionalkonferenzen 2022: Beitragsordnung und Nachhaltigkeit https://parisax.de/aktuelles/aktuelles-artikelansicht/news/regionalkonferenzen-2022-beitragsordnung-und-nachhaltigkeit/ Auf den Regionalkonferenzen in Leipzig und Dresden kamen die Mitgliedsorganisationen des Paritätischen Sachsen diesmal zusammen, um über die neue Beitragsordnung und die Chancen von Nachhaltigkeit in der Wohlfahrtspflege zu diskutieren. Auf den Regionalkonferenzen in Leipzig und Dresden kamen die Mitgliedsorganisationen des Paritätischen Sachsen diesmal zusammen, um über die neue Beitragsordnung und die Chancen von Nachhaltigkeit in der Wohlfahrtspflege zu diskutieren.

Nach zwei Jahren ohne Veranstaltungen vor Ort waren die Regionalkonferenzen 2022 ein gern genutzter Anlass, um wieder persönlich miteinander ins Gespräch zu kommen. Rund 80 Mitgliedsorganisationen folgten der Einladung des Paritätischen Sachsen nach Leipzig und Dresden. Die Dresdner Veranstaltung fand dabei erstmals hybrid statt. Neben dem inhaltlichen Austausch freuten sich sowohl das Team des Paritätischen Sachsen als auch die Teilnehmenden sichtlich über das Wiedersehen.

Beitragsordnung: Deckel für die Höchstbeitragszahler steigt moderat

Im ersten Veranstaltungsteil kamen verbandliche Themen zur Sprache. Hauptaugenmerk lag dabei auf dem Vorschlag für eine neue Beitragsordnung, da auf der Mitgliederversammlung 2021 lediglich eine befristete Regelung beschlossen wurde. In der Folge erstellte eine Arbeitsgruppe aus Vertreter*innen der Mitgliedsorganisationen, des Landesvorstandes sowie der Geschäftsstelle des Paritätischen Sachsen nun in den zurückliegenden Monaten einen neuen Vorschlag. Hauptdiskussionspunkt war der Deckel des Beitrages für große Mitglieder. Eine ursprünglich im Raum stehende Dynamisierung wurde von der Arbeitsgruppe verworfen. Der nun vorliegende Vorschlag sieht eine zweimalige Steigerung des Deckels um jeweils 1000 Euro in den kommenden zwei Jahren vor. Dazu gab es in den Regionalkonferenzen nur wenige Rückfragen. Der nun vorliegende Entwurf wird auf der Mitgliederversammlung 2022 zur Diskussion und Abstimmung gestellt. Der Landesverband nimmt jederzeit weitere Hinweise und Anmerkungen dazu gern auf.

Strukturelle Änderungen in der Geschäftsstelle

Simone Zimmermann, stellvertretende Landesgeschäftsführerin des Paritätischen Sachsen, ging in ihrem Bericht auf strukturelle Veränderungen innerhalb des Verbandes ein. So wird es künftig eine Doppelspitze geben, bei der die Aufgaben nach organisatorischen und sozialpolitisch-strategischen Themen aufgeteilt werden. Das Führungsduo erfährt zudem Unterstützung durch ein neu zugeschnittenes Referat Landesgeschäftsführung. Die Bereichsleitung Soziale Arbeit und Bildung wird ebenfalls auf zweit Personen verteilt. Der Grund für diese Veränderungen ist die in den letzten Jahren deutlich gestiegene Komplexität der Anforderungen an den Landesverband. Nicht zuletzt vor dem Hintergrund der aktuellen Beitragsdiskussion betonte Simone Zimmermann, dass alle Veränderungen personalstellenneutral erfolgt sind.

Die stellvertretende Landesgeschäftsführerin berichtete zudem über den Umgang mit wichtigen Themen der letzten Monate wie beispielsweise der einrichtungsbezogenen Impfpflicht oder dem Krieg in der Ukraine. Zudem wies sie auf kommende Herausforderungen wie den bevorstehenden sächsischen Doppelhaushalt für 2023/24 hin. Schließlich lud sie alle Mitglieder ein, sich an der laufenden Mitgliederbefragung zu beteiligen sowie die Landratswahlen am 12. Juni 2022 zu nutzen, um jenen Kandidat*innen den Rücken zu stärken, die klare sozialpolitische Ziele für die Regionen auf der Agenda haben.

Impulse für Nachhaltigkeit in der Wohlfahrtsarbeit

Nach einer Pause, die sowohl in Leipzig als auch in Dresden für einen intensiven Austausch bei Kaffee und Kuchen genutzt wurde, ging es im zweiten Veranstaltungsteil um das Thema Nachhaltigkeit. Dafür zeichnete Prof. Dr. Raj Kollmorgen von der Hochschule Zittau/Görlitz verantwortlich. Der Experte für Transformationsprozesse stellte in seinem Vortrag zentrale Aspekte und Spannungsfelder vor, die es auf dem Weg in eine nachhaltig orientierte Gesellschaft zu bearbeiten gilt. So wies er unter anderem auf die schwierige Aufgabe hin, eine individualistisch orientierte Gesellschaft zu einer kollektiven Anstrengung zu motivieren. Er betonte, dass dafür ein starker Staat mit Regelungskompetenz notwendig sei. Diesem müsse jedoch eine aktive Zivilgesellschaft gegenüberstehen, die Lösungen und Ideen für den notwenigen Wandel einbringen müsse. Den Wohlfahrtsverbänden komme dabei eine wichtige Rolle zu. Aber auch diese müssten sich dafür verändern, da Menschen sich immer weniger an Organisationen binden würden. Vielmehr gehe es darum, Menschen für projektorientierte Aufgaben zu gewinnen. Das sei nicht zuletzt bei der Gewinnung von Ehrenamtlichen zunehmend wichtig, da langfristige Bindungen seltener würden.

Die eigene Organisation mit einem Nachhaltigkeitskonzept stärken

Wie Nachhaltigkeit in der Praxis sozialer Träger gelebt werden kann, stellte Sebastian Groß, Vorstandsvorsitzender des Lebenshilfe Annaberg e.V., auf der Regionalkonferenz in Dresden vor. Er beschrieb den Weg des Trägers zu einem Nachhaltigkeitskonzept, das unter weitgehender Beteiligung der Beschäftigten erarbeitet wurde. Im Ergebnis stehen nun drei Handlungsfelder, die für die Lebenshilfe Annaberg im täglichen Geschäft leitend sind. Unter dem Aspekt ‘Sozial‘ kommen etwa Themen wie Gleichberechtigung, lebensphasenfreundliche Arbeitszeitgestaltung und die Anwendung des Tarifvertrages PATT zum Tragen. Unter dem Gesichtspunkt der Ökonomie spielen dagegen zum Beispiel der Wechsel zu einer nachhaltig wirtschaftenden Bank sowie der Fokus auf die regionale Wertschöpfung eine Rolle. Im Handlungsfeld Ökologie sind es Aspekte wie Energieeffizienz in den Immobilien, die Umstellung des Fuhrparks auf Elektromobilität oder auch die mögliche Reduzierung von Fleisch in der Essensversorgung.

Zum Abschluss der Konferenzen luden die jeweils moderierenden Vorstandsmitglieder alle Mitgliedsorganisationen dazu ein, ihre Hinweise und Anregungen an den Landesverband zurückzumelden. Dialog und Austausch seien zentrale Elemente in der Arbeit des Paritätischen Sachsen. Daher verwiesen beide noch einmal auf die bis zum 17.6.2022 laufende Online- Mitgliederbefragung.

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news-8180 Mon, 23 May 2022 11:37:00 +0200 Weiterbildung inklusiv gestalten – Kompetenzen aufbauen https://parisax.de/aktuelles/aktuelles-artikelansicht/news/weiterbildung-inklusiv-gestalten-kompetenzen-aufbauen/ Seit Jahren ist der Paritätische Sachsen bestrebt, Weiterbildungen möglichst barrierearm umzusetzen. Mit Blick auf die aktuelle Bearbeitung des Sächsischen Landesaktionsplan zur Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention (SLAP) bekräftigt der Landesverband seine Forderung nach einer Fachstelle, die dieses Vorhaben landesweit unterstützt. Seit Jahren ist der Paritätische Sachsen bestrebt, Weiterbildungen möglichst barrierearm umzusetzen. Mit Blick auf die aktuelle Bearbeitung des Sächsischen Landesaktionsplan zur Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention (SLAP) bekräftigt der Landesverband seine Forderung nach einer Fachstelle, die dieses Vorhaben landesweit unterstützt.

„Man lernt nie aus“, besagt treffend eine alte Redensart und am Begriff des lebenslangen Lernens kommt erst recht niemand vorbei. Um dieses Lernen zu befördern, gibt es ganz unterschiedliche Weiterbildungsformate, bei denen es um konkretes Wissen gehen kann, aber auch um fachliche und persönliche Kompetenzen. Damit diese Bildungsoptionen möglichst allen offen stehen, setzt der Paritätische Sachsen als Weiterbildungsanbieter des sozialen Bereichs auf anwendungs- und transferorientierte, inklusive Lehr-Lern-Settings. Hierfür hat der Verband bereits einige Schritte gemacht, um beispielsweise Barrieren im Dresdner Seminarzentrum abzubauen und der gleichberechtigten Teilhabe an Bildungs- und Lernprozessen näher zu kommen.

Doch der Weg zu inklusiven Angeboten wird immer mühseliger. Ähnlich wie andere Weiterbildungsträger hat der Landesverband bereits viele Möglichkeiten ausgeschöpft und stößt nun an seine Grenzen. Als eine Hürde erweist sich dabei unter anderem fehlende Flexibilität bei der finanziellen Förderung, um diesen Anspruch ausgestalten zu können. Genügend Schrift- und Gebärdendolmetscher*innen vorzuhalten, ist ebenso ein Problem wie barrierefreie Schulungsdokumente, deren Erstellung spezielle Kenntnisse voraussetzt. Dozent*innen fehlen noch zu oft die fachlichen und didaktischen Fähigkeiten, die für ein inklusives Bildungsangebot benötigt werden.

Kompetenzen für inklusive Weiterbildungen ausbauen

Ziel des Paritätischen Sachsen ist es jedoch, die inhaltliche und organisatorische Ausgestaltung der Seminare und die bereitgestellten Lernmittel an den Bedarfen der Teilnehmenden zu orientieren - egal ob mit oder ohne Behinderung.

Neben praxistauglichen Fördermöglichkeiten für Assistenzen wie Gebärden- und Schriftdolmetscher*innen oder der Notwendigkeit konkreter Bildungsangebote für Dozent*innen sieht der Paritätischen Sachsen eine Fachstelle für inklusive Weiterbildungsangebote mit Zugang für alle Weiterbildungsanbieter in Sachsen als dringendste Aufgabe an.

Im Sächsischen Landesaktionsplan zur Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention (SLAP) ist von "Unterstützung von Beratungsmöglichkeiten zur Gestaltung inklusiver Weiterbildungsangebote" zu lesen. Die bisherigen Aktivitäten bleiben dennoch weit hinter dem Wünschenswerten zurück. Deshalb sollte bei der aktuellen Überarbeitung des SLAP der Aufbau einer solchen Fachstelle für inklusive Weiterbildungsangebote mit Zugang für alle Weiterbildungsanbieter in Sachsen als konkretes Vorhaben aufgenommen werden.

Die Fachstelle sollte sowohl einen Überblick aller inklusiven Weiterbildungsangebote in Sachsen ermöglichen als auch eine Beratungsstruktur für Lehrende und Lernende anbieten. Hilfreich wären zudem ein integrierter Dolmetscher*innenpool und ein Dienst, der Fahrleistungen zu den Bildungsangeboten organisiert oder vermittelt. Ein Technikpool bzw. Verleih für andere notwendige Hilfsmittel könnten eine sinnvolle Ergänzung sein.

Eigene Themen einbringen - Beteiligungsverfahren zum SLAP jetzt nutzen

Der SLAP aus dem Jahr 2016 wird derzeit evaluiert. Der Paritätische Sachsen beteiligt sich im Rahmen der Liga der Freien Wohlfahrtspflege in Sachsen an seiner Überarbeitung und wies unter anderem auf das BfA hin. Die Teilhabe an Arbeit ist jedoch nur einer von vielen Aspekten, die sich im SLAP wiederfinden.

Sie haben Vorschläge und Ideen zur Inklusion in Sachsen? Nutzen Sie noch bis zum 31. Mai 2022 das Beteiligungsverfahren zum SLAP. Aktuell können sich alle sächsischen Bürger*innen mit eigenen Ideen und Hinweisen an der Diskussion zu allen Lebensbereichen beteiligen.

Jetzt mitmachen! Hier geht es zum Beteiligungsportal: https://buergerbeteiligung.sachsen.de/portal/sms/beteiligung/themen/1028632

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news-8152 Wed, 18 May 2022 15:09:00 +0200 Kommentar: Steigende Kosten in der Pflege – Kostenträger müssen jetzt handeln! https://parisax.de/aktuelles/aktuelles-artikelansicht/news/kommentar-steigende-kosten-in-der-pflege-kostentraeger-muessen-jetzt-handeln/ Keiner kommt daran vorbei: Kostensteigerungen und Inflation. Auch die ambulante Pflege spürt die Teuerungen deutlich. Nur die Kostenträger scheinen den Bedarf nicht sehen zu wollen, kommentiert unsere Entgeltreferentin Andrea Wetzel. Keiner kommt daran vorbei: Kostensteigerungen und Inflation. Auch die ambulante Pflege spürt die Teuerungen deutlich. Nur die Kostenträger scheinen den Bedarf nicht sehen zu wollen, kommentiert unsere Entgeltreferentin Andrea Wetzel.

Pflegekräfte angemessen zu vergüten, ist lange überfällig. Mit dem Gesundheitsversorgungsweiterentwicklungsgesetz (GVWG) tritt ab September dieses Jahres für alle Pflegeeinrichtungen eine Tarifpflicht in Kraft. Jeder Träger muss ab dann alle seine Mitarbeitenden in Pflege und Betreuung mindestens in Höhe eines anwendbaren Tarifs entlohnen. Insbesondere bei den bisher ohne Tarifbindung agierenden Trägern ist eine mehr oder weniger deutlicher Anstieg der Gehälter zu erwarten. Das ist gut so und freut die Beschäftigten. Die betroffenen Träger stehen allerdings regelmäßig vor die Frage: Wie bekomme ich das auskömmlich refinanziert?

Steigende Kosten dürfen nicht zu Lasten der Pflegebedürftigen gehen

Diese Frage taucht vor allem immer wieder dann auf, wenn nicht alles ausschließlich zu Lasten der Pflegebedürftigen gehen soll und deren Eigenanteile weiter steigen würden. Erschwerend kommen nun auch noch weitere Kostensteigerungen hinzu. Bei einem ambulanten Pflegedienst schlagen als erstes die hohen Benzinpreise zu Buche. Aber auch alle anderen Ausgaben steigen deutlich. Das reicht von der Berufskleidung über die Verwaltungskosten im Büro bis hin zum Verbandsmaterial. Mitgliedsorganisationen berichten über Preissteigerungen von bis zu 15 Prozent.

Alle freien Unternehmer*innen würden diesen Mehrbedarf weiterreichen. Also die Preise erhöhen. Den Pflegebedürftigen mehr aufzubürden, wird von unseren durchweg gemeinnützig agierenden Mitgliedern jedoch abgelehnt.

Und nun? Was dann? Besagte freie Unternehmen würden an diesem Punkt wohl den Betrieb einstellen. In der Pflege dagegen muss die Refinanzierung mit den Kostenträgern verhandelt werden und wenn diese die Kostensteigerungen nicht anerkennen, bleiben den Pflegediensten eigentlich nur zwei Möglichkeiten.

Wenig Handlungsspielraum für ambulante Pflegedienste

Erstens: Sie treiben die Mitarbeiter*innen an, noch schneller zu arbeiten und noch mehr Klient*innen in noch kürzerer Zeit zu besuchen. Die Folge: Arbeitsverdichtung in einer ohnehin schon verdichteten Branche, die eigentlich mehr Zeit an den Patient*innen verbringen müsste statt weniger. Dieses Vorgehen mag in den letzten Jahren immer mal wieder funktioniert haben. Es gibt inzwischen aber nichts mehr zu verdichten. Wer dennoch darauf setzt, könnte genauso gut Prämien dafür zahlen, dass Pflegekräfte den Beruf aufgeben.

Zweitens: Die Pflegedienste lehnen jene Aufträge ab, die zu viel Fahrtzeit und -kosten mit sich bringen. Gerade im ländlichen Raum stellt sich dann allerdings die Frage, wer den Pflegebedürftigen bei der Grundpflege hilft oder ihre Wunden versorgt. Schon jetzt gibt es Regionen in Sachsen, in denen keine Plätze mehr bei ambulanten Anbietern zu finden sind. Dieser Ansatz käme einem Rückbau der Versorgungslandschaft gleich, den es eigentlich zu stoppen gilt.

Der Ausweg: Kostenträger müssen sich bekennen

Sollen die ambulanten Pflegedienste in Sachsen wirklich auf eine der beschriebenen Optionen setzen? Es befremdet schon etwas, wenn Kostenträger vor dem Offensichtlichen die Augen verschließen. Es geht hier schlussendlich nicht um irgendwelche netten zusätzlichen Dinge, sondern um grundlegende Aspekte wie die Arbeitsbedingungen der Pflegekräfte und die Versorgungssituation der pflegebedürftigen Menschen. Die Kostenträger müssen sich jetzt eindeutig positionieren und zeigen, was ihnen diese zwei Punkte wert sind.

In anderen Bereichen gab es schließlich auch Lösungen. So erhalten beispielsweise die Fahrdienste wegen der Benzinpreiserhöhungen einen befristeten Zuschlag pro Kilometer. Im Fall der ambulanten Pflegedienste wird hingegen auf die Entlastungspakete des Bundes verwiesen. Nur ist von denen bisher noch nichts zu bemerken. Die steigenden Kosten sind hingegen schon deutlich spürbar.


Kontakt:

Andrea Wetzel (Referentin Entgelte)
Tel.: 0351 - 828 71 147
E-Mail: andrea.wetzel(at)parisax.de

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news-8064 Mon, 25 Apr 2022 07:14:00 +0200 Budget für Arbeit: Gute Idee, aber wenig genutzt. https://parisax.de/aktuelles/aktuelles-artikelansicht/news/budget-fuer-arbeit-gute-idee-aber-wenig-genutzt/ Noch zu selten fassen Menschen mit Behinderungen auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt Fuß. Das Budget für Arbeit (BfA) kann dabei hilfreich sein, wird aber noch zu wenig genutzt. Dies zu ändern, sollte eines der Ziele des Freistaates Sachsen im Landesaktionsplan zur Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention (SLAP) sein. Noch zu selten fassen Menschen mit Behinderungen auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt Fuß. Das Budget für Arbeit (BfA) kann dabei hilfreich sein, wird aber noch zu wenig genutzt. Dies zu ändern, sollte eines der Ziele des Freistaates Sachsen im Landesaktionsplan zur Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention (SLAP) sein.

Menschen, die in einer Werkstatt für behinderte Menschen (WfbM) arbeiten oder das Recht hätten, dort zu arbeiten, können das BfA nutzen, um auf dem ersten Arbeitsmarkt eine Anstellung zu finden. Insbesondere für diese Zielgruppe wurde dieses Instrument 2018 geschaffen und gesetzlich im Sozialgesetzbuch IX verankert. Obwohl Arbeitgeber*innen einen großen Teil der Lohnkosten erstattet bekommen können und zusätzlich Mittel für Betreuungsleistungen abgedeckt werden, fristet das BfA als Förderinstrument ein Nischendasein. Es wird noch sehr selten genutzt.

Auch in Sachsen kam das BfA bisher kaum zur Anwendung. Seit der Einführung vor rund vier Jahren wurden gerade einmal neun BfA bewilligt. Wenn der Freistaat Sachsen die Teilhabe vom Menschen mit Behinderungen auf dem ersten Arbeitsmarkt verbessern möchte, sollte er das BfA stärken. Die derzeit laufende Überarbeitung des Sächsischen Landesaktionsplans zur Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention (SLAP) bietet dafür einen guten Ansatz. Das BfA sollte in den SLAP aufgenommen werden.

Wege zu einer stärkeren Nutzung des Budgets für Arbeit

Kristin Höfler, Referentin für Arbeit und Beschäftigung des Paritätischen Sachsen, meint: „Es gibt zwei Ansätze, die man in den Blick nehmen muss. Zum einen sollte es sich der Freistaat Sachsen zur Aufgabe machen, den Bekanntheitsgrad des Instrumentes zu steigern. Arbeitgeber*innen und potentielle Nutzer*innen müssen die Chancen des BfA besser kennen. Zum anderen braucht es einen gemeinsamen Dialogprozess, um die Hürden der Inanspruchnahme zu identifizieren und anschließend konkrete Lösungen für eine Verbesserung in Angriff zu nehmen.“ Diese Verbesserungsvorschläge sollten beim Bundesgesetzgeber auf offene Ohren treffen, denn immerhin habe sich die Regierungskoalition in Berlin eine Stärkung und den Ausbau des Förderinstruments in den Koalitionsvertrag geschrieben.

Freistaat Sachsen kann Handlungsspielräume nutzen

Aber auch auf Landesebene gibt es Handlungsoptionen. So kann der Freistaat beispielsweise die Spielräume hinsichtlich der Bemessung des Lohnkostenzuschusses ausdehnen, die bestehenden Höchstgrenzen und Vorgaben hinsichtlich der Leistungsdauer anheben und die Aufwendungen für die erforderliche Anleitung und Begleitung auskömmlich finanzieren.

Kristin Höfler unterstreicht: „Unabhängig vom SLAP ergibt sich der Auftrag zu einem stärkeren Engagement für das BfA auch aus der Fachkräftestrategie des Freistaates Sachsen. Dort wird empfohlen, die Zielgruppe über ihre Möglichkeiten und vor allem auch die sächsischen Unternehmen gezielt aufzuklären“.

Eigene Themen einbringen - Beteiligungsverfahren zum SLAP jetzt nutzen

Der SLAP aus dem Jahr 2016 wird derzeit evaluiert. Der Paritätische Sachsen beteiligt sich im Rahmen der Liga der Freien Wohlfahrtspflege in Sachsen an seiner Überarbeitung und wies unter anderem auf das BfA hin. Die Teilhabe an Arbeit ist jedoch nur einer von vielen Aspekten, die sich im SLAP wiederfinden.

Sie haben Vorschläge und Ideen zur Inklusion in Sachsen? Nutzen Sie noch bis zum 31. Mai 2022 das Beteiligungsverfahren zum SLAP. Aktuell können sich alle sächsischen Bürger*innen mit eigenen Ideen und Hinweisen an der Diskussion zu allen Lebensbereichen beteiligen.

Jetzt mitmachen! Hier geht es zum Beteiligungsportal: https://buergerbeteiligung.sachsen.de/portal/sms/beteiligung/themen/1028632

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news-8033 Thu, 21 Apr 2022 06:00:00 +0200 Selbsthilfe: Angehörige – Betroffene in der zweiten Reihe https://parisax.de/aktuelles/aktuelles-artikelansicht/news/selbsthilfe-angehoerige-betroffene-in-der-zweiten-reihe/ Wenn Partner*innen oder Familienmitglieder ernsthaft chronisch erkranken, geraten Paare oder ganze Familiensysteme nicht selten in Wendepunktsituationen. Auch die Angehörigen brauchen in dieser Situation Unterstützung. Klaus Vogelsänger berichtet über die Chancen von Angehörigen-Selbsthilfegruppen. Wenn Partner*innen oder Familienmitglieder ernsthaft chronisch erkranken, geraten Paare oder ganze Familiensysteme nicht selten in schmerzhafte und herausfordernde Wendepunktsituationen. Genau wie die von Krankheit Betroffenen brauchen auch die Angehörigen in dieser Situation respektvolle und warmherzige Unterstützung. Dozent Klaus Vogelsänger berichtet über die Chancen von Angehörigen-Selbsthilfegruppen.

Innerhalb einer Angehörigen-Selbsthilfegruppe können die Teilnehmenden endlich offen über alles sprechen. Sie spüren deren bereicherndes und heilendes Potential. Die Zugänge sind dabei sehr verschieden.

„Ehrlich gesagt, der bekommt von mir nur noch sein Gnadenbrot.“

Dies sagte während eines Seminars für Angehörige eine Frau, deren Mann seit einiger Zeit an einer chronischen und nicht heilbaren Erkrankung leidet. Als Seminarleiter hätte ich empört sein können über solch eine herzlose Haltung. Schließlich war diese Frau seit vielen Jahren mit ihrem Mann verheiratet – und dann so eine harte, wütende, verzweifelte innere Stimme. Nach einer ersten kurzen Irritation, die ich mit anderen in der Seminargruppe teilte, wurde mir schnell bewusst, dass auch das eine Realität von Angehörigen chronisch Erkrankter sein kann.

Selbsthilfegruppen für Angehörige bieten die Möglichkeit, auch solchen Realitäten schonungslos ins Auge zu blicken – ohne so tun zu müssen, wie es unsere Kultur von Angehörigen chronisch kranker Menschen erwartet: immer hilfsbereit und in aufopferungsvoller Hingabe und Liebe für das Gegenüber da zu sein.

Um diese weniger akzeptierten Gefühlen ausdrücken zu können, bedarf es geschützter und wirklich offener Räume. Räume, in denen keine Vorverurteilung stattfindet. Nur so können sich Menschen der eigenen Lage wirklich bewusst werden und aus diesem Bewusstsein heraus neue Wege für die Beziehung und das Familienleben entwickeln. Räume, in denen Not, Schmerz, Wut und die Ängste willkommen und respektiert sind. Alle Gefühle, alle Bilder und Gedanken verdienen Anerkennung und haben ihre Daseinsberechtigung.

Klar, herzlich und ehrlich

Spätestens in dieser kleinen explosiven und intensiven Situation wurde mir der Sinn, Zweck und Segen von Angehörigen-Selbsthilfegruppen deutlich – klar, herzlich und ehrlich! Denn Angehörige sind ebenso betroffen wie die Betroffenen selbst, lediglich ihr Blickwinkel ist ein anderer.

In Seminaren für Angehörige erlebe ich immer wieder, dass Paare, die ihre Beziehung nicht in respekt- und liebevoller Weise gelebt haben, durch die chronische Erkrankung der oder des anderen in einen schmerzhaften Strudel geraten können. Bis zu diesem Wendepunkt waren beide noch auf Augenhöhe. Die Beziehung war möglicherweise nicht besonderes harmonisch, aber immerhin hatten beide die Ressource der individuellen Autonomie zur Verfügung – egal, ob diese jemals genutzt wurde.

Aber nun ist alles anders. Plötzlich ist der (un)geliebte Partner nicht mehr so autonom. Die andere Person braucht Unterstützung, weil sie in eine verunsichernde, schmerzhafte und traumatische Notsituation geraten ist. Die persönliche Welt wird enger, die körperlichen und psychischen Ressourcen schrumpfen – es herrscht Alarmstimmung, sowohl ganz individuell als auch in der Paarbeziehung und innerhalb des gesamten Familiensystems. Was soll ein Paar nun tun, wenn es über lange Phasen versäumt hat, in gegenseitiger Wertschätzung miteinander in Beziehung und Kommunikation zu sein? Wo kann da auf einmal liebevolle Begleitung und Hilfe herkommen?

Sich um sich selbst kümmern

Es scheint nicht so einfach zu sein, speziell als Angehörige, gut für sich selbst zu sorgen. Meist steht der erkrankte Mensch im Zentrum der Aufmerksamkeit. Es braucht in unserer Kultur somit gehörig Selbstbewusstsein, damit pflegende Angehörige auch für sich selbst sorgen können. Damit neben dem Engagement für das Familienmitglied genügend Zeit für sich selbst bleibt.

Angehörige benötigen unabdingbar Zeit für Dinge, die Spaß machen, um zu regenerieren. Sie brauchen Mut, sich für eigene Pläne Zeit zu nehmen und konkret nach Entlastungsangeboten Ausschau zu halten, welche die nötigen Freiräume ermöglichen. Und das bedeutet häufig auch intensive Gespräche mit dem erkrankten Menschen, der nachvollziehen muss, warum dies für die Angehörigen lebenswichtig ist. Es geht auf beiden Seiten um das körperliche und seelische Wohl, um die Erhaltung und Förderung der Gesundheit.

Sicherlich ist all dies vielen Angehörigen theoretisch – „eigentlich“ – klar, aber die gewohnte Blickrichtung auf die hilfebedürftige Person ist sehr stark.

Meiner Erfahrung nach ist es wichtig, dass sich Angehörigen-Gruppen immer wieder bewusst machen, was der eigentliche Sinn der Gruppe ist: Wie man sich gemeinsam darin unterstützen kann, auf eine gesunde und selbstverständliche Art Sorge für sich selbst zu tragen, damit auch die Anforderungen des Angehörigenlebens gut gemeistert werden. Dies kann für viele Menschen ein hartes Stück Arbeit sein, weil die meisten damit unbekanntes Terrain betreten. Es kann jedoch auch Spaß machen und versiegte Lebensenergie neu beleben.


Der Autor Klaus Vogelsänger ist Diplom-Sozialpädagoge und renommierter Dozent im Selbsthilfebereich. Er bietet Team-, Institutions- und Gruppenberatung sowie Theaterpädagogik an.


Der Artikel erschien zuerst in der Ausgabe September 2021 unseres Verbandsmagazins anspiel. mit dem Themenschwerpunkt Kooperation. Jetzt einen Blick ins Heft werfen!

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news-8031 Tue, 19 Apr 2022 06:00:00 +0200 Betriebliches Eingliederungsmanagement: Gesunde Beschäftigte – gesunde Betriebe https://parisax.de/aktuelles/aktuelles-artikelansicht/news/betriebliches-eingliederungsmanagement-gesunde-beschaeftigte-gesunde-betriebe-1/ Die Rückkehr in den Job nach langer oder häufiger Arbeitsunfähigkeit gelingt erheblich besser, wenn die Unternehmensleitung den Wiedereinstieg über ein Betriebliches Eingliederungsmanagement (BEM) professionell managt. Bianca Maus erklärt im Interview, warum sich ein BEM lohnt. Die Rückkehr in den Job nach langer oder häufiger Arbeitsunfähigkeit gelingt erheblich besser, wenn die Unternehmensleitung den Wiedereinstieg über ein Betriebliches Eingliederungsmanagement (BEM) professionell managt. Bianca Maus von der Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege (BGW) erklärt im Interview, warum sich ein BEM lohnt und wie sich Vorbehalte einfach entkräften lassen.

Was läuft in Unternehmen ohne BEM oftmals schief? Was funktioniert mit BEM konkret besser?

Bianca Maus: Das systematische Betriebliche Eingliederungsmanagement hilft dabei, Betroffene mit Langzeiterkrankungen erfolgreich wiedereinzugliedern und ihre Gesundheit und Leistungsfähigkeit zu stabilisieren. Infrage kommt das BEM dabei für Beschäftigte, die innerhalb eines Jahres länger als sechs Wochen arbeitsunfähig waren – egal ob ununterbrochen oder in mehreren Zeiträumen.

Mit einem strukturierten, systematischen BEM setzen der Betrieb und die eventuell beteiligten Rehabilitationsträger frühzeitig an den Ursachen einer Arbeitsunfähigkeit an, erkennen Rehabilitationsbedarf rechtzeitig und werden entsprechend tätig. Dies führt im Idealfall zu Planungssicherheit für alle Beteiligten und zu einer früheren und gut vorbereiteten Rückkehr der Betroffenen. Zu geeigneten Maßnahmen können die stufenweise Wiedereingliederung, Schulungen oder eine Umgestaltung des Arbeitsplatzes gehören.

Ohne BEM werden Betroffene oftmals erst nach ihrer Rückkehr in den Betrieb angesprochen. Die Rückkehr wird also nicht vorbereitet und somit die Chance vergeben, Gefährdungen und Belastungen am Arbeitsplatz der erkrankten Person präventiv zu erkennen.

Warum lohnt sich ein BEM auch für kleinere und mittlere Unternehmen?

Bianca Maus: Gesetzlich gefordert ist das BEM für alle Betriebe unabhängig von ihrer Größe. Es ist empfehlenswert, das BEM ab einer gewissen Unternehmensgröße einzelfallübergreifend, systematisch geordnet und auf Basis einer Betriebsvereinbarung anzugehen. Kleinere Betriebe können Einzelfälle auch mit Hilfe von externen Beteiligten (Rehabilitationsträger und ggf. Integrationsamt) bearbeiten.

BEM lohnt sich in jedem Fall. Wenn damit Arbeitsunfähigkeitszeiten verkürzt oder vermieden werden können, ist dies gerade in Zeiten von Fachkräftemangel und schwieriger Personalgewinnung ein wichtiges Signal an die Beschäftigten und auch ein nicht zu unterschätzender Imagefaktor für den Betrieb. Insgesamt verringern sich durch ein BEM die Fehlzeiten von Beschäftigten – und sie sind motivierter und identifizieren sich stärker mit ihrem Unternehmen.

Welche Vorbehalte treffen Sie in Ihren Beratungen immer wieder an – seitens der Unternehmensleitung und seitens der Mitarbeitenden?

Bianca Maus: Seitens der Unternehmensleitung oder seitens der mittleren Führungsebene sind beispielhafte Vorbehalte: „Ich weiß doch, was der*die Mitarbeitende hat. Da nützt auch kein BEM!“, „Ständig neue Projekte und jetzt noch BEM?!“, „Wann soll ich mich auch noch darum kümmern? Keine Zeit!“.

Seitens der Mitarbeitenden wird typischerweise vorgebracht, dass das BEM ein Mittel zum Zweck der Kündigung sei und man Bedenken habe, Diagnosen zu nennen („Wer weiß, was damit gemacht wird?“).

Um diese Sorgen zu entkräften, ist es wichtig, von Anfang an und fortlaufend Informationen zum BEM zu streuen, z.B. in Auftaktveranstaltungen, Leitungs- und Teamsitzungen sowie im Intranet. Das BEM selbst muss durch eine klare Delegation der Verantwortung, Aufgaben und Befugnisse gekennzeichnet sein.

Ob eine Wiedereingliederung gelingt, hängt zudem auch vom Betriebsklima ab, von der Wertschätzung der Unternehmensleitung für die Angestellten – und davon, ob die Gesundheit der Betroffenen und deren Vertrauen in den Prozess wirklich im Zentrum stehen.

Welche Fragen sollten Unternehmen im Vorfeld klären, wenn Sie ein BEM-Konzept entwickeln möchten?

Bianca Maus: Das Unternehmen sollte im Vorfeld klären, wie bisher auf Arbeitsunfähigkeit reagiert wurde. Wer hat sich in diesem Bereich bislang engagiert? Wie empfinden die Beschäftigten den bisherigen Umgang im Unternehmen mit längerer Arbeitsunfähigkeit? Wie wurden sie nach längerer Krankheit im Unternehmen begrüßt, hat jemand Kontakt gehalten?

Die Führungskräfte der mittleren Führungsebene sind von besonderer Bedeutung für das BEM – wie ist diese Führungsebene bislang an der Lösung von beispielsweise organisatorischen und technischen Maßnahmen am Arbeitsplatz oder bei internen Arbeitsplatzwechseln beteiligt worden?

Es sollte zudem darauf geachtet werden, das BEM in die Präventionskultur im Unternehmen einzubinden und die Chance zu nutzen, Hinweise auf einen gesundheitsfördernden Umgang aus bisherigen Angeboten der betrieblichen Gesundheitsförderung zu integrieren.

Mit welchen Angeboten unterstützt die BGW Unternehmen dabei, ein BEM einzuführen bzw. es weiterzuentwickeln?

Bianca Maus: Die BGW unterstützt Unternehmen dabei, Strukturen und Prozesse aufzubauen, um im Betrieb ein BEM nachhaltig zu etablieren. Wir helfen dabei, den Bedarf zu ermitteln. Unsere Mitgliedsunternehmen können kostenfrei eine Beratung zum Aufbau oder zur Weiterentwicklung bzw. Evaluation eines systematischen Eingliederungsmanagements in Anspruch nehmen. Die BGW bietet darüber hinaus verschiedene Führungskräfte-Seminare an. Informationen zu diesen Seminaren finden Sie auf unserer Homepage unter www.bgw-online.de/seminare

Vielen Dank!


Unsere Interviewpartnerin Bianca Maus berät in der BGW für die Region Ost zu Berufskrankheiten und zum Betrieblichen Eingliederungsmanagement.

E-Mail: bianca.maus(at)bgw-online.de


Die Broschüre „Betriebliches Eingliederungsmanagement – Praxisleitfaden“ stellt Ihnen in acht Schritten eine Musterlösung zur Einführung eines BEM vor. Sie kann auf der Website der BGW herunterladen werden: www.bgw-online.de


Das Interview erschien zuerst in der Ausgabe September 2021 unseres Verbandsmagazins anspiel. mit dem Themenschwerpunkt Kooperation. Jetzt einen Blick ins Heft werfen!

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news-8030 Thu, 14 Apr 2022 06:00:00 +0200 Kooperation in der Familienhilfe: Trägerperspektiven in Einklang bringen https://parisax.de/aktuelles/aktuelles-artikelansicht/news/kooperation-in-der-familienhilfe-traegerperspektiven-in-einklang-bringen/ Der Deutsche Kinderschutzbund Ortsverband Dresden e.V. (DKSB) und die OUTLAW gGmbH betreiben in Dresden gemeinsam eine Beratungsstelle. Die Kooperation war anfangs von Schwierigkeiten überschattet. Mittlerweile ist sie aber auf einem guten Weg. Der Deutsche Kinderschutzbund Ortsverband Dresden e.V. (DKSB) und die OUTLAW gGmbH betreiben in Dresden gemeinsam eine Beratungsstelle. Die Kooperation war anfangs von Schwierigkeiten überschattet. Mittlerweile ist sie aber auf einem guten Weg. 

Im Jahr 1996 veränderte die Stadt Dresden mittels ihrer Jugendhilfeplanung die Zuschnitte der Angebote in der Landeshauptstadt. In einigen Stadtbezirken wurden Stellen reduziert. Andernorts war personelle Verstärkung vorgesehen. Die noch junge Beratungsstelle für Kinder, Jugendliche und Familien in Pieschen (BiP) konnte sich freuen, denn das Team sollte demnach wachsen. Neu war jedoch, dass die Beratungsstelle fortan von zwei Trägern betrieben werden sollte. Der Deutsche Kinderschutzbund Ortsverband Dresden e.V. (DKSB), der das Angebot 1994 in Johannstadt gegründet hatte, musste nun nach Pieschen umziehen und mit der OUTLAW gGmbH kooperieren.

Ungleiche Voraussetzungen der beteiligten Träger

„Das war keine leichte Situation damals“, erinnert sich Heike Heubner-Christa, Geschäftsführerin des DKSB in Dresden. „Da trafen zwei unterschiedliche Trägerperspektiven aufeinander. Auf der einen Seite wir als recht kleiner und noch junger Verein und auf der anderen Seite die große OUTLAW gGmbH mit jahrelanger Erfahrung und recht klarer Unternehmenskultur.“ Diese Unterschiede erschwerten den Start der Zusammenarbeit, da es in vielen Bereichen voneinander abweichende Ansätze und Sichtweisen gab.

Ein Aspekt waren beispielsweise Fragen der Personalführung. Während der Kinderschutzbund schon allein aus Kapazitätsgründen viel Eigenverantwortung in das Beratungsteam vor Ort legte, waren die Beschäftigten von OUTLAW trotz aller Eigenständigkeit dennoch enger an die Strukturen und Entscheidungswege des Trägers angebunden. Dies führte bei praktischen Fragen der Arbeitsorganisation immer wieder zu Unklarheiten oder Absprachen brauchten teilweise länger, als es eigentlich innerhalb eines Teams mit vier Personen üblich ist.

Fachliche Entwicklungen begleiteten beide Träger immer gemeinsam, trotz unterschiedlicher Ansätze in der praktischen Umsetzung. Maßgeblich und bindend waren für beide dabei stets die Vorgaben und Anliegen des Kinderschutzes. Darauf basierend wurde eine gemeinsame Konzeption und Leistungsbeschreibung, orientiert an den Bedarfen im Stadtteil, erstellt. Reibungspunkte gab es an jenen Stellen, an denen die verschiedenen Träger ihr Leitbild und ihr äußeres Erscheinungsbild sichtbar machen wollten. Das war nicht immer einfach.

Ein Team – zwei Träger

„Das Team in der Beratungsstelle saß buchstäblich zwischen den Stühlen und fand über die Zeit eigene Lösungen, um die Arbeitsabläufe vor Ort gut umsetzen zu können. Die Anfänge der Zusammenarbeit sind aus Trägersicht kein Ruhmesblatt. Die wichtigsten Impulse für eine bessere Kooperation kamen dann tatsächlich aus dem Beratungsteam selbst“, merkt Heike Heubner-Christa selbstkritisch an.

Die Situation für die Fachkräfte vor Ort war durchaus schwierig. Sie sollten als ein Team auftreten und gleichzeitig für die Haltungen und Ansätze ihres jeweiligen Trägers stehen. Dass dies neben den fachlichen Anforderungen und Aufgaben der Beratungstätigkeit eine zusätzliche Belastung darstellt, ist nachvollziehbar. Daher fanden die Beschäftigten Mittel und Wege, wie sie das Spannungsfeld in der Praxis wenn nicht auflösen so doch wenigstens minimieren konnten. Ihre Erfahrungen und daraus resultierende Vorschläge gaben sie jeweils an ihre Träger weiter und stießen damit Veränderungen an. So fand beispielsweise die Fachberatung eine Zeit lang in wechselseitiger Zuständigkeit statt und das gesamte Team nutzte die Beratung durch einen der beiden Träger. Die Impulse aus der Belegschaft führten schließlich dazu, dass sich die Träger bei Haltungsfragen ebenfalls stärker aufeinander zu bewegten. Seit einigen Jahren treten beide Träger nun in einer vorher abgestimmten gemeinsamen fachlichen Haltung als Fachberatung auf.

„So würde eine trägerübergreifende Kooperation heutzutage nicht mehr laufen“, ist die Geschäftsführerin überzeugt. „Wir haben in den letzten dreißig Jahren viel gelernt und sind professioneller geworden. Das Team unter den beschriebenen Rahmenbedingungen auf den eigenen Lösungsweg zu schicken, ist heute undenkbar. Die Verantwortung für eine gelingende Kooperation ist immer eine Leitungsaufgabe.“

Trägerprofile und Ziele miteinander abgleichen

Bevor es überhaupt in die Umsetzung eines gemeinsamen Angebots gehen kann, müssen Trägergespräche erfolgen. Dabei sollten nicht nur praktische Fragen wie jene nach der Abrechnung oder nach administrativen Aspekten besprochen werden. Vor allem auch Haltungsfragen und fachliche Ansätze müssten dringend im Vorfeld beraten werden, meint Heike Heubner-Christa. Es müsse ein Rahmen abgesteckt werden, damit das künftig gemeinsam agierende Team in bestimmten Situationen handlungsfähig ist und nicht immer wieder aufs Neue das weitere Vorgehen diskutieren muss. Rückblickend seien beim besagten Beispiel der BiP deshalb unnötig viele Energien in solche Prozesse geflossen.

Nachdem trägerseits alles geklärt ist, kann das Team vor Ort dann die praktische Umsetzung in die Hand nehmen. Das Bewusstsein für die trägerspezifischen Unterschiede sollte jedoch auch hier vorhanden sein. In Teambesprechungen sollten diese immer wieder diskutiert und für die Betrachtung der praktischen Arbeit genutzt werden. Ergeben sich daraus Unklarheiten für die Zusammenarbeit, so ist der Träger gefordert, diese schnellstmöglich zu bereinigen.

Dem Team ausreichend Zeit geben

„Insbesondere in der Anfangsphase muss das Team ausreichend Zeit haben, um sich kennenzulernen“, betont die Geschäftsführerin. „Gerade bei langjährigen Beschäftigten, für die eine bestimmte Trägerphilosophie zur Selbstverständlichkeit geworden ist, kann die erste Zeit herausfordernd sein, da sie sich mitunter auf neue Handlungsansätze einlassen müssen. Aber auch junge und weniger erfahrene Beschäftigte benötigen eine gewisse Zeit, um sich zurecht zu finden.“

Trägerübergreifende Kooperationen können einen Kompetenzgewinn für alle Beteiligten bedeuten. Entscheidend für den Erfolg sind unter anderem die Transparenz der gegenseitigen Erwartungen, der Austausch über die jeweiligen Haltungen und Ansätze sowie die Verantwortungsübernahme für den Kooperationserfolg durch die Leitungsebene. Die Mitarbeiter*innen eines gemeinsamen Projektes oder Angebotes benötigen ausreichend Zeit zum Kennenlernen, um anschließend die praktische Arbeit gut organisieren zu können.


Seit 1996 berät und begleitet die BiP Familien im alltäglichen Miteinander. Sie bietet Einzelberatung für Kinder, Jugendliche und Eltern sowie Familienberatung an. Informationen und Kontaktdaten finden Sie auf: www.kinderschutzbund-dresden.de


Der Artikel erschien zuerst in der Ausgabe September 2021 unseres Verbandsmagazins anspiel. mit dem Themenschwerpunkt Kooperation. Jetzt einen Blick ins Heft werfen!

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news-8029 Tue, 12 Apr 2022 05:06:00 +0200 Wohnungslosigkeit und Pflege: „In die Schuhe des anderen steigen.“ https://parisax.de/aktuelles/aktuelles-artikelansicht/news/wohnungslosigkeit-und-pflege-in-die-schuhe-des-anderen-steigen/ Immer mehr wohnungslose chronisch mehrfach beeinträchtige Abhängigkeitskranke benötigen pflegerische Versorgung. Das Team eines Dresdner Übergangswohnheims kooperiert daher seit Jahren mit einem ambulanten Pflegedienst und entwickelte gemeinsam mit diesem wichtige Kompetenzen. Immer mehr wohnungslose chronisch mehrfach beeinträchtige Abhängigkeitskranke benötigen pflegerische Versorgung. Das Team eines Dresdner Übergangswohnheims kooperiert daher seit Jahren mit einem ambulanten Pflegedienst und entwickelte gemeinsam mit diesem wichtige Kompetenzen.

Die Sonne scheint und der Wind streicht durch die Bäume auf dem Gelände des Übergangswohnheims der SZL gGmbH in Dresden-Trachenberge. Die Einrichtung bietet 55 Wohnplätze für Menschen ohne eigene Wohnung. Ein Teil der Bewohner*innen sind chronisch mehrfach beeinträchtigte Abhängigkeitskranke. „Wir möchten die bei uns wohnenden Menschen dabei unterstützen, wieder in eine eigene Wohnung oder in andere Wohnformen ziehen zu können“, beschreibt Einrichtungsleiter René Hagedorn das Ziel, das er gemeinsam mit seinem neunköpfigen Team verfolgt.

Pflegebedarf unter den Bewohner*innen steigt

Der jahrelange Suchtmittelkonsum wirkt sich bei vielen Bewohner*innen spürbar auf die Gesundheit aus. Der damit einhergehende Begleitungs- und Betreuungsaufwand überstieg zunehmend die vom Team erbringbaren Leistungen. Zwar hatte es schon immer Vorteile, eine examinierte Krankenschwester in der Belegschaft zu haben, sowie Mitarbeiter*innen, die neben den sozialpädagogischen Qualifikationen auch auf eine Pflegeausbildung zurückblicken können. Doch damit war der Aufwand bald trotzdem nicht mehr zu stemmen. Das Sozialamt der Stadt Dresden war  nicht bereit, den notwendigen steigenden Personalbedarf zu finanzieren, sondern verwies auf die Prüfung der Pflegebedürftigkeit (SGB XI) als vorrangige Leistung. Die daraufhin bei den Krankenkassen gestellten Anträge auf Pflegeleistungen wurden durchgehend positiv beschieden und man begab sich 2012 auf die Suche nach einem Pflegedienst, der die Betreuung übernehmen würde.

Berührungsängste abbauen und auf die Bedarfe der Zielgruppe eingehen

„Das war anfangs gar nicht so leicht. Wir probierten mehrere Anbieter aus. Neben den pflegerischen Aspekten ging es immer auch darum, den Pflegediensten die besonderen Bedarfe unserer Zielgruppe zu vermitteln. Dabei stießen wir mehrfach auf Vorurteile und Berührungsängste“, erinnert sich der Einrichtungsleiter. Gleichzeitig ist die Einrichtung für einen ambulante Pflegedienst durchaus attraktiv, da viele Pflegebedürftige örtlich nahe beieinander sind und somit lange Fahrzeiten entfallen.

Allerdings gibt es immer wieder Schwierigkeiten mit den Klient*innen. Mal sind sie nicht da, wenn der Pflegedienst kommt, oder sie verweigern sich der pflegerischen Versorgung. Daher war das Einrichtungsteam unsicher, wie die externen Pflegekräfte und die jeweiligen Pflegeleistungen in den Alltag eingebunden werden können. Würde es immer möglich sein, die ambulanten Pflegekräfte durch Fachkräfte der Einrichtung zu unterstützen, beispielsweise wenn ängstliche Bewohner*innen zur Annahme der Dienste motiviert werden müssen? René Hagedorn erinnert sich: „Das klappte am Anfang nicht immer. Die Tagesform und emotionale Verfassung unserer Bewohner*innen kann teilweise stark schwanken. Absprachen werden nicht immer eingehalten. Einige reagieren mitunter unberechenbar. Nicht zuletzt deshalb sprangen einige ambulante Anbieter wieder ab.“

Personelle Kontinuität schaffen

Die ursprüngliche Idee, mit mehreren Diensten zusammenzuarbeiten, verwarf man also wieder. Es brauchte personelle Kontinuität. Die Pflegekräfte mussten nicht nur über die Besonderheiten der jeweiligen Pflegebedürftigen Bescheid wissen, sondern diese über die Zeit auch einschätzen und mit ihnen umgehen lernen. Nur so war es möglich,  zum einen Vertrauen bei den betreuten Menschen aufzubauen und zum anderen zu erkennen, wann die Hilfe durch die Fachkräfte des Übergangsheims sinnvoll und notwendig ist.

Nun arbeitet die Einrichtung seit neun Jahren gut mit einem Anbieter zusammen, dessen Beschäftigte die Einrichtung und ihre Bewohnenden mittlerweile gut kennen. Dieser Umstand und die räumliche Nähe der Pflegebedürftigen zueinander ermöglicht zudem die notwendige Flexibilität, wenn Pflegeleistungen mal nicht erbracht werden können, weil Bewohner*innen zum Beispiel nicht da sind. In diesem Fall kann die Versorgung eines anderen Pflegebedürftigen vorgezogen werden.

Sein Gegenüber kennenlernen

Ein Vorteil der Einrichtung bleiben die eingangs erwähnten pflegerisch geschulten Fachkräfte des Teams auch jetzt noch. Sie übernehmen in der Zusammenarbeit zwischen dem Übergangswohnen und dem ambulanten Pflegedienst eine wichtige Brückenfunktion. Aufgrund ihres beruflichen Hintergrundes können sie sich in die Pfleger*innen hineinversetzen und kennen entsprechende Fachtermini. So lassen sich eventuelle Probleme schneller lösen oder das Einrichtungsteam kann bestimmte Dinge schon vorbereiten. „Das ist ein Glücksfall“, weiß der Einrichtungsleiter und unterstreicht die Bedeutung des interprofessionellen Austauschs für eine gelungene Kooperation. „Es ist absolut unumgänglich, sinnbildlich in die Schuhe des anderen zu steigen. Selbst wenn wir nicht den glücklichen Umstand hätten, Pflegeerfahrene im eigenen Team zu haben, wäre es mir ein Anliegen, diesen Zugang für beide Seiten zu öffnen. Alle Beteiligten haben über die Jahre viel gelernt, was auch an anderen Stellen des beruflichen Alltags hilfreich ist. Ich bin davon überzeugt, dass die Professionalität aller dabei gestärkt wurde.“

Das Verständnis für die Arbeit des jeweils anderen und klare Absprachen sind einmal mehr die Basis für den Erfolg. Nur so war es möglich, die Pflegeleistung in die jeweiligen Tagesabläufe einzutakten und die mit den Pflegebedürftigen immer wieder auftretenden Unwägbarkeiten gut zu meistern. In beiden Teams wurden feste Ansprechpersonen benannt, die dem jeweiligen Gegenüber helfend zur Seite stehen können, wenn der Bedarf es verlangt. Zudem wurden die jeweiligen Zuständigkeiten klar miteinander abgestimmt. Über die Jahre flossen viele Erfahrungswerte ein und die Zusammenarbeit wurde entsprechend justiert.

Dank der erfolgreichen Kooperation erhalten die Bewohner*innen nun eine gute Versorgung – sowohl sozialtherapeutisch als auch pflegerisch. Damit bietet das Übergangswohnen im Dresdner Nordwesten einen stützenden Rahmen, um Schritte auf dem Weg zum selbstbestimmten Wohnen gehen zu können. Denn das ist das Ziel, der hier lebenden Menschen und des Einrichtungsteams. Selbst wenn der Einrichtungsgarten mit den alten Bäumen noch so sehr zum Verweilen einlädt.


Weitere Informationen und die Kontaktdaten des Übergangswohnheims Hubertusstraße in Dresden finden Sie auf der Webseite: www.suchtzentrum.de


Der Artikel erschien zuerst in der Ausgabe September 2021 unseres Verbandsmagazins anspiel. mit dem Themenschwerpunkt Kooperation. Jetzt einen Blick ins Heft werfen!

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news-8005 Wed, 06 Apr 2022 06:48:00 +0200 Kooperation: Fachberatung für queere Geflüchtete in Sachsen https://parisax.de/aktuelles/aktuelles-artikelansicht/news/kooperation-fachberatung-fuer-queere-gefluechtete-in-sachsen/ Seit 2016 kooperieren drei sächsische Träger psychosozialer Beratungsangebote für geflüchtete Menschen miteinander. Nun hoben sie ihre Zusammenarbeit auf eine neue Stufe und schufen den Projektverbund ‚Fachberatung für queere Geflüchtete in Sachsen‘. Seit 2016 kooperieren drei sächsische Träger psychosozialer Beratungsangebote für geflüchtete Menschen miteinander. Nun hoben sie ihre Zusammenarbeit auf eine neue Stufe und schufen den Projektverbund ‚Fachberatung für queere Geflüchtete in Sachsen‘.

Fluchterfahrung prägt die Betroffenen ein Leben lang. Fluchtgründe, die Erlebnisse während der Flucht, aber auch die Ankunft an einem vermeintlich sicheren Ort hinterlassen nie zu tilgende Spuren. Denn auch letztere – die Ankunft an einem Zufluchtsort wie beispielsweise Sachsen – hält Unsicherheiten und ständig neue Herausforderungen bereit. Der psychische Druck lässt selbst hier nur bedingt nach. Psychosoziale Beratungsangebote bilden daher ein wichtiges Netz, um Geflüchtete aufzufangen, ihnen Orientierung zu bieten und sie auf dem Weg in ein möglichst selbstbestimmtes Leben zu unterstützen.

Hilfe auch bei örtlichem Wechsel nicht abreißen lassen

Um den Bedarfen von lesbischen, schwulen, bisexuellen, trans, inter, asexuellen und queeren (lsbtiaq* oder kurz queeren) Asylsuchenden gerecht zu werden, halten der Lesben- und Schwulenverband (LSVD) Sachsen e.V., der RosaLinde Leipzig e.V. und der Gerede e.V. spezielle psychosoziale Beratungsprojekte für genau diese Zielgruppen vor. Während der LSVD vor allem Menschen in Chemnitz, Süd-/West- und Mittelsachsen berät, ist der RosaLinde in Leipzig sowie dem nördlichen Sachsen und Gerede e.V. in Dresden und Ostsachsen aktiv. „Alle drei Vereine arbeiten bereits seit 2016 miteinander“, berichtet Carolin Wiegand, Projektverantwortliche beim Gerede e.V., im Gespräch mit anspiel. „Die hier ankommenden Menschen unterliegen zuerst der Zuständigkeit des Freistaates und werden im weiteren Verfahren auf die Kommunen verteilt. Da kommt es nicht selten vor, dass jemand zum Beispiel zuerst in der Gemeinschaftsunterkunft in Dresden lebt und sich bei uns Hilfe sucht, dann aber beispielsweise in die kommunale Zuständigkeit des Erzgebirgskreises verwiesen wird. Um den Beratungsprozess nicht abreißen zu lassen, stimmen wir uns in diesem Fall mit den Kolleg*innen des LSVD in Chemnitz ab, die dann die Begleitung fortsetzen können.“

Arbeitsweisen aufeinander abstimmen

Die trägerübergreifende Zusammenarbeit ist über die Jahre immer enger geworden. So verständigte man sich unter anderem auf gemeinsame Standards für die Beratungspraxis, damit die Geflüchteten trotz des örtlichen und des Trägerwechsels keine Lücke in der Begleitung erfahren. Die so erzeugte Vergleichbarkeit der Angebote spielt zudem in der Darstellung gegenüber Fördermittelgebern eine wichtige Rolle. Des Weiteren sind der Wissensaustausch oder der Rückgriff auf das Netzwerk des jeweils anderen bei allen drei Trägern zu wichtigen Erfolgsfaktoren für die eigene Arbeit geworden. „Ich denke da zum Beispiel an Sprachmittler*innen, die wir in den verschiedenen Beratungskontexten einsetzen. Insbesondere bei seltener gesprochenen Sprachen konnten wir uns mehrfach gegenseitig mit Kontakten aushelfen. Oder auch der Wissenstransfer im Umgang mit Behörden hat uns – und damit auch den Beratungssuchenden - schon oft geholfen“, unterstreicht Annelie Neumann, Projektverantwortliche beim LSVD.

Transparenz und Dialog als Arbeitsgrundlage

Neben dem direkten Kontakt der Berater*innen untereinander, wenn es um konkrete Einzelfälle geht, fanden in dieser Phase auch regelmäßige Treffen statt. Vierteljährlich kamen alle Berater*innen der drei Träger zu einer gemeinsamen Klausur zusammen. Kollegiale Beratung, Weiterbildung und die Öffnung der eigenen Netzwerke für die jeweils anderen gehörten fest dazu. Eine entscheidende Grundlage ist für alle Beteiligten dabei bis heute die Transparenz des eigenen Handelns. „So muss nur ein Träger den Fehler machen“, meint Carolin Wigand scherzhaft und spricht indirekt einen weiteren wichtigen Aspekt der Zusammenarbeit an: die Fehlerfreundlichkeit. Alle drei Träger verfügen zwar über qualifizierte Fachkräfte, die sich zudem mit den regionalen Besonderheiten auskennen. Alle stehen jedoch immer wieder vor neuen Hürden. „Die eigene Fachlichkeit und der Erfahrungskontext bieten viele Ansätze, aber nicht immer die passende Lösung. Da kommt es auch mal vor, dass etwas nicht klappt. Dies offen mit den anderen zu besprechen, hilft in diesem einen Fall vielleicht nicht unbedingt weiter. Aber es ist für den künftigen Beratungsalltag dennoch förderlich“, ist Carolin Wigand überzeugt.

Zusammenarbeit qualifizieren

Mit Beginn des Jahres 2021 hoben die Träger ihre Kooperation dann auf eine neue Stufe und gründeten den Projektverbund ‚Fachberatung für queere Geflüchtete in Sachsen‘. Nun kann die Zusammenarbeit über Mittel der Richtlinie Integrative Maßnahmen weiterentwickelt werden. Bei allen drei Trägern gibt es jetzt Mitarbeiter*innen, die ein festes Kontingent ihrer Arbeitszeit für die gemeinsame Arbeit nutzen können. Sie bündeln die trägerspezifischen Themen  und speisen sie gezielt in den Austausch ein. Die vierteljährlichen Klausuren aller Berater*innen wurden durch feste wöchentliche Absprachen der jeweiligen Koordinator*innen ersetzt. Annelie Neumann erklärt dazu: „Abstimmungen und Bedarfsermittlungen lassen sich so viel zeitnaher umsetzen. Die allgemeinen Klausuren waren wichtig, gingen jedoch immer zu Lasten der Beratung selbst. Selbstverständlich stehen die Berater*innen in spezifischen Fragen aber weiterhin im direkten Kontakt“.

Gemeinsam neue Ziele angehen

Seit Jahren erleben die Beschäftigten in ihrem Alltag immer wieder strukturell bedingte Diskriminierung gegenüber den geflüchteten Menschen. Diese sichtbar zu machen und an den geeigneten Stellen auf Veränderungen hinzuwirken, ist somit ein weiteres Ziel der Kooperation. Schlüssel dazu ist eine gemeinsame Dokumentation.

Carolin Wiegand beschreibt: „Die Erfahrungen der Geflüchteten zu dokumentieren und valide Daten zu erheben, war uns zuvor nur eingeschränkt möglich und erfolgte bei allen drei Trägern unterschiedlich. Eine unserer ersten Aufgaben war es daher, gemeinsame Indikatoren zu entwickeln, mit denen sich einerseits die Erfahrungen der Geflüchteten abbilden lassen und an denen andererseits deutlich wird, wo die Ursachen zu suchen sind.“ Bei ihren regelmäßigen Terminen sowie bei extra für das Thema angesetzten Treffen entwarfen die Koordinator*innen also einen Dokumentationsrahmen, der sowohl die Persönlichkeitsrechte der Geflüchteten respektiert, als auch für die Berater*innen im Arbeitsalltag zu bewältigen ist und verwertbare Aussagen liefert. Die ersten gemeinsamen Daten sowie deren Vorstellung bei Behörden machen Mut, auf dem richtigen Weg zu sein. Gleichwohl ist allen Beteiligten klar, dass die regelmäßige Evaluation des Instrumentes fester Bestandteil der gemeinsamen Arbeit bleiben wird.

Der Projektverbund brachte bereits in seiner ersten Phase als loser Zusammenschluss viele positive Effekte für die Beratungssuchenden und die Angestellten mit sich. Der 2021 unternommene Schritt bietet darüber hinaus auch die Chance, Impulse für den Abbau struktureller Hürden für geflüchtete Menschen zu setzen und damit beim Ankommen in Sachsen den Druck auf diese zu senken.


Nähere Informationen und die Ansprechpersonen des Projektverbundes finden Sie unter: https://sachsen.lsvd.de/lgbti-refugees/


Der Artikel erschien zuerst in der Ausgabe September 2021 unseres Verbandsmagazins anspiel. mit dem Themenschwerpunkt Kooperation. Jetzt einen Blick ins Heft werfen!

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news-8004 Mon, 04 Apr 2022 17:30:40 +0200 Regionalkonferenzen 2022 in Leipzig und Dresden https://parisax.de/aktuelles/aktuelles-artikelansicht/news/regionalkonferenzen-2022-in-leipzig-und-dresden/ Auf den diesjährigen Regionalkonferenzen des Paritätischen Sachsen geht es neben der Beitragsordung und verbandlichen Themen um die Chancen nachhaltigen Handelns für Träger der Sozialen Arbeit und Bildung. Die Regionalkonferenzen des Paritätischen Sachsen finden in Leipzig (18.5.) und Dresden (24.5.) statt. An der Veranstaltung in Dresden können Mitglieder auch online teilnehmen.

Beitragsordnung und verbandliche Themen

Auf der zurückliegenden Mitgliederversammlung wurde intensiv über die Beitragsordnung des Paritätischen Sachsen diskutiert und eine befristete Regelung beschlossen. Daher kam erneut eine Arbeitsgruppe aus Mitgliedsorganisationen, Vorstandmitgliedern und der Geschäftsführung des Landesverbandes zusammen, um eine tragfähige Lösung zu entwickeln. Den Vorschlag dieser Arbeitsgruppe wollen wir nun im ersten Teil der Regionalkonferenz vorstellen und mit Ihnen besprechen. Zudem wird es um weitere Aspekte der Verbandsarbeit gehen. Gerne können Sie hier Ihre Fragen einbringen.

Nachhaltigkeit: Chancen für Träger Sozialer Arbeit und Bildung

Im zweiten Teil möchten wir mit Ihnen die Chancen nachhaltigen Handelns für Träger der Sozialen Arbeit betrachten. Als einleitenden Impulsgeber haben wir Prof. Dr. Raj Kollmorgen von der Hochschule Zittau/Görlitz gewonnen.

Da Klimaschutz einen bedeutenden Eckpfeiler der Nachhaltigkeit bildet, berichten anschließend Mitgliedsorganisationen von ihren ersten Schritten im Projekt „Klimaschutz in der Sozialen Arbeit stärken“. Selbstverständlich wird es auch Zeit für Fragen und Dialog geben.

Eine kurze Hinleitung zum Thema bietet der Gastbeitrag „Nachhaltigkeit? - Zwischen Trend, Chancen und Verantwortung“ auf unserer Website (Lesezeit: 2 Minuten).

Geplanter Veranstaltungsablauf

12:00 Uhr – Ankommen, Dialog & Mittagsimbiss
13:00 Uhr – Aktuelle Informationen aus dem Landesverband
14:30 Uhr – Pause, Dialog mit Kaffee und Kuchen
15:00 Uhr – Nachhaltigkeit – Chance für Träger Sozialer Arbeit und Bildung'
16:30 Uhr – Veranstaltungsende

Veranstaltung in Dresden hybrid (Vor Ort & online)

Da es aus organisatorischen Gründen in diesem Jahr leider keine Regionalkonferenz in Chemnitz geben wird, laden wir alle Mitglieder aus dieser Region herzlich nach Leipzig oder Dresden ein. Die Veranstaltung in Dresden findet zudem hybrid statt. Sie können am 24.5. also auch online teilnehmen. Bitte vermerken Sie daher in Ihrer Anmeldung, wenn Sie sich online zuschalten möchten, damit wir Ihnen die Zugangsdaten zusenden können!

Für die Veranstaltungen gilt die 3G-Regel. Wir bitten Sie daher, Ihren Impf- oder Genesenennachweis bzw. ein negatives Corona-Testergebnis vorzulegen, das weniger als 12 Stunden alt ist.

An den Regionalkonferenzen können nur Personen aus Mitgliedsorganisationen des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes teilnehmen. Um Anmeldung wird gebeten.

Jetzt anmelden!

Bitte melden Sie sich rechtzeitig für die Regionalkonferenz Ihrer Wahl an.

Regionalkonferenz Leipzig am 18. Mai 2022: Jetzt online anmelden.
Regionalkonferenz Dresden (hybrid) am 24. Mai 2022: Jetzt online anmelden.

Kontakt für Fragen oder Hinweise:

Claudia Nowakowski (Koordinatorin Regionalgeschäftsstelle Dresden)
Tel.: 0351 – 828 71 182
E-Mail: claudia.nowakowski@parisax.de

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news-7969 Tue, 29 Mar 2022 08:00:00 +0200 Kostenfreie Schulungen: Ernährung in Jugendhilfeeinrichtungen https://parisax.de/aktuelles/aktuelles-artikelansicht/news/kostenfreie-schulungen-ernaehrung-in-jugendhilfeeinrichtungen/ Auch 2022 bietet das Projekt „Powerfood“ kostenfreie Schulungen zur Ernährung in der (teil)stationären Jugendhilfe an. Rund 100 pädagogische und hauswirtschaftliche Fachkräfte nutzten das Angebot bisher und konnten damit in ihren jeweiligen Einrichtungen wichtige Schritte voran gehen. Auch 2022 bietet das Projekt „Powerfood“ kostenfreie Schulungen zur Ernährung in der (teil)stationären Jugendhilfe an. Rund 100 pädagogische und hauswirtschaftliche Fachkräfte nutzten das Angebot bisher und konnten damit in ihren jeweiligen Einrichtungen wichtige Schritte voran gehen.

Seit nunmehr fünf Jahren befasst sich Anja Schindhelm, Projektleiterin von „Powerfood“, mit Fragen der gesunden Ernährung in der Jugendhilfe. Nach einer Datenerhebung und der Veröffentlichung einer Arbeitshilfe zum Thema begann das Projekt 2020 mit kostenfreien Schulungen in Jugendhilfereinrichtungen. Bei diesen werden mit den Beteiligten konkrete Ansätze entwickelt, um Ernährungsfragen vor Ort erfolgreich zu beantworten.

„Manchmal geht es um ganz grundlegende Dinge wie beispielsweise die richtige Essensmenge für Heranwachsende. Von Interesse war auch, wie sich mit der aktuellen Verpflegungspauschale in der jeweiligen (teil)stationären Jugendhilfeeinrichtung eine ausgewogene Ernährung umsetzen lässt. Im Dialog und anhand der in den letzten Jahren gesammelten Erkenntnisse konnten wir in allen Fällen Handlungsoptionen aufzeigen“, berichtet die Projektleiterin.

Schulungen in Jugendhilfeeinrichtungen setzen positive Impulse

Die Rückmeldungen der Einrichtungen, die das kostenfreie Schulungsangebot von „Powerfood“ bereits genutzt haben, waren sehr positiv. Schon allein der Umstand, sich Zeit für das Thema zu nehmen und auf die Unterstützung externer Beratung zurückgreifen zu können, motivierte dazu, die neuen Erkenntnisse sofort in die Praxis einfließen zu lassen. Das gewonnene Wissen und nicht zuletzt der Dialog darüber im jeweiligen Team halfen, Abläufe neu zu denken und Routinen zu durchbrechen.

Auch Gabriele Fleck-Hartmuth, Leiterin des Kinder- und Jugenddorfs Markkleeberg und St. Hilarius Haus Leipzig, nutzte die Inhouse-Schulung und sagt rückblickend: „Wir haben uns gar nicht so sehr an den Speiseplänen und einzelnen Werten aufgehalten, sondern eher versucht, die Kinder und Jugendlichen noch mehr zu beteiligen, ihre Wünsche einzubringen, aber auch zu hinterfragen. In einem länger dauernden Prozess wurden auch mit den Erwachsenen Haltungsfragen thematisiert. Somit sind neue Rezepte entstanden, Kids haben Veganes ausprobiert, Fleisch wurde überall reduziert. Ein Erntedankfest im Oktober 2021 hat das Thema Ernährung dann nochmal abgerundet.“ Ähnliche Erfahrungen hört die Projektleiterin auch aus anderen Einrichtungen. Der Bezug zu den Themen Essen und Ernährung hat sich gewandelt und beide sind oft zu einem Bestandteil der pädagogischen Arbeit geworden.

In zwei Schritten zur ausgewogenen Ernährung

Während der Corona-Pandemie mussten die Inhouse-Schulungen vermehrt online stattfinden. Aufbauend auf diesen Erfahrungen schnürte das Projekt nun ein kostenfreies Paket, welches sowohl eine Online- als auch eine Präsenzveranstaltung enthält.

Die Schulungen werden als zwei halbtägige Veranstaltungen bestehend aus einem Basismodul im Onlineformat und einer Aufbauschulung vor Ort durchgeführt. Im Basismodul wird unter anderem das Ernährungsverhalten in der Einrichtung reflektiert und die Anwendung der altersangemessenen Warenkörbe wird vermittelt. Das Aufbaumodul richtet sich nach den individuellen Bedürfnissen des teilnehmenden Teams bzw. der Teilnehmenden der Einrichtungen. Kochpraktische Anteile wie beispielsweise die Zubereitung vegetarischer Aufstriche können in diesem Präsenzmodul auf Wunsch umgesetzt werden. Da die Verankerung des Themas in den Teams und Einrichtungen Zeit braucht, werden die Module im Abstand von zwei bis drei Monaten durchgeführt.

Arbeitshilfe als Unterstützung für die Praxis

Grundlage und wichtiger Baustein der Schulungen ist die Arbeitshilfe „Damit gute Ernährung in der Jugendhilfe gelingt“. Sie enthält zum einen altersangepasste und mahlzeitenorientierte Warenkörbe und zum anderen auch Rahmenkriterien für die Umsetzung von ausgewogener Ernährung in Jugendhilfeeinrichtungen.

Die Arbeitshilfe können Sie hier lesen.

Jetzt Interesse bekunden!

Sie möchten dieses Angebot für Ihre Einrichtung nutzen? Dann wenden Sie sich direkt an die Projektleiterin Anja Schindhelm. Die Schulungen können noch bis Dezember 2022 kostenfrei gebucht werden. Es wird lediglich eine einmalige Fahrtkostenpauschale in Höhe von 100 Euro für das Präsenzmodul erhoben.


Kontakt:

Anja Schindhelm (Projektleiterin)
Telefon: 0351 / 828 71 451 (Montag bis Donnerstag, 8.00 – 12.00)

E-Mail: anja.schindhelm(at)parikom.de


Das Projekt „Gesunde altersgerechte und kostenbewusste Ernährung von Kindern und Jugendlichen in teilstationären und stationären Jugendhilfeeinrichtungen in Sachsen“ (Powerfood) wird durch die Ersatzkassen in Sachsen (vdek) gefördert. Projektträger ist die parikom – Paritätisches Kompetenzzentrum für soziale Innovation gGmbH, die in Kooperation mit dem Paritätischen Sachsen sowie der LSJ Sachsen e.V. arbeitet.

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news-7964 Thu, 24 Mar 2022 09:04:26 +0100 Expertenstandards in der Pflege: Wissen aktuell halten https://parisax.de/aktuelles/aktuelles-artikelansicht/news/expertenstandards-in-der-pflege-wissen-aktuell-halten/ Die Belastungen im Pflegebereich sind hoch. Pflegerische Expertenstandards können helfen, in der Praxis den Blick auf das Wesentliche zu lenken und neueste Erkenntnisse im Alltag umzusetzen. Die Belastungen im Pflegebereich sind hoch. Pflegerische Expertenstandards können helfen, in der Praxis den Blick auf das Wesentliche zu lenken und neueste Erkenntnisse im Alltag umzusetzen.  

„Die gezielte Anwendung von Expertenstandards ermöglicht einen aktiven Theorie–Praxis–Transfer, bei dem die interne Qualitätsentwicklung gestärkt wird. Expertenstandards liefern den Rahmen für institutionelle und individuelle Entscheidungen und leisten einen Beitrag zur Entwicklung und Professionalisierung der Pflegepraxis“, sagt Julia Schulz, Weiterbildungsreferentin der parikom gGmbH und zugleich Pflegepädagogin.

Pflegerische Expertenstandards sind seit Jahren etablierte Instrumente, um die Qualität in der Pflege zu sichern und weiterzuentwickeln. Sie sind evidenzbasiert und werden vom Deutschen Netzwerk für Qualitätsentwicklung in der Pflege (DNQP) in Kooperation mit dem Deutschen Pflegerat (DPR) entwickelt. Zudem berücksichtigen sie aktuelle pflegewissenschaftliche Erkenntnisse sowie pflegepraktische Erfahrungen.

Mit der Umsetzung von Expertenstandards sollen sowohl das pflegerische Selbstverständnis als auch die vorhandene Fachlichkeit der Pflegekräfte gestärkt werden. Das eigene Handeln wird mit Hilfe dieser Instrumente auf den neuesten Stand gebracht. Sie geben den Pflegekräften Sicherheit und bestärken deren Kompetenz.

Der Versorgung von Bewohner*innen und Patient*innen verleihen die verschiedenen Standards einen transparenten Rahmen, um ein professionell abgestimmtes Leistungsniveau zu erreichen. Von zentraler Bedeutung bleiben die jeweiligen Bedarfe und Bedürfnisse der betreuten Menschen. Die Expertenstandards geben dafür spezifische Handlungsweisen und Spielräume vor, innerhalb derer die direkte Versorgung gestaltet wird.

Mittlerweile spielen die Expertenstandards im Pflegealltag zudem eine elementare Rolle, wann immer es um die Verzahnung von Strukturmodell, Qualitätsprüfrichtlinie (QPR), Qualitätsindikatoren sowie der Module der Pflegebedürftigkeit geht. „Die Expertenstandards sind als zentrales Instrument des pflegerischen Handelns sowie als Dokumentationselement zu verstehen. Deshalb ist es wichtig, sich trotz aller derzeitiger Herausforderungen mit inhaltlichen Auffrischungen, fachlichen Erweiterungen oder gar kompletten Neuerungen dieser Expertenstandards auseinanderzusetzen“, sagt Julia Schulz. „Da es immer wieder Fragen dazu gibt, hat der Paritätische Sachsen für das Jahr 2022 hierzu drei Weiterbildungen mit der Pflegeexpertin Michaela Werth vorbereitet. Wir freuen uns, wenn Pflegekräfte diese Chance nutzen.“


Folgende Veranstaltungen zu den pflegerischen Expertenstandards sind geplant:

12. Mai 2022
Refresher – Ausgewählte aktuelle Expertenstandards auf einen Blick: Schmerzmanagement und Mobilität in der Pflege

13. Mai 2022
Expertenstandard Beziehungsgestaltung in der Pflege von Menschen mit Demenz „Es geht um das WIE, nicht um das WAS“

19. September 2022
Der neue Expertenstandard Erhaltung und Förderung der Mundgesundheit in der Pflege


Sie haben Fragen oder Hinweise zu unserem Weiterbildungsangebot? Sprechen Sie unser Weiterbildungsteam an.

Tel.: 0351 - 828 71 431
E-Mail: weiterbildung(at)parisax.de

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news-7962 Wed, 23 Mar 2022 14:20:50 +0100 Kommentar: Gesetze für die Praxis machen https://parisax.de/aktuelles/aktuelles-artikelansicht/news/kommentar-gesetze-fuer-die-praxis-machen/ Seit dem 15.3. greift die einrichtungsbezogene Impfpflicht. Die sicher gut gemeinte Idee, um sogenannte vulnerable Gruppen vor einer Corona-Infektion zu schützen, erweist sich in der praktischen Umsetzung als schwierig. Julia Liebscher, Referentin Altenhilfe und Pflege, kommentiert. Seit dem 15.3. greift die einrichtungsbezogene Impfpflicht. Die sicher gut gemeinte Idee, um sogenannte vulnerable Gruppen vor einer Corona-Infektion zu schützen, erweist sich in der praktischen Umsetzung als schwierig. Julia Liebscher, Referentin Altenhilfe und Pflege, kommentiert.

Schon die Verabschiedung des Gesetzes im Dezember 2021 beunruhigte insbesondere die Einrichtungen und Dienste in der Pflege. Kein Wunder, denn die Altenpflege ist seit Jahren damit beschäftigt, eine Reform nach der nächsten umzusetzen. Anforderungen an die praktische Arbeit sind in ständiger Veränderung und die Arbeitsbelastung für Personal und Fachkräfte scheint immerfort zu steigen. Die Corona-Pandemie verschärfte die Lage erneut.

Unabhängig davon, wie man zu einer einrichtungsbezogenen Impfpflicht steht und inwieweit sie ein geeignetes Instrument zum Schutz vulnerabler Gruppen ist, waren es die vielen offenen Fragen zur Umsetzung, die die betroffenen Akteure verunsicherten. Um diese Unsicherheit abzufangen, organisierte das Referat Pflege des Paritätischen Sachsen seit Jahresbeginn wöchentliche Videokonferenzen, in denen die Fragen der Mitglieder aufgenommen und aktuelle Entwicklungen kommuniziert wurden. Neben den teils kleinteiligen Beratungen von Mitgliedsorganisationen mussten deren Ergebnisse aufbereitet und gegenüber den zuständigen Akteur*innen auf Landes- und regionaler Ebene vertreten werden. Dies geschah immer im Wissen, dass der Kenntnisstand und die innerverbandliche Willensbildung von aktuellen Entwicklungen bereits überholt sein könnten.

Die anfangs noch bestehende Zuversicht, dass sich bis zum Stichtag 15.3.2022 alles klärt, wurde von der Ernüchterung über sich verändernde Auslegungen verdrängt. Landesregelungen ließen auf sich warten. Die Umsetzungshinweise wurden immer länger. Zuständigkeitszuweisungen ließen verlässlich geglaubte Informationen wieder fraglich erscheinen. Einige Fragen - insbesondere zum Umgang mit externen Dienstleistern oder Haftungsfragen – sind bis heute offen. Es gibt sogar Beschäftigtengruppen, bei denen noch immer nicht eindeutig ist, ob sie unter die Impfpflicht fallen oder nicht. Zu erwarten sind in Sachsen zudem 13 unterschiedliche Umsetzungen des Gesetzes, je nach Auslegung durch das zuständige Gesundheitsamt. Hier hat sich der Paritätische immerhin erfolgreich gegen pauschale Betretungs- bzw. Beschäftigungsverbote, den Fokus auf die Versorgungssicherheit und die Anhörung der Einrichtungen eingesetzt. Das Fachreferat Altenhilfe und Pflege mutierte zum Fachreferat Impfpflicht. Themen mussten liegen bleiben.

Diese Gemengelage trifft auf eine Pflegelandschaft, die seit Jahren in Bewegung ist. Deren Beschäftigte nach zwei Jahren Corona-Pandemie und vielen Hygieneauflagen ermüdet sind. Die sich parallel mit nicht minder komplexen Prozessen konfrontiert sieht, wie der Einführung einer Tarifbindung, einem hohen Krankenstand und der ohnehin angespannten Personalsituation. Spannend wird der Sommer, wenn die verbliebenen Pflegekräfte in ihren mehr als verdienten Jahresurlaub gehen wollen. Die Dienstplanung ist schon jetzt eine Drahtseilakt und fordert von den Verantwortlichen nicht nur Managementfähigkeiten, sondern auch Kreativität und immer öfter auch den Mut zur Lücke

Auf der anderen Seite ist die öffentliche Verwaltung zu sehen. Verantwortlich für die Umsetzung der einrichtungsbezogenen Impfpflicht sind die Gesundheitsämter und Landkreisverwaltungen. Jene Institutionen, die pandemiebedingt auch schon auf dem sprichwörtlichen Zahnfleisch gehen. In denen es ebenfalls an Personal mangelt und deren technische Ausstattung meist nicht dem entspricht, was effektives Arbeiten unterstützt. Wir sprechen hier von jenen Verwaltungseinheiten, die zudem aufgrund der Fluchtbewegung aus der Ukraine, für die Unterbringung und Teilhabe von abertausenden Kriegsvertriebenen verantwortlich sind. Hinsichtlich des letzten Aspektes können wir froh sein, dass zivilgesellschaftliche und gemeinnützige Akteure an dieser Stelle bereits viel leisten. Das Aufgabenvolumen für die Verwaltung bleibt dennoch beträchtlich.

Die gut gemeinte Idee des Gesetzes trifft auf eine Realität, in der wir dringend aufpassen müssen, dass allen Beteiligten nicht die Puste ausgeht. Die jetzigen Erfahrungen müssen in der Diskussion um eine allgemeine Impfpflicht dringend berücksichtigt werden. Politisch Verantwortliche waren bei keinem Thema mehr gefordert, die gewünschte Wirkung und das Machbare gut abzuwägen. Denn die Unschärfe der Regelungen zur einrichtungsbezogenen Impfpflicht hat bis jetzt nicht nur die konkret betroffenen Akteure enorm belastet, sondern auch gesellschaftlich ihre Spuren hinterlassen. Das darf in dieser Form nicht noch einmal geschehen.


Kontakt:

Julia Liebscher, Referentin Altenhilfe und Pflege
Tel.: 0351 - 828 71 142
E-Mail: julia.liebscher(at)parisax.de

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