Parisax Aktuelle Meldungen https://parisax.de/ Parisax Aktuelle Meldungen de Parisax Wed, 01 Feb 2023 16:59:50 +0100 Wed, 01 Feb 2023 16:59:50 +0100 TYPO3 news-8939 Wed, 01 Feb 2023 06:50:00 +0100 Parität trifft Politik: Im Gespräch mit der SPD zum Thema ‘Soziale Sicherheit’ https://parisax.de/aktuelles/aktuelles-artikelansicht/news/paritaet-trifft-politik-im-gespraech-mit-der-spd-zum-thema-soziale-sicherheit/ In einem Debattencamp diskutierte die SPD Sachsen mit mehr als 400 Gästen über ein starkes und soziales Sachsen der Zukunft. Der Paritätische Sachsen beteiligte sich daran mit einer klaren Botschaft: Ein starker Sozialstaat braucht eine starke Soziale Arbeit. In einem Debattencamp diskutierte die SPD Sachsen mit mehr als 400 Gästen über ein starkes und soziales Sachsen der Zukunft. Der Paritätische Sachsen beteiligte sich daran mit einer klaren Botschaft: Ein starker Sozialstaat braucht eine starke Soziale Arbeit.

Das Debattencamp in Leipzig Ende Januar war für die SPD Sachsen der Auftakt zur Landtagswahl 2024. In zwölf verschiedenen Panels ging es um die Themen Arbeit, Bildung und Soziales.

Doreen Voigt, die Leiterin der Regionalgeschäftsstelle Leipzig, saß für den Paritätischen Sachsen auf dem Podium mit dem Titel „Soziale Sicherheit und ein starker Sozialstaat: Zwei Seiten einer Medaille.“ Sie kam dabei ins direkte Gespräch mit SPD-Sozialministerin Petra Köpping, dem SPD-Bundestagsabgeordneten Holger Mann und der stellvertretenden Vorsitzenden des DGB Sachsen, Daniela Kolbe. Einigkeit bestand darin, dass die Krisen der Gegenwart – die Corona-Pandemie, der Klimawandel, der Krieg in der Ukraine und die damit einhergehende Energiekrise – Zukunftsängste verstärken. Das fordert den Sozialstaat heraus.

Doreen Voigt machte in der Diskussion deutlich: „Soziale Sicherheit braucht verlässliche soziale Angebote in Sachsen, nicht nur Projekte. In den Krisen hat sich einmal mehr gezeigt, dass Soziale Arbeit eine wichtige Lebenswegbegleitung ist und Vertrauen in unsicheren Zeiten schafft. Für große gesellschaftliche Aufgaben braucht es aber langfristigere Finanzierungsperspektiven. In der politischen Realität erleben wir jedoch leider immer wieder Kürzungsdebatten im Sozialbereich.“

Mit Blick auf die Zukunft sprach sie sich für mehr Flexibilität bei der Ausgestaltung von Angeboten aus: „Vor uns liegen neue Aufgaben, die politische Unterstützung brauchen wie zum Beispiel die Begleitung von Kindern und Jugendlichen nach der Corona-Pandemie. Viele haben sozial-emotionale Auffälligkeiten. Das müssen wir ernst nehmen.“

Die Bundespolitik ist vor allem beim Abbau von Armut gefordert. „In einem starken Sozialstaat müssen Sozialleistungen zum Leben reichen. Deshalb sollte die neue Grundrente ausgebaut werden und die Kindergrundsicherung zügig eingeführt werden“, betonte die Regionalleiterin in der Debatte.

Der Paritätische Sachsen möchte im Vorwahljahr verstärkt Position beziehen, um sich konstruktiv und lösungsorientiert in die politischen Debatten einzubringen. Ein Schwerpunkt der verbandlichen Arbeit wird in den kommenden Monaten daher sein, jene Themen zu identifizieren, die in den kommenden Jahren Priorität besitzen, damit die soziale Landschaft in Sachsen handlungsfähig bleibt. Die Mitgliedsorganisationen sind aufgefordert, sich aktiv in diesen Prozess einzubringen und so das Profil ihres Spitzenverbandes mitzugestalten.

Im Dialog mit den politischen Akteuren verfolgt der Verband weiterhin den Ansatz, Themen anhand von Lösungsvorschlägen auf die Agenda zu bringen. Die Teilnahme am SPD-Debattencamp war ein erster Schritt auf diesem Weg hin zur Landtagswahl 2024.

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news-8929 Tue, 31 Jan 2023 14:04:14 +0100 Energiehilfen - Was gibt es und wo sind Lücken? https://parisax.de/aktuelles/aktuelles-artikelansicht/news/energiehilfen-was-gibt-es-und-wo-sind-luecken/ Die Bundesregierung hat bereits drei Entlastungspakete auf den Weg gebracht, die Bürger*innen und Unternehmen bei hohen Energiekosten unterstützen. Auch soziale Organisationen profitieren davon. Doch es gibt auch Lücken. Die Bundesregierung hat bereits drei Entlastungspakete auf den Weg gebracht, die Bürger*innen und Unternehmen bei hohen Energiekosten unterstützen. Auch soziale Organisationen profitieren davon. Doch es gibt auch Lücken.

Gestiegene Energiekosten und noch bevorstehende Teuerungen sorgen vielerorts für Verunsicherung. Mit verschiedenen Entlastungspaketen versuchte der Bund, dem entgegenzuwirken und nahm dafür bis jetzt rund 300 Mrd. Euro in die Hand. Gleichzeitig erreichen den Paritätischen Sachsen immer wieder Anfragen aus den Mitgliedsorganisationen, ob Einrichtungen und Dienste der Sozialen Arbeit, Pflege und Bildung damit tatsächlich abgesichert seien. Ebenso wird auf den generellen Anstieg von Sachkosten verwiesen. Aber auch Fragen, wie soziale Einrichtungen beim Energiesparen oder bei der Vorbereitung auf den Ernstfall eines vollständigen Stromausfalls Unterstützung bekommen, werden an den Verband herangetragen.

Vor diesem Hintergrund lud der Landesverband seine Mitglieder Ende Januar zum „Dialog Energiehilfen – Was gibt es und wo sind Lücken?“. Gemeinsam mit der Landtagsabgeordneten Kathleen Kuhfuß, sozialpolitische Sprecherin der BÜNDNISGRÜNEN Fraktion im Sächsischen Landtag und Beiratsmitglied des Paritätischen Sachsen, informierte Landesgeschäftsführer Michael Richter die mehr als 40 anwesenden Mitgliedsorganisationen zu den aktuellen Hilfsleistungen. Gleichzeitig sollten mögliche Lücken identifiziert werden, die perspektivisch durch einen Hilfsfonds des Freistaates geschlossen werden müssen.

Aktuelle Hilfen in der Energiekrise

Die Bandbreite an Unterstützung ist groß. Kommunen wird beispielsweise finanziell geholfen, wenn sie für Einrichtungen und Organisationen der sozialen Infrastruktur die Abschlagszahlung vom Dezember letzten Jahres übernehmen. Es gibt einen Härtefallfonds mit über 10 Mrd. € für energieintensive soziale Dienstleister wie Krankenhäuser und Pflegeeinrichtungen. Soziale Unternehmen können bei Bedarf günstige KfW-Kredite erhalten. Und es gibt verschiedene Anreize, Energie zu sparen: Der Gas- und Strompreisdeckel greift auch bei sozialen Organisationen.

„Soweit erkennbar, decken die vorhandenen Entlastungspakete einen Großteil der möglichen Belastungen sozialer Einrichtungen und Dienste ab. Allerdings sind viele Kostensteigerungen vor Ort noch nicht angekommen, was eine abschließende Bewertung erschwert. Der Dialog Energiehilfen war ein erster Aufschlag, um mit den Mitgliedern ins Gespräch zu kommen. In den kommenden Wochen und Monaten wird es wichtig sein, diesen Austausch fortzusetzen. Alle Mitglieder sind aufgefordert, nicht abgedeckte Belastungen an uns zurückzumelden, damit wir dies bündeln und auf notwendige Unterstützung – beispielsweise durch den Freistaat - hinwirken können“, erklärt der Landesgeschäftsführer.

Aufgaben für die Landespolitik

Im Sächsischen Landeshaushalt 2023/24 sind 200 Millionen Euro für einen Energie-Hilfsfonds eingeplant. „Über die Verwendung der Mittel wird in naher Zukunft politisch entschieden werden. Jetzt ist der richtige Moment, sich in die Debatte über konkrete Hilfen einzubringen und dringende Aufgaben zu benennen, die in den kommenden zwei Jahren politisch unterstützt werden sollten“, betont Kathleen Kuhfuß gegenüber den Mitgliedern.

Mögliche Probleme zeichnen sich in Einrichtungen und Diensten ab, die sich über kommunale Zuwendungen tragen. Diese Projekte verfügen oft nur über eine dünne Finanzierungsdecke bei den Sachkosten, weshalb sich jede Preissteigerung unmittelbar auf die Leistungsfähigkeit des jeweiligen Angebotes auswirkt. Rücklagen sind so gut wie nie vorhanden.

Von finanziell weit größerem Umfang sind die möglichen Deckungslücken jedoch bei den Angeboten der Eingliederungshilfe. Als Kostenträger kündigte der Kommunale Sozialverband (KSV) bereits an, lediglich sechs Prozent eines eventuellen Sachkostenaufwuchses zu bezahlen. Alle darüberhinausgehenden Kosten bleiben somit an den Angeboten für Menschen mit Behinderungen hängen. Nun ist zu klären, inwieweit ein sächsischer Hilfsfonds dem KSV bei der Finanzierung der Mehrkosten in der Eingliederungshilfe unter die Arme greifen kann.

Unabhängig von den aktuell drohenden Finanzierungslücken wurde im Dialog Energiehilfe auch deutlich, dass energetische Sanierungen und nachhaltige Investitionen in sozialen Einrichtungen stärker als bisher gefördert werden müssen. Leitlinien zur technischen Ausstattung könnten dabei helfen, sich auf Black-Out-Szenarien vorzubereiten und sollten mit dem KSV als Bewilligungsbehörde diskutiert werden. Die Kalkulation und Verhandlung von Kostensätzen bleibt angesichts der Krisendynamik schwierig.

Bedarfe der sozialen Dienste und Einrichtungen konkret benennen

Wir bitten daher alle Mitgliedsorganisationen, mögliche Lücken in den aktuellen Entlastungspaketen, die sie konkret betreffen, an den Paritätischen Sachsen zu melden. Bitte sprechen Sie dazu die Kolleg*innen in den jeweiligen Fachreferaten oder Regionalgeschäftsstellen an.

Die Kontaktdaten aller Ansprechpersonen finden Sie hier.

Eine Übersicht der aktuellen Hilfsangebote und auf wen sie zutreffen, ist zum Download in der Fachinformation Dialog Energiehilfe – Was gibt es und wo sind Lücken? vom 5. Januar 2023 hinterlegt.

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news-8864 Tue, 31 Jan 2023 06:29:00 +0100 Weiterbildung: Ehrenamtliche vor Ort schulen https://parisax.de/aktuelles/aktuelles-artikelansicht/news/weiterbildung-ehrenamtliche-vor-ort-schulen-1/ In den letzten Jahren sind die Anforderungen an Ehrenamtliche stetig gestiegen. Dazu bietet die Ehrenamtsakademie Südwestsachsen ab sofort individuelle und kostenfreie Schulungen bei Ihnen vor Ort an. In den letzten Jahren sind die Anforderungen an Ehrenamtliche stetig gestiegen. Dazu bietet die Ehrenamtsakademie Südwestsachsen ab sofort individuelle und kostenfreie Schulungen bei Ihnen vor Ort an.

Erfreulicherweise gibt es sie noch immer: Ehrenamtliche, die sich einbringen und engagieren. Manchmal stoßen diese Menschen jedoch auch an ihre Grenzen. Da sind beispielsweise rechtliche Fragen, die ehrenamtliche Vorstandsmitglieder und Vereinsführungen zunehmend überfordern. Oder angespannte Situationen, in denen immer wieder Konflikte hervorbrechen, die Menschen dazu bringen, sich von ihrem Engagement abzuwenden. Und dann gibt es noch jene Personen, die mit vollem Herzblut dabei sind und sich währenddessen selbst aus dem Blick verlieren. Schlimmstenfalls brennen sie dann aus. Ganz sicher ließe sich diese Aufzählung noch ein gutes Stück fortsetzen, denn Ehrenamtliche sind mit zahlreichen Unwägnissen konfrontiert.

Gute Weiterbildungen können hier Abhilfe schaffen. Doch wann soll das unterzubekommen sein? Wohin müsste man dafür fahren? Und wie bekommt man alle Beteiligten unter einen Hut? Wer soll das alles organisieren? Diese Fragen schreckten schon so manch Engagierte oder Anleitende davon ab, Weiterbildungen anzugehen. Deshalb bietet die Ehrenamtsakademie Südwestsachsen ab sofort Inhouse-Schulungen für Vereine, Initiativen und Gruppen direkt bei Ihnen vor Ort an.

„Ehrenamtliche sind das Gold des zivilgesellschaftlichen Engagements. Dies zu bewahren und zu stärken, ist das Anliegen der Ehrenamtsakademie Südwestsachsen. Deshalb bieten wir über unser reguläres Weiterbildungsangebot hinaus nun auch individuelle Schulungen an und kommen dafür direkt zu den Ehrenamtlichen. Wir haben uns gedacht, wer sich engagiert, soll nicht auch noch Zeit für Anreisen und die Organisation seiner Fortbildung aufwenden“, sagt Benjamin Klose, Referent Weiterbildungsprojekte der parikom gGmbH, die die Ehrenamtsakademie federführend betreut.

Wenn Sie möchten, dass ein Workshop in Ihrem Verein stattfindet oder Sie sich ein Weiterbildungsthema vor Ort in Ihrer Einrichtung wünschen, sprechen Sie die Kolleg*innen der Ehrenamtsakademie Südwestsachsen an. „Sie wählen ein Thema und schlagen uns einen Ort sowie mögliche Termine vor,” erklärt der Referent. “Wir organisieren dann Ihre individuelle Weiterbildung, praxisnah und zugeschnitten auf Ihre Bedarfe. Unser Service umfasst die Auswahl geeigneter Dozent*innen sowie die Erstellung von Unterlagen für die Teilnehmenden, Seminarmaterialien und auf Wunsch auch Teilnahmebescheinigungen.“

Aktuell stark nachgefragte Themen sind zum Beispiel diverse Rechtskenntnisse sowie der Umgang mit Konfliktsituationen und Stress. Schlagen Sie gerne Ihre eigenen Themen vor oder lassen Sie sich vom laufenden Weiterbildungsangebot inspirieren.

Die Ehrenamtsakademie Südwestsachsen unterstützt Organisationen und Ehrenamtliche kostenfrei mit bedarfsorientierten Weiterbildungen in den Regionen Erzgebirgskreis, Vogtlandkreis sowie Zwickau und Chemnitz. Informationen und Bildungsangebote finden Sie hier.

Kontakt:

Benjamin Klose
Referent Weiterbildungsprojekte

Telefon: 0351/828 71 434
E-Mail: benjamin.klose(at)parikom.de

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news-8859 Wed, 25 Jan 2023 06:36:00 +0100 Gesund arbeiten: Psychische Gesundheit im Fokus https://parisax.de/aktuelles/aktuelles-artikelansicht/news/gesund-arbeiten-psychische-gesundheit-im-fokus/ Mittels klarer Strukturen möchte unser Mitglied Outlaw seine Mitarbeiter*innen bestmöglich in ihrer Gesundheit unterstützen. Ein Schwerpunkt liegt auf der Hilfe bei psychischen Belastungen. Ein Betriebliches Gesundheitsmanagement (BGM) zu entwickeln, ist nicht leicht. Besonders dann nicht, wenn es sich um das BGM für eine deutschlandweit agierende und dezentral aufgestellte Organisation wie die Outlaw gGmbH handelt. Doch mittels klarer Strukturen möchte Outlaw die Mitarbeiter*innen bestmöglich in ihrer Gesundheit unterstützen. Ein Schwerpunkt liegt auf der Hilfe bei psychischen Belastungen.

BGM etablieren – die Anfänge

Am Arbeitsplatz die Gesundheit zu erhalten, wird immer wichtiger.  Besonders in Zeiten des Fachkräftemangels und der daraus resultierenden Mehrbelastung für das vorhandene Personal sind Arbeitgeber gefordert, die Gesundheit der Mitarbeiter*innen gut zu unterstützen.

Vor etwas mehr als vier Jahren begann die Outlaw gGmbH, ein Gesundheitsmanagement zu entwickeln, das über die betrieblichen Pflichtaufgaben hinausgeht. Dies geschah durch eine Fachkraft, die den Aufbau dieses Bereiches verantwortete. In Zusammenarbeit mit der Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege (BGW) wurden innerbetrieblich Gesundheitsmanager*innen als Spezialist*innen für verschiedene Themen ausgebildet – beispielsweise zu Rückengesundheit, gesundem Führen, zum Aufbau eines präventiven Stressmanagements oder zur Hilfe nach Extremerlebnissen. Zusätzlich gab es punktuell zahlreiche Einzelangebote, beispielsweise Rückenschulungen, Arbeitsplatzoptimierungen oder Fitness- und Entspannungsangebote für die Teams.

Die Gesundheitsmanager*innen sollten als Multiplikator*innen fungieren und ihre Themen ins Unternehmen tragen. Was in der Theorie eine gute Idee war, stellte sich in der Praxis allerdings als schwierig heraus. Die Tätigkeit als Gesundheitsmanager*in war für die Beschäftigten als Zusatzaufgabe gedacht und konnte vielerorts aufgrund des Fachkräftemangels und unklarer Festlegung der Freistellungen nicht vollständig umgesetzt werden.

Die Grundlagen für ein Gesundheitsmanagement waren damit zwar geschaffen, aber es fehlte der rote Faden und es wurde klar: Wir brauchen mehr Struktur und eine feste Anbindung des BGM an ein Team.

In der Folge wurde das BGM dem Referat Personalentwicklung zugeordnet und die Aufgaben verteilen sich nun auf drei Mitarbeiterinnen. Die Arbeitsfelder Betriebliches Eingliederungsmanagement (BEM), Arbeitsschutz und Arbeitssicherheit sowie die psychische Gefährdungsbeurteilung wurden neu gestaltet und nach und nach entstanden übergreifende Angebote, die dem gesamten Kollegium zur Verfügung stehen. Ein Prozess, der bis heute andauert und fortlaufend Erweiterung findet. Auch einige der Gesundheitsmanager*innen sind daran beteiligt.

Corona-Pandemie als Stresstest für das BGM

Mit Ausbruch der Corona-Pandemie war das BGM mehr gefordert denn je – permanent gab es neue Vorgaben. Das Team musste in kürzester Zeit Informationen bündeln und weitergeben, die Beschaffung von Schutzausrüstung koordinieren und Arbeitsregelungen anpassen. Auch ein mobiles Impfangebot stellten die Kolleginnen durch eine Kooperation auf die Beine.

„Zum Glück haben wir das BGM bereits vor Corona gut auf den Weg gebracht“, berichtet Mandy Kanne, eine der drei Kolleginnen, die nun das Gesundheitsmanagement bei Outlaw betreuen. „Corona hat uns jeden Tag zu Krisenmanager*innen gemacht und wir haben viel dabei gelernt. Die IT-Abteilung hat in kürzester Zeit stabil funktionierende digitale Strukturen geschaffen - dadurch arbeiten wir nun viel interdisziplinärer als früher.“

Um den Mitarbeiter*innen in dieser besonderen Situation zu helfen, etablierten die drei Frauen viele digitale Angebote. Eine Beratungshotline bot sowohl Antworten auf allgemeine Fragen als auch Gespräche für jene, die Unterstützung bei der Bewältigung von Ängsten und Unsicherheiten benötigten. Bei virtuellen Sportangeboten und Kaffeerunden konnten die Kolleg*innen trotz physischer Isolation Gemeinschaft erleben. So rückte das Thema psychische Gesundheit auch durch diese Situation immer mehr in den Blick.

Schwerpunkt psychische Gesundheit

Nicht erst seit Corona legte Outlaw viel Wert auf Hilfe in herausfordernden Situationen des Arbeitsalltags. Deshalb befasst sich das BGM derzeit besonders mit dem Auf- und Ausbau von Präventionsangeboten für psychische Erkrankungen.

Die hauseigene Weiterbildungseinrichtung „akademie lernbar“ bietet im Rahmen der Führungskräftequalifikation als festen Bestandteil  „Gesunde Führung und Selbstführung“ an. Dazu gibt es für alle Mitarbeiter*innen Formate, die die seelische Widerstandsfähigkeit stärken sollen. Neu ist in diesem Rahmen das Resilienztraining. Mit einer erfahrenen Trainerin haben alle Interessierten die Möglichkeit, Strategien zu erarbeiten, die sie persönlich in ihrer Resilienz stärken und die ihnen helfen, unbeschadet und gestärkt aus Krisen hervorgehen zu können.

In Kooperation mit der Beratungs-Mediations-Coaching-Ambulanz des Masterstudiengangs Beratung Mediation Coaching (BMC) der Fachhochschule Münster können sich die Mitarbeiter*innen außerdem coachen und beraten lassen oder Supervisionen in Anspruch nehmen.

Psychologische Erstbetreuung

Besonders für jene, die im Bereich der Hilfen zur Erziehung arbeiten, gibt es seit neuestem auch ein Angebot, falls im Arbeitsalltag traumatisierende Situationen durchlebt wurden: „Betriebliche psychologische Erstbetreuer*innen stehen betroffenen Kolleg*innen, Führungskräften und Teams nach einem Extremereignis unterstützend und beratend zur Seite. So wird zusätzliche frühzeitige Hilfe und Stabilisierung gewährleistet, bis Fachleute aus Psychologie oder psychologischer Psychotherapie den Fall übernehmen können,“ erklärt Mandy Kanne. „Durch die frühe Intervention können wir bestenfalls psychische Belastungen minimieren und Erkrankungen vorbeugen, die sich nach Traumatisierungen entwickeln können, beispielsweise eine Anpassungsstörung, eine posttraumatische Belastungsstörung, Depressionen oder Suchterkrankungen. Der Mensch steht bei uns im Mittelpunkt und es ist uns ein großes Anliegen, gut für alle Mitarbeiter*innen zu sorgen. Das BGM hat hier mittlerweile verlässliche Strukturen geschaffen und wir arbeiten jeden Tag daran, noch besser zu werden.“


Psychische Belastungen treten in allen Bereichen der Sozialen Arbeit auf. Arbeitgeber sind gefordert, die Stressoren zu identifizieren und Mitarbeitende bei der Bewältigung zu begleiten. Sprechen Sie mit der Outlaw gGmbH über die Erfahrungen dort. Kontaktdaten unter: www.outlaw-ggmbh.de


Die Autorin: Cora Dudek ist bei der Outlaw gGmbh für Marketing und Kommunikation verantwortlich.

Der Artikel erschien zuerst in der Ausgabe September 2022 des Verbandsmagazins anspiel. mit dem Schwerpunktthema "Gesund arbeiten". Das Heft können Sie hier herunterladen.

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news-8897 Tue, 24 Jan 2023 17:20:22 +0100 Weiterbildung: Mit unserem virtuellen Espresso gestärkt durch den Führungsalltag https://parisax.de/aktuelles/aktuelles-artikelansicht/news/weiterbildung-mit-unserem-virtuellen-espresso-gestaerkt-durch-den-fuehrungsalltag/ Als Führungskraft gehören Stress, Zeitmangel und Termindruck oft zum Arbeitsalltag. Praxistipps, wie Sie damit umgehen und gesund den Arbeitsalltag meistern, bieten unsere neuen Espresso-Seminare, in denen wir Wissen kurzweilig und kompakt vermitteln. Als Führungskraft gehören Stress, Zeitmangel und Termindruck oft zum Arbeitsalltag. Praxistipps, wie Sie damit umgehen und gesund den Arbeitsalltag meistern, bieten unsere neuen Espresso-Seminare, in denen wir Wissen kurzweilig und kompakt vermitteln.

Hohe berufliche Anforderungen sind für Führungs- und Leitungskräfte in der Sozialen Arbeit die Normalität. Umso wichtiger ist es, mit diesen Anforderungen bewusst umzugehen und die innere Ruhe zu bewahren.

Aber wie gelingt mir das, Ruhe bewahren? Wenn sich die eigenen Aufgaben türmen, der Kalender aus allen Nähten platzt und schlimmstenfalls noch Mitarbeitende krankheitsbedingt ausfallen? Wer bewahrt da schon Ruhe? Das ist in der Tat nicht leicht. Ein notwendiges Maß an Resilienz hilft jedoch, mit Irritationen zumindest gelassener umzugehen, Unsicherheiten auszuhalten, optimistisch dem Unbekannten zu begegnen – und somit auf Dauer ruhiger zu bleiben. Die Dinge mit weniger Aufregung Stück für Stück anzugehen, und sich dabei selbst zu schonen. Anderfalls geht der Berufsalltag zu Lasten der eigenen Gesundheit. Doch das muss nicht sein.

Die Paritätischen Weiterbildungen laden zu unserem neuen Veranstaltungsformat ein: Die Miniatur-Variante eines Seminars – kurz und trotzdem intensiv - eben wie ein Espresso. Sechs Online-Einheiten, in denen Sie „Resilienz-Impulse“ für Ihren Führungsalltag erleben - zum Experimentieren, Entdecken, Reflektieren und kollegialen Austausch. Sie erhalten anwendbares Praxiswissen für sich selbst und zugleich für Ihr Führungshandeln. Damit gehen Sie gestärkt und gut gerüstet in den Alltag.

Die Espresso-Einheiten finden monatlich von Februar bis Juli 2023 statt. Die Module sind auch einzeln buchbar.

Modul 1 am 06.02.2023 | 13.00 - 15.00 Uhr:
Resilienz und Stress. Schutz- und Risikofaktoren.

Modul 2 am 02.03.2023 | 09.00 - 11.00 Uhr:
Der Motivkompass® Schutzfaktoren. 6 Schritte durch die Krise.

Modul 3 am 21.04.2023 | 09.00 - 11.00 Uhr:
Innere Antreiber. Emotionalen Spannungen im Beruf begegnen.

Modul 4 am 11.05.2023 | 09.00 - 11.00 Uhr:
Resilienz im Führungshandeln.

Modul 5 am 09.06.2023 | 13.00 - 15.00 Uhr:
Das Drama-Dreieck. Psychologische Spiele
durchschauen.

Modul 6 am 03.07.2023 | 13.00 - 15.00 Uhr:
Der Motivkompass®. Balance im Team.

Alle Informationen zu unserem Weiterbildungs-Espresso lesen Sie hier.


Sie Haben Fragen?

So erreichen Sie das Team Weiterbildung:

Tel.: 0351 - 828 71 431
E-Mail weiterbildung(at)parisax.de

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news-8862 Mon, 23 Jan 2023 05:50:00 +0100 Gesund bleiben in Krisensituationen https://parisax.de/aktuelles/aktuelles-artikelansicht/news/gesund-bleiben-in-krisensituationen/ Krisen fordern Fach- und Führungskräfte besonders und stellen eine zusätzliche Belastung im beruflichen Alltag dar. Die Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege bietet seit gut zwei Jahren ein Krisen-Coaching für Führungskräfte an. Im Herbst 2022 ist der Strategietag Krisenbewältigung hinzugekommen. Krisen fordern Fach- und Führungskräfte besonders und stellen eine zusätzliche Belastung im beruflichen Alltag dar. Die Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege bietet seit gut zwei Jahren ein Krisen-Coaching für Führungskräfte an. Im Herbst 2022 ist der Strategietag Krisenbewältigung hinzugekommen.

Von Beginn an hat die Pandemie die Arbeitswelt auf den Kopf gestellt. Die Änderungen im Arbeitsumfeld und neue ungewohnte Arbeitsroutinen haben die Betriebe - Beschäftigte und Führungskräfte gleichermaßen - herausgefordert. Auch wenn sich im Verlauf der beiden letzten Jahre die Anforderungen gewandelt haben, sind die Belastungen nach wie vor spürbar und hoch.

Vor diesem Hintergrund hat die BGW ebenfalls seit Beginn der Pandemie das kostenfreie „Krisen-Coaching“ für ihre Mitgliedsbetriebe im Programm: Führungskräfte und Personen mit besonderer Verantwortung haben die Möglichkeit, schnell und unbürokratisch bis zu fünf kostenfreie Coaching-Einheiten per Telefon oder Video zu erhalten. Ziel ist es, die psychische Gesundheit zu stärken und somit auch in den notwendigen Veränderungsprozessen gesundheitsförderndes Führen zu ermöglichen.

Anfang dieses Jahres wurde das Krisen-Coaching um zusätzliche Themenaspekte erweitert: die Impfpflicht für Einrichtungen im Gesundheitswesen und die Bewältigung der daraus entstehenden zusätzlichen Aufgaben und Konflikte, aber auch Auseinandersetzungen in einzelnen Teams als Folge des Krieges in der Ukraine. Fragestellungen sind daher unter anderem: Wie kann ich Fragen und Konflikte im Team und/oder in der Organisation moderieren und klären? Wie kann ich professionell handeln, wenn es in meinem Team zu Streitigkeiten und Auseinandersetzungen kommt?

Für zukünftige Krisen gut aufgestellt sein – das ist das Ziel eines weiteren Angebots der BGW. Der „Strategietag Krisenbewältigung“ hilft Betrieben, zusammen mit Expert*innen eine umfassende Analyse des Vorgehens während der Krisenzeit vorzunehmen: Was ist gut gelungen, was nicht? Was lässt sich besser machen? Im Workshop werden dabei die Handlungsfelder Führung, Kommunikation, Beteiligung, Fehlerkultur, Betriebsklima, Sicherheit und Gesundheit im Einzelnen unter die Lupe genommen. Sie bilden die Basis für eine gute betriebliche Präventionskultur.

Wie war beispielsweise das praktizierte Führungshandeln? Was hat gefehlt hat und worauf sollte zukünftig geachtet werden? Wie hat die Art und Weise, Informationen weiterzugeben, funktioniert? Müssen Kommunikationsprozesse für zukünftige Krisenereignisse angepasst werden? Waren in der Krise Wertschätzung, Vertrauen, Respekt und Toleranz untereinander und miteinander möglich?

Der Strategietag kann beispielsweise in Krisen-Teams oder in Leitungsrunden durchgeführt werden. Die Teilnahme von verantwortlichen Führungskräften und – wenn vorhanden – der betrieblichen Interessenvertretung ist allerdings Voraussetzung.

Die BGW unterstützt Betriebe dabei, die Beschäftigten psychisch gesund zu halten, damit psychische Belastungen in der Mitarbeiterschaft nicht zu Erschöpfung, Burn-Out, körperlichen oder seelischen Erkrankungen führen. Alle Informationen dazu finden Sie unter: www.bgw-online.de/psyche


Die Autorin: Ulla Vogt ist Referentin für Produktberatung bei der Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege.

Der Artikel erschien zuerst in der Ausgabe September 2022 des Verbandsmagazins anspiel. mit dem Schwerpunktthema "Gesund arbeiten". Das Heft können Sie hier herunterladen.

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news-8858 Wed, 18 Jan 2023 06:14:00 +0100 Gesund arbeiten: Gut kommunizieren – Belastung reduzieren https://parisax.de/aktuelles/aktuelles-artikelansicht/news/gesund-arbeiten-gut-kommunizieren-belastung-reduzieren/ Das Sprach-, Bildungs- und Beratungszentrum e.V. aus Zwickau setzt auf klare Kommunikationsstrukturen, Transparenz und ein starkes Leitungsteam, das die Beschäftigten gut begleitet und mehr führt als leitet. Die Erfahrung zeigt, dass Belastungen im Arbeitsalltag so schneller erkannt und reduziert werden können. Das Sprach-, Bildungs- und Beratungszentrum e.V. aus Zwickau setzt auf klare Kommunikationsstrukturen, Transparenz und ein starkes Leitungsteam, das die Beschäftigten gut begleitet und mehr führt als leitet. Die Erfahrung zeigt, dass Belastungen im Arbeitsalltag so schneller erkannt und reduziert werden können.

Die Arbeitsbelastung ist hoch und an manchen Tagen scheinen einem die Aufgaben über den Kopf zu wachsen. Den Beschäftigten des Sprach-, Bildungs- und Bildungszentrums e.V. (SBBZ) aus Zwickau geht es da nicht anders. Natürlich kann die Arbeit mit Kindern und Jugendlich fordernd sein - der Druck entsteht jedoch meist dann, wenn Personal ausfällt. Immer wieder war zu beobachten, dass Kolleg*innen in diesen Situationen in ein Spannungsfeld aus Zeitdruck und dem persönlichen Anspruch an die eigene Arbeit geraten. Ebenso fiel auf, dass Absprachen manchmal nicht so funktionierten, wie sie gedacht waren. Teilweise führte das dann zu Irritationen und Konflikten in der Belegschaft. In der Folge erhöhte sich der Stress für alle Beteiligten.

„Die fachlichen Anforderungen an die Arbeit in der Kinder- und Jugendhilfe sind hoch. Deshalb war es uns wichtig, jene Faktoren zu minimieren, die eine zusätzliche Belastung für unsere Mitarbeiter*innen darstellen. Hierbei setzen wir seit 2017 gezielt auf die mittlere Leitungsebene“, erklärt Doreen Gruhn, die seit 2013 Geschäftsführerin des SBBZ e.V. ist. Mit Hilfe des Programms Unternehmenswert Mensch bildete der Träger seine Leitungskräfte entsprechend fort.

Kommunikation als Schlüssel

Die zentrale Erkenntnis dieses Entwicklungsprozesses mutet auf den ersten Blick geradezu unspektakulär an: Es hängt alles an Kommunikation und Kommunikationsstrukturen. Dazu gehören beispielsweise eine transparente Vermittlung von Entscheidungen, das Einhalten klar definierter Kommunikationswege sowie die aktive Beteiligung der Beschäftigten. Was so einfach klingt, ist es in der Praxis oft nicht. Unklare Zuständigkeiten, missverständliche Absprachen, Unausgesprochenes oder Vorausgesetztes kann sich im beruflichen Alltag negativ auswirken. In der Folge sind Kommunikationswege und Strukturen meist ineffizient und kommen als unnötige Stressoren zusätzlich zur vorhandenen Arbeitsbelastung hinzu.

„Missverständnisse aufzulösen, sich in die Perspektive der Anderen hineinzuversetzen, deren Motivation zu erkennen und anzuerkennen, war im gesamten Prozess wichtig und gehört heute selbstverständlich zur Unternehmenskultur - ebenso wie das Erkennen und die Akzeptanz der Aufgabenfülle des Gegenübers. Das benötigt gerade am Anfang Zeit. Entwickelt sich dadurch ein gutes Verständnis füreinander und steht dies im Zusammenhang mit klaren Kommunikationsstrukturen, entsteht im Arbeitsalltag ein Gewinn, der Belastungsfaktoren für die Beschäftigten reduzieren kann“, schildert die Geschäftsführerin ihre Erfahrungen.

Zuhören und wirklich verstehen

Eine wichtige Funktion nimmt dabei das aktive Zuhören ein. Es fordert viel Konzentration und Selbstdisziplin, um zu hören, was gesagt wird, um Befindlichkeiten zu erspüren und auch zwischen den Zeilen Unausgesprochenes wahrzunehmen und anzusprechen. Ernsthaftigkeit, Neutralität und der respektvolle Umgang miteinander bilden dabei die Basis.

Nicht zuletzt geht es gerade bei Konflikten darum, deren wahren Ursprung zu ergründen, um konkrete Lösungen entwickeln zu können. Diesbezüglich unterstreicht Doreen Gruhn:  „Einen strukturell bedingten Konflikt muss man anders angehen als beispielsweise einen Sach- oder Interessenkonflikt. Auch die für eine Lösung zu beteiligenden Personen hängen stark von der Art des Konfliktes ab.“

Auf der anderen Seite steht das Vertrauen in die Kompetenzen und Zuständigkeiten der Beschäftigten. Die positiven Effekte dieses Vorgehens sind im SBBZ deutlich spürbar. Die Eigeninitiative der Leitungskräfte und ihrer Teams stieg merklich an. Viele Dinge, die früher einen hohen Abstimmungsbedarf hatten, können jetzt in der Regel durch die Teams selber geklärt werden. Für die Leitungskräfte und Teams ist der eigene Wirkungsrahmen besser erkennbar geworden. Sie handeln dabei immer im Wissen, dass die Geschäftsführung bei nicht zu klärenden Fragen hilft.

Zuständigkeiten und Kommunikation strukturieren

Für Fragen und Absprachen hat sich das SBBZ einen klaren Rahmen gegeben. So gibt es feste Sprechzeiten, zu denen sich die verschiedenen Teams und Leitungskolleg*innen austauschen und Fragen beantwortet werden. Bei diesen Treffen wird strikt darauf geachtet, dass Fragen konkret formuliert und adressiert werden. Zudem überlegen sich alle Beteiligten vorab, was in diesem Termin besondere Priorität besitzt und welche Themen eher zu einem späteren Zeitpunkt besprochen werden können. Werden Probleme sichtbar oder Unzufriedenheiten angesprochen, sind die Beschäftigten aufgefordert, dies mit mindestens drei Lösungsvorschlägen zu begleiten.

„Kritik kann und soll bei uns jederzeit geäußert werden. Das ist für mich als Geschäftsführerin essenziell, damit gute und vor allem tragfähige Entscheidungen getroffen werden können. Wo in einer Einrichtung der Schuh drückt, das wissen die Kolleg*innen vor Ort besser als ich. Ebenso wissen sie besser, wie eine mögliche Lösung aussehen könnte. Deshalb gehört es nun schon seit Jahren zu unserer Organisationskultur, dass Problemanzeigen immer mit Lösungsansätzen verbunden werden müssen, wenn sie vorgebracht werden. Einige Kolleg*innen haben sich damit zu Anfang etwas schwergetan. Mittlerweile können wir feststellen, dass alle sehr lösungsorientiert auf ihre beruflichen Herausforderungen blicken“, so Doreen Gruhns Fazit dazu.

Lösungsorientierten Blick einnehmen

Dank dieses Ansatzes haben alle außerdem ein besseres Gefühl dafür entwickelt, welche Fragen tatsächlich dringend sind und welche noch warten können. Damit sind auch die vielen kleinen Anfragen weggefallen, die sonst Arbeitsabläufe unterbrochen haben. Sie treten tatsächlich beinahe nur dann noch auf, wenn etwas wirklich nicht bis zu den regelmäßigen Sprechzeiten warten kann.

Insbesondere hinsichtlich der eingangs geschilderten Diskrepanz zwischen Zeitdruck und Selbstanspruch sorgt das bereits für Entlastung. Denn auch in diesem Punkt ist die Kommunikation unmissverständlich: Fragen müssen nicht sofort beantwortet werden. Es sei denn, es besteht Gefahr für Leib und Leben oder eine existenzielle Schädigung des Vereins ist zu befürchten. Das ist in der Praxis zum Glück kaum der Fall, was wiederum den Druck auf die Beschäftigten verringert.

Rahmen schaffen und Spielräume bieten

Doreen Gruhn denkt, dass die getroffenen Maßnahmen das Wohlbefinden und die Motivation der rund 50 Mitarbeiter*innen des SBBZ e.V. positiv beeinflussen. Die Rückmeldungen aus den Teams bestätigen dies: „Ein klarer Handlungsrahmen, die lösungsorientierte Sichtweise, die transparente und strukturierte Kommunikation sowie eine gute Fehlerkultur haben sich bei uns bewährt. Die Last verringert sich so. Wir haben natürlich Personalabgänge wie andere Arbeitgeber auch. Aber mehr als einmal erlebten wir dagegen, dass Leute wieder zu uns zurückkamen, weil wir eben diese Rahmenbedingungen bieten.“

Ein unvoreingenommener Blick auf die eigenen Strukturen kann Spielräume eröffnen, die vorher nicht wahrgenommen wurden. Vermeintlich eingespielte Abläufe sollten immer wieder auf den Prüfstand. Das SBBZ hat so vorhandene Stressoren reduziert.

Lernen Sie unser Mitglied Sprach-, Bildungs- und Beratungszentrum e.V. kennen: www.sbbz.de


Der Artikel erschien zuerst in der Ausgabe September 2022 des Verbandsmagazins anspiel. mit dem Schwerpunktthema "Gesund arbeiten". Das Heft können Sie hier herunterladen.

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news-8857 Wed, 11 Jan 2023 14:38:23 +0100 Kindertagespflege: Gesund sein, gesund bleiben https://parisax.de/aktuelles/aktuelles-artikelansicht/news/kindertagespflege-gesund-sein-gesund-bleiben/ Die Arbeitswoche einer Kindertagespflegeperson kann bis zu 60 Wochenarbeitsstunden umfassen. Hinzu kommt die Verantwortung für die ihr anvertrauten Kinder. Und doch haben Tageseltern gesunde Wege durch den Berufsalltag gefunden. Die Arbeitswoche einer Kindertagespflegeperson kann bis zu 60 Wochenarbeitsstunden umfassen. Hinzu kommt die Verantwortung für die ihr anvertrauten Kinder. Und doch haben Tageseltern gesunde Wege durch den Berufsalltag gefunden.

Tagesmütter und Tagesväter haben sich für eine anspruchsvolle Tätigkeit entschieden. Das wird auch in der Studie „Profis in der Kindertagespflege“ der Informations- und Koordinierungsstelle Kindertagespflege in Sachsen (IKS) deutlich, die den beruflichen Alltag von Tageseltern näher beleuchtet. So versorgen Kindertagespflegepersonen in der Regel fünf Kleinstkinder im Alter zwischen null und drei Jahren – allein und meist über neun bis zehn Stunden täglich. Das heißt: Bedürfnisse erkennen und auf diese eingehen, Windeln wechseln, Trösten, Begleiten, Unterstützen und das alles gleich fünffach. Hinzu kommen die Zeit für vor- und nachbereitende Tätigkeiten der pädagogischen Arbeit und die organisatorischen Anforderungen für den Betrieb der Kindertagespflegestelle. Nicht selten kommen so 50 bis 60 Wochenarbeitsstunden zusammen. Im Falle von Erkrankung und der zeitweisen Schließung des Angebotes fällt die sich anschließende Erholungsphase häufig sehr kurz aus, denn das hohe Arbeitspensum ist stets kombiniert mit den Herausforderungen einer Selbständigkeit.

Belastung im Alltag erkennen

Und dennoch üben Tageseltern in Sachsen ihre Tätigkeit über Jahre, sogar über Jahrzehnte aus - zum Teil ohne in dieser Zeit ernsthaft zu erkranken. Wie es Kindertagespflegepersonen demnach gelingt, motiviert, zufrieden und gesund zu bleiben, interessierte das Team der IKS sehr. Deshalb befragte es sächsische Tageseltern nach dem gesundheitlichen Risiko ihrer Arbeit und welche Schutzfaktoren sie für sich persönlich nutzen. 

Als größtes Risiko benannten die Befragten die körperliche Beanspruchung im Alltag: das Heben und Tragen kleiner Kinder, das Bücken und Knien bei gemeinsamen Aktivitäten. All das wirkt sich auf den Körper aus. Viele der befragten Personen treiben daher Sport, bewegen sich, nutzen Yoga und Massagen zur Entspannung, machen Gymnastik, waldbaden oder tanzen. Zum Teil geschieht das auch gemeinsam mit den betreuten Kindern. Gleichzeitig gaben die Teilnehmenden an, bereits bei der Gestaltung der Kindertagespflegestelle auf gesundheitsschonende Maßnahmen zu achten. So kann beispielsweise durch Türen an den Kinderbetten vermieden werden, dass Kinder aus diesen herausgehoben werden müssen.

Erkrankung als persönliches Risiko

Selbst zu erkranken, wurde aus zweierlei Sicht als Risiko beschrieben. Einerseits auf Grund der jeweiligen Erkrankung selbst. Andererseits aber auch wegen des psychischen Drucks, da die eigene Erkrankung meist mit der zeitweisen Schließung der Pflegestelle und einem Verdienstausfall sowie der fehlenden Betreuung für die Kinder einher geht, falls Vertretungslösungen fehlen. 

Zudem geraten Tageseltern in ein Dilemma, wenn kranke Kinder in die Betreuung gegeben werden. Diese bergen ein Ansteckungsrisiko für die Betreuungsperson selbst und es kann zu Konflikten mit den Eltern führen. Hierbei setzen die Befragten auf gute Kommunikation und sind um wertschätzende Elterngespräche bemüht. Das hilft, Konflikten vorzubeugen, sowie Erwartungshaltungen abzuklären und diese transparent zu machen. Offene und klare Kommunikation hilft an dieser Stelle allen Beteiligten: Kindern, Eltern und der Tagespflegeperson selbst.

Einsamkeit im beruflichen Alltag begegnen

Tageseltern sind in der Regel allein tätig. Nach Einschätzung der befragten Tageseltern kann sich dies zu einer Belastung entwickeln, wenn der Austausch im Alltag fehlt und die alleinige Verantwortung für das Wohl der Kinder als zu groß empfunden wird. Zum Ausgleich nutzen Tageseltern die gute Vernetzung vor Ort, um beispielsweise gemeinsame Ausflüge zu unternehmen und sich dabei persönlich und fachlich auszutauschen. Auch die sogenannten Tür- und Angelgespräche mit Eltern oder kurze Gespräche mit Personen im Alltag schaffen ein Gegengewicht. Dies wirkt nicht nur der sonst eher isolierten Tätigkeit entgegen. Oft erhalten Tageseltern an diesen Stellen zudem positives und wertschätzendes Feedback.

Für den fachlichen Austausch werden Vernetzungs- und Stammtischtreffen sowie Telefonate mit anderen Kindertagespflegepersonen genutzt. Der Austausch, die gegenseitige Unterstützung und das kollegiale Miteinander unter den Tageseltern werden sehr geschätzt.

Interessant sind in diesem Zusammenhang auch die Ergebnisse anderer Studien, die feststellten, dass die Wertschätzung und Anerkennung durch die Familien und deren Kinder ebenfalls einem Gesundbrunnen gleichkommen. Dies kann ein wichtiger Faktor hinsichtlich der mentalen Gesundheit sein. Hinzu kommt das Sinnstiftende der täglichen Arbeit, was in einem hohen Maß dazu beiträgt, trotz der Anforderungen gesund zu bleiben.

Persönliche Ankerpunkte geben Kraft

Gleichzeitig verdeutlichte die IKS-Befragung den hohen Stellenwert ganz individueller Ankerpunkte, die als Ressourcen dienen und für die Gesundheit förderlich sind. Die eigene Familie, das soziale Umfeld oder auch den eigenen Freundeskreis benannten viele als wichtige Quellen, um Kraft zu tanken. Auch Hobbies und Religion wurden aufgeführt. Zudem spielte es für viele eine wichtige Rolle, wie dank einer achtsamen und entschleunigten Planung des Tagesablaufs mit den Kindern oder des bewussten Schaffens von Wohlfühloasen für sich selbst Druck aus dem Arbeitsalltag genommen werden kann. Schließlich wurden auch Aspekte wie Weiterbildungen, um sich selbst sicherer in der Arbeit zu fühlen, oder das Einbinden von Eltern und die Zusammenarbeit mit anderen Tageseltern und Kitas als hilfreich für die eigene Entlastung bewertet.

Neben den Anforderungen, die die Selbstständigkeit als Kindertagespflegeperson mit sich bringt, schätzen viele jedoch den Freiraum, in dem sie selbstwirksam und flexibel agieren können. So gab eine Kindertagespflegeperson an, dass sie in ihrer Tätigkeit alles umsetzen kann, was ihr wichtig ist: das individuelle Eingehen auf die Kinder, nachhaltige Ernährung bis hin zur Gestaltung des Tagesablaufs.

Entscheidend ist, welche Widerstandsressourcen einzelne Tageseltern für sich brauchen und finden. Wie es gelingt, diese in den Alltag zu integrieren bzw. gezielt Zeiten dafür zu finden oder festzulegen. Ein erster Schritt kann sein, einen festen Termin mit sich selbst, mit dem Hobby oder mit Menschen, die einem wichtig sind, zu vereinbaren. Eine befragte Kindertagespflegeperson stellte treffend fest: „Man wird selbst zufriedener, wenn man für sich sorgt“.

Impulse dafür, wie Tageseltern einen bewussten und achtsamen Alltag für sich und die von ihnen betreuten Kinder gestalten können, bieten die Weiterbildungen der Informations- und Koordinierungsstelle Kindertagespflege in Sachsen. Alle Informationen dazu unter: www.iks-sachsen.de


Die Autorin: Ulrike Czech ist Projektreferentin in der Informations- und Koordinierungsstelle Kindertagespflege in Sachsen.


Der Artikel erschien zuerst in der Ausgabe September 2022 des Verbandsmagazins anspiel. mit dem Schwerpunktthema "Gesund arbeiten". Das Heft können Sie hier herunterladen.

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news-8817 Wed, 04 Jan 2023 06:45:00 +0100 Kita: Konflikte willkommen! https://parisax.de/aktuelles/aktuelles-artikelansicht/news/kita-konflikte-willkommen/ Eine Kindergartengruppe, eine Schulklasse oder eine Hortgruppe, in der eine wahrhaft friedliche Atmosphäre herrscht – ein illusorischer Gedanke? Keinesfalls. Sabine Schneider plädiert für eine offene Streitkultur als Fundament für Frieden zwischen Kindern. Eine Kindergartengruppe, eine Schulklasse oder eine Hortgruppe, in der eine wahrhaft friedliche Atmosphäre herrscht – ein illusorischer Gedanke? Keinesfalls. Sabine Schneider plädiert für eine offene Streitkultur als Fundament für Frieden zwischen Kindern.

„Das war aber nicht nett. So etwas sagt man nicht. Das ist unartig. Komm sei lieb. Gib die Schaufel zurück. Sag Entschuldigung. Sei ein lieber Junge. Hauen tut man nicht. Das ist böse. Lass das. Entschuldige dich. Sei nicht so laut. Seid nicht so wild. Vertragt euch wieder. Ist doch halb so schlimm. Leise. Still. So ist‘s gut. Schluss jetzt.“ - Viele Male habe ich erlebt, wie Konflikten auf diese Weise begegnet wurde. Dieser übliche Umgang mit Kindern erzeugt letztendlich aber mehr Spannung und Unfrieden statt Entspannung und Frieden. Es mag zwar erstmal still zwischen den Kindern scheinen, ist der Konflikt aber für sie nicht wirklich geklärt, wird er konstant im Untergrund schwelen.

Verschleppte Konflikte

Seit vielen Jahren bin ich im Bereich der Familienarbeit sowie der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen aller Altersstufen tätig. So oft habe ich beobachtet, wie Kinder, die einen Konflikt nicht wirklich klären konnten, diesen im Laufe des Tages unbewusst oder sogar bewusst weitertragen. „Zufällig“ wird ein Bein gestellt, aus dem Nichts heraus gezwickt, provoziert oder ein Glas Wasser auf den Schoß geschüttet. Manchmal sucht sich das verärgerte Kind auch unbewusst ein anderes Kind (das ursprünglich nicht in den Streit involviert war), welches dann die unterdrückte Ladung abbekommt. In jedem Fall sucht sich die Energie des ungelösten Konflikts ein Ventil, was erneut Unfrieden in die Gruppe hineinbringt. Ich nenne dieses Phänomen „verschleppte Konflikte“.

Der Alltag einer Kindergartengruppe, Hortgruppe oder einer Klassengemeinschaft ist voll von diesen „verschleppten Konflikten“. Es ist ein Trugschluss, dass ein Streit verschwindet, wenn man von ihm ablenkt oder mit einer angeordneten, dahergesagten Entschuldigung beschwichtigt. Der Einfluss, den ungelöste Konflikte, unausgedrückte Gefühle und unterdrückte Worte auf einzelne Kinder und Jugendliche und auf das gesamte Gruppenklima haben, wird völlig unterschätzt. Auswirkungen sind unter anderem Spannungen, Hänseleien, Gestichel, Sprüche unter der Gürtellinie, Zickenkriege, Geläster und Mobbing.

Sich dem Konflikt zuwenden

Seit vielen Jahren erarbeite ich einen reformpädagogischen Ansatz, zu dem auch ein ganzheitlicher Umgang mit Konfliktsituationen gehört. Dieser wird in unserer Einrichtung „Erdenkinder“ in Dresden täglich praktisch umgesetzt. Im Folgenden ein Beispiel:

Alle Kinder stehen in der Garderobe. Fertig angezogen soll es losgehen in die Natur. Plötzlich ein kleiner Aufschrei, dann ein dumpfes Poltern. Weinen. Ein böser Blick. Streit zwischen zwei Kindern. Was nun?

Die Erzieherin setzt sich auf den Boden. Sie gibt den Ausflug innerlich (erst einmal) auf. Flexibilität ist gefordert. Umgehend muss zunächst eine Zone frei von Zeitdruck geschaffen werden. Alle Kinder lassen sich also ebenfalls auf dem Boden nieder. Die beiden Kinder, die sich streiten, erhalten volle Aufmerksamkeit und Begleitung, ihren Konflikt zu klären. Beide dürfen und sollen sich dem Gegenüber ausdrücken. Hierbei erhalten sie Ermutigung und Unterstützung von der Erzieherin, zum Teil auch von den anderen Kindern. Der Streit wird von hinten her aufgerollt. Stück für Stück positionieren sich beide, zum Teil mit starken Gefühlsausdrücken, dem Einfordern von wahren Worten und von Blickkontakt. Es geht um echten Kontakt zwischen den beiden streitenden Kindern. Es geht um Begegnung. Dieser Prozess braucht Zeit und Geduld. Ein tiefes Einlassen, ein echtes Interesse von Seiten der Erzieherin, ein Ernstnehmen der Kinder und ihrer Empfindungen. Gleichzeitig eine wache Intuition, um die Gesamtsituation zu erfassen. Jedes Verhalten eines Kindes hat eine Ursache. Es geht darum, diese urteilsfrei zu ergründen. Jedes wahrhaftig ausgesprochene Wort führt zu einem tieferen Verständnis. Wenn sich beide Kinder in ihrem Verhalten erklärt und gegenseitig verstanden haben, kehrt Ruhe ein. Manchmal braucht es noch ein „Es tut mir leid“, manchmal nicht. Ein Kind sollte sich nur dann entschuldigen, wenn es dies auch wirklich so meint, ansonsten ist es eine leere Phrase. Wenn alles Wesentliche ausgedrückt ist, ist der Streit geklärt. Frieden stellt sich ein. Ein Frieden, den alle spüren können. Ist genügend Zeit geblieben, geht es in die Natur. Wenn nicht, wird sich neu orientiert und der Tagesfluss nimmt eine andere Richtung auf.

Ein solches Vorgehen setzt unmittelbar im Jetzt, am Leben an. Dabei ist wichtig, dass der Erwachsene eine begleitende, führende Rolle einnimmt, um die Kinder darin zu unterstützen, dass sie selbst den Konflikt austragen und sich in ihren Empfindungen ehrlich ausdrücken. Ein Konflikt, der auf diese Weise angegangen und geklärt wird, ist am Ende wirklich geklärt. Und dann ist auch wirklich alles gut. In unserem Kindergarten erleben wir dies täglich.

Wertvolles Lernfeld für alle

Bei solchen Klärungsprozessen dabei zu sein, ist für Kinder sehr lehrreich - selbst wenn sie gar nicht unmittelbar beteiligt sind. Sie lernen über das Vorbild des anderen Kindes, dass es möglich ist, sich ehrlich zu zeigen und auszudrücken, und machen die Erfahrung, darin gehört, gesehen und angenommen zu werden. Sie lernen, sich innerhalb einer Gruppe zu positionieren und vor anderen Kindern und Erwachsenen zu sich selbst, ihren Gefühlen und ihrer eigenen Meinung zu stehen. Sie machen die Erfahrung, dass sich ein Erwachsener wirklich für sie interessiert und sie in ihrem Anliegen und ihren Empfindungen ernst nimmt und wertschätzt. All dies befördert den inneren Wert und das Vertrauen in sich selbst. Genauso wie auch die Empathiefähigkeit, das Mitgefühl sowie die Fähigkeit, sich tiefer einlassen und zuhören zu können.

Wenn Kinder einer Gruppe darauf vertrauen können, dass ihre Konflikte ausgetragen werden dürfen und sie gegebenenfalls ernsthafte, faire Unterstützung durch den Erwachsenen erhalten, trägt dies sehr zu einem offenen, ehrlichen Miteinander bei. Davon profitieren nicht nur die Kinder, sondern auch die Erzieher*innen, die Pädagog*innen und die Lehrer*innen. Die gesamte Atmosphäre innerhalb der Gruppe wird leichter, transparenter, lebendiger und wahrhaftiger. Ein Gruppenklima, das sich lohnt!


Die Autorin: Sabine Schneider ist Vorstand im Erdenkinder Dresden e.V. der in der sächsischen Landeshauptstad einen Kindergarten und eine Kinderkrippe betreibt. Ansatz des Vereins ist es, Kindern eine ganzheitliche Begleitung und Förderung zu ermöglichen sowie die Emerald Pädagogik theoretisch und praktisch weiterzuentwickeln.

Infos zum Verein gibt es auf: www.erdenkinder-dresden.de


Der Artikel erschien zuerst in der März-Ausgabe 2022 unseres Verbandsmagagzins anspiel.

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news-8816 Thu, 29 Dec 2022 06:19:00 +0100 Erziehungshilfe mal anders: Zum Döneressen nach Berlin https://parisax.de/aktuelles/aktuelles-artikelansicht/news/erziehungshilfe-mal-anders-zum-doeneressen-nach-berlin/ Im Sommer 2021 fuhr Sebastian Weidner, Sozialpädagoge beim KINDERLAND Sachsen e.V., mit vier Jugendlichen in sechs Tagen mit dem Rad rund fünfhundert Kilometer nach Berlin, um gemeinsam einen echten Döner zu essen. Er berichtet von diesem Ansatz der Erziehungshilfe. Im Sommer 2021 fuhr Sebastian Weidner, Sozialpädagoge beim KINDERLAND Sachsen e.V., mit vier Jugendlichen in sechs Tagen mit dem Rad rund fünfhundert Kilometer nach Berlin, um gemeinsam einen echten Döner zu essen. Er berichtet von diesem Ansatz der Erziehungshilfe.

Sebastian bremst vorsichtig. Sein Fahrrad kommt langsam und schwankend zum Stehen. Er ist blass im Gesicht, schluchzt kurzatmig und leise in die Runde: „Ich kann nicht mehr, ich breche ab.“ Ein paar Tränen rollen über seine Wangen, sein Blick geht ins Leere. Die anderen schauen ihn fassungslos und auch etwas mitleidig an. Stille.

Es ist der Vormittag des ersten Sonntags der Sommerferien 2021. Wir haben noch keine dreißig der fünfhundert geplanten Kilometer hinter uns. Neben Sebastian steht Fabian. Ihm war schon während des ersten Lockdowns die Decke auf den Kopf gefallen. Jede Motivation fehlte, den Berg an angestauten Schulaufgaben zu erklimmen. Stattdessen schlich er sich heimlich raus. Streunte auf der Suche nach Gleichgesinnten im verwaisten Wohngebiet herum. Daneben der zwölfjährige Louis, der morgens und abends einen Tablettencocktail zu sich nimmt, um für die Erwachsenen erträglich zu sein. Louis hat eine beeindruckende körperliche Ausdauer gepaart mit einer ganz eigenwilligen Kreativität.

Gemeinsam machbare Pläne schmieden und Unterstützung suchen

Je nachdem, wie es Pandemie zuließ, trafen wir uns seit März 2021 einmal in der Woche, um miteinander Rad zu fahren, zu schrauben, zu reden, zu planen, zu lachen und zu träumen. Dabei hatte auch jemand die Idee geäußert, man könne ja mal einen Döner in Berlin essen gehen. Daraus wurde dann schlussendlich der Plan dieser Radtour bis in die Hauptstadt. Natürlich mit Fahrt durch das Brandenburger Tor und Fernsehturm anschauen. Eine Ferienwoche mit einem Ziel. Und einfach mal weg sein. Unter freiem Himmel wollten wir übernachten, uns selbst versorgen und alles benötigte mit den Rädern transportieren.

Die Lindlau Handelsgesellschaft mbH aus Pirna, Großhändler für Fahrradteile, stattete die Jugendlichen mit Bekleidung, Reifen, Sicherheitsausrüstung und Werkzeug aus und schickte gleich noch einen engagierten Mitarbeiter mit. Die Stiftung CHILDREN finanzierte für die Jugendlichen zwei neue Fahrräder.

Und nun sollte unser Traum nach nur achtundzwanzig Kilometern ausgeträumt sein? Ja, ich wußte, dass Sebastian eine fortgeschrittene Skoliose hat, im Alltag kein Fahrrad fährt und immer sein Asthmaspray dabei hat. Er hatte zwar immer wieder mal Interesse an dem Ausflug geäußert, sich aber erst zehn Tage vor dem Start entschieden, mitzufahren.

Wir Sozialpädagog*innen des MeiLe-Kooperationsprojektes übernehmen Aufgaben für das Kreisjugendamt Meißen und sind unter anderem auf ambulante Erziehungsberatung spezialisiert. Wir alle haben die Möglichkeit, für und mit Klient*innen eigene Projekte zu realisieren. Bei dieser Aktion habe ich ambulante Erziehungsberatung eben etwas sehr wörtlich übersetzt. Ich verstehe mich aber auch weniger als Helfer, sondern vielmehr als Begleiter und Förderer.

Ideen entwickeln und Stärken stärken

In der Beratung mit Klient*innen setze ich überwiegend Konzepte der Transaktionsanalyse ein. Bei der Arbeit mit deren Kindern verbinde ich diese häufig mit erlebnispädagogischen Ansätzen. Durch diese Verknüpfung möchte ich unkomplizierte Zugänge ermöglichen und gleichzeitig alltagstaugliche, verständliche Konzepte zur eigenen Problembewältigung anbieten. Dabei bin ich sehr vorsichtig, was Lösungsvorschläge angeht. Das ist so ähnlich, als ob mich jemand nach einem Rezept für Hefeteig fragt. Ich kann dieses Rezept drei verschiedenen Menschen an drei unterschiedlichen Orten geben und es wird bei allen etwas anderes herauskommen. Hefe ist etwas Lebendiges. Sie reagiert empfindlich auf Temperatur und darauf, welches Mehl ihr für den Stoffwechsel zur Verfügung steht. Je nachdem, welche Voraussetzungen gegeben sind und wie ich den Teig führe, wird dann das Ergebnis.

Übersetzt in die Arbeit mit jungen Menschen heißt das, dass ich sie zusammenbringe und versuche, gleichzeitig einen offenen Raum zum Erzählen und Phantasieren zu schaffen. Kann man im Winter im Zelt schlafen? Woher kommt der Döner? Kann ich bei Mondschein ohne Licht Fahrrad fahren? Was ist Fleisch? Die Fragen nehme ich situativ auf und wir schauen, wie wir Antworten finden können. Wichtig ist mir dabei, dass die jungen Menschen die Ideen auch selbst umsetzen können. Sprich: Die Aktionen müssen nicht nur finanziell machbar, sondern auch ohne Erwachsene realisierbar sein. In diesem Fall hat sich das Fahrrad perfekt angeboten. Und wer vollbepackt fünfhundert Kilometer mit dem Rad überwunden hat, kann damit auch den Weg in die Schule schaffen oder Freunde besuchen, die nicht gleich im nächsten Hauseingang wohnen. Ob ich nach diesen Aktionen als verlässlich und vertrauensvoll eingeschätzt werde, das entscheidet dann immer noch jede*r für sich selbst.

Einer fehlte übrigens noch unserer betrübten Runde. Martin. Er ist bisher von jeder Schule geflogen und ihm gelingt es nicht immer, ein angemessenes Verhältnis von Nähe und Distanz zu anderen herzustellen. Kevin ist vorausgefahren, kam jetzt angerast und zauberte mit seinem neuen Hinterreifen eine fette, staubende Bremsspur auf den Schotterweg: „Was is‘n bei Euch kaputt?“ Als er das Problem verstanden hatte, erwidert er völlig selbstverständlich: „Sebastian, wir sind zusammen losgefahren und kommen auch wieder gemeinsam daheeme an, okay?“ Mit dieser Ansage hat er ein Grundanliegen dieser Aktion treffend auf den Punkt gebracht. Danke, Martin. Es geht um die Zeit an sich, die wir miteinander verbringen, ausfüllen und gestalten. Wir befinden uns weder im sportlichen Wettkampf noch veranstalten wir einen Wettbewerb, wer der coolste Gangster der Truppe ist. Wir einigten uns also, dass Sebastian nur noch jeden zweiten Kilometer treten muss und den anderen abwechselnd von einem aus der Gruppe geschoben wird.

Wir erreichten das Ziel gemeinsam, haben einen Döner gegessen, sind durch das Brandenburger Tor gefahren und machten unter dem Fernsehturm eine Pause. Alle hatten schmerzende Knochen und die Mücken haben ganze Arbeit geleistet. Doch wir waren sehr zufrieden. Übrigens: Sebastian fährt seit Beginn des neuen Schuljahrs mit dem Rad zur Schule.


Der Autor: Sebastian Weidner ist Sozialpädagoge und arbeitet beim KINDERLAND Sachsen e.V. im Sozialprojekt MeiLe, in dem vier Jugendhilfeträger seit 2006 miteinander Angebote der ambulanten Kinder- und Jugendhilfe umsetzen.

Mehr dazu unter: www.kinderland-sachsen.de


Der Artikel erschien zuerst in der Ausgabe März 2022 unseres Verbandsmagagzins anspiel.

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news-8810 Wed, 21 Dec 2022 11:30:23 +0100 Gruß zum Jahresausklang: "Gerecht verteilt, schmeckt es allen." https://parisax.de/aktuelles/aktuelles-artikelansicht/news/gruss-zum-jahresausklang-gerecht-verteilt-schmeckt-es-allen/ Zum Jahresausklang wünscht der Paritätische Sachsen erholsame Feiertage und Kraft für das neue Jahr. Na, können Sie ihn auch riechen? Diesen unvergleichlichen Plätzchenduft, der in unsere Nasen steigt und uns sanft lächeln macht? Wenn da nur nicht die harte Realität wäre. Krieg in Europa. Verrückte Energiemärkte. Schärfer werdende Töne. Nicht selten ein „Ich zuerst.“ Und da ist ja auch noch dieses Virus. Wie wird das Jahr nun ausklingen? Ganz ehrlich: Wir wissen es nicht. Wir fahren alle auf Sicht.

Was wir Ihnen aber auf alle Fälle mitgeben können: Nie war Solidarität gefragter denn je – im Kleinen wie im Großen. Geht sie verloren, hilft auch der beste Rettungsschirm nicht mehr. Wenn die extremen Ränder berechtigte Sorgen für ihre Zwecke instrumentalisieren und Menschen gegeneinander auszuspielen versuchen, darf dies nicht unerwidert bleiben.

Was wir dem entgegensetzen können?
Unsere Menschlichkeit, unsere Werte, unser Verständnis von gegenseitiger Verantwortung. Man kann dies auch soziale Wärme nennen. Wenn die Angst vor einer kalten Wohnung viele schon im Voraus erzittern lässt, kann soziale Wärme etwas von jenem Frieden vermitteln, der von innen wärmt. Einen erheblichen Beitrag für diesen Frieden leisten gerade unsere Dienste und Angebote in Sachsen. Für jeden Menschen.

Wir wünschen Ihnen daher am Ende dieses wirren Jahres 2022 vor allem die Möglichkeit, für eine Weile abzuschalten und auch im Privaten aus Nähe Kraft und Frieden zu tanken.

Und genießen Sie bewusst ein paar Plätzchen, denn Essen hält bekanntlich Leib und Seele zusammen.

Es grüßen Sie sehr herzlich

Christian Kamprad (Landesvorsitzender)

Simone Zimmermann (kaufm. Landesgeschäftsführerin)

Michael Richter (Landesgeschäftsführer)

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news-8770 Thu, 15 Dec 2022 05:37:00 +0100 Regenbogenfamilien: Familie - immer noch anders? https://parisax.de/aktuelles/aktuelles-artikelansicht/news/regenbogenfamilien-familie-immer-noch-anders/ Mama, Papa, Kind? Familie ist weit mehr als es uns tradierte Rollenbilder glauben machen wollen. Trotz vieler gesellschaftlicher und rechtlicher Veränderungen sehen sich Regenbogenfamilien noch immer Hürden gegenüber. Mama, Papa, Kind? Familie ist weit mehr als es uns tradierte Rollenbilder glauben machen wollen. Trotz vieler gesellschaftlicher und rechtlicher Veränderungen sehen sich Regenbogenfamilien noch immer Hürden gegenüber. Die Landesarbeitsgemeinschaft Queeres Netzwerk Sachsen macht darauf aufmerksam und setzt sich für Verbesserungen ein, berichtet Martin Wunderlich.

Tausende Kinder wachsen in Regenbogenfamilien auf, in denen sich mindestens eine Sorgeperson als lesbisch, schwul, bisexuell, trans, nichtbinär, inter und/oder queer (LSBTIQ*) verortet. Sie bilden jene Gruppe, die dem heteronormativen Vater-Mutter-Kind-Ideal wohl am offensichtlichsten entgegensteht. Dies fällt besonders auf, wenn es um die Frage nach der „richtigen“ Familie geht. Eine Antwort kann lauten: Familie ist, wo Kinder sind. Geltendes Recht und die gesellschaftliche Wahrnehmung hängen der gelebten Realität jedoch auch in Sachsen deutlich hinterher, was zu Ungleichheiten und Benachteiligungen führt.

Regenbogenfamilien stehen in der ständigen Beweispflicht, gute Eltern zu sein. Ihnen wird unter anderem vorgeworfen, sich gegen das Recht von Kindern auf Mutter und Vater zu stellen, die Kinder mit ihrer Lebensweise in Gefahr zu bringen, so dass diese eine höhere Anfälligkeit für Mobbing und Suizid hätten, sowie den Kindern letztlich ihre „Gender-Ideologie“ aufzudrücken.

Die Ergebnisse der ersten und bislang einzigen repräsentativen Studie zu Kindern in gleichgeschlechtlichen Partnerschaften in Deutschland sprechen jedoch eine andere Sprache. Die Befragung von gut 100 Kindern und Jugendlichen zeigt, dass die Persönlichkeitsentwicklung, der schulische und berufliche Werdegang sowie die Entfaltung der emotionalen und sozialen Kompetenzen bei Kindern in Regenbogenfamilien durchweg gut verlaufen. Anzeichen für verstärkte Depressionsneigung oder psychosomatische Beschwerden fehlen. Ganz im Gegenteil: Diese Kinder und Jugendlichen haben sogar ein paar Entwicklungsvorteile wie beispielsweise ein signifikant höheres Selbstwertgefühl als Gleichaltrige in allen anderen Familienformen.

Regenbogenfamilien in Sachsen benötigen passende Beratungsangebote. Es braucht in den Regelstrukturen dringend mehr Fachleute aus Sozialarbeit und Pädagogik, Psychologie, Medizin, Theologie etc., die gut über sexuelle und geschlechtliche Vielfalt informiert sind. Diese Querschnittsaufgabe sollte in die Ausbildung aufgenommen werden.

An sächsischen Schulen sollte die konstruktive Auseinandersetzung mit dem Thema gefördert werden, denn hier kann eine sachlich fundierte, vorurteilsfreie Information stattfinden. Außerdem sollten Regenbogenfamilien in Kinder- und Schulbüchern als gleichwertige Partnerschafts- und Familienkonstellationen dargestellt werden.

Gesamtgesellschaftlich muss die Akzeptanz von sexueller und geschlechtlicher Vielfalt und der damit verbundenen Lebensweisen vergrößert und bestehende Vorurteile und negative Klischeebilder müssen abgebaut werden. Größere Akzeptanz vereinfacht das Leben für Regenbogenfamilien. Sie führt zu mehr Selbstsicherheit und Selbstakzeptanz, wodurch auch das Familiensystem entlastet wird.

In sächsischen Regenbogenfamilien wachsen Kinder liebevoll und mit besten Entwicklungsmöglichkeiten auf. Dafür brauchen sie aber auch die volle Anerkennung und rechtliche Absicherung sowie als gesellschaftliche Realität den gleichen Respekt. Deshalb sind weitere Gesetzesänderungen – im Familienrecht und bei der Familiengründung – notwendig. Geplante Aktivitäten der Bundesregierung lassen auf wichtige Impulse hierfür hoffen.


Die Landesarbeitsgemeinschaft (LAG) Queeres Netzwerk Sachsen ist der Dachverband der sächsischen Organisationen und Vereine, die sich für die gleichberechtigte Teilhabe von Lesben, Schwulen, Bisexuellen, Transgender, trans- und intergeschlechtlichen sowie queeren Menschen (LSBTTIQ*) einsetzen.

Mehr Informationen auf: www.queeres-netzwerk-sachsen.de


Der Autor: Martin Wunderlich ist Fachreferent für öffentliche Kommunikation bei der LAG Queeres Netzwerk Sachsen.

Der Artikel erschien zuerst in der Ausgabe März 2022 des Verbandsmagazins anspiel.

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news-8769 Tue, 13 Dec 2022 16:04:16 +0100 Tarifbindung in Krisenzeiten?! https://parisax.de/aktuelles/aktuelles-artikelansicht/news/tarifbindung-in-krisenzeiten/ Während der Corona-Pandemie ist das Interesse an tariflichen Regelungen auch bei Arbeitgebern gestiegen. Allein beim Paritätischen Arbeitgeberverband PATT stieg die Zahl der Mitglieder in diesem Zeitraum um 25 Prozent. Personalbindung war dabei ein entscheidendes Motiv. Sandra Geyer gibt einen Einblick in diese Entwicklung. Während der Corona-Pandemie ist das Interesse an tariflichen Regelungen auch bei Arbeitgebern gestiegen. Allein beim Paritätischen Arbeitgeberverband PATT stieg die Zahl der Mitglieder in diesem Zeitraum um 25 Prozent. Personalbindung war dabei ein entscheidendes Motiv. Sandra Geyer gibt einen Einblick in diese Entwicklung.

Das Interesse an tariflichen Regelungen ist spürbar gestiegen. Interessant dabei ist, dass der Pflegebereich bei den Anfragen an uns aufgrund der aktuellen gesetzlichen Vorgaben zwar stark vertreten ist, aber nicht per se überwiegt. Insbesondere Komplexträger und Organisationen aus der Eingliederungshilfe sprechen uns an.

In zahlreichen Erstgesprächen, die mit den Geschäftsführungen und Vorständen interessierter Unternehmen zumeist digital stattfanden, stellte sich dar, was Corona in den Unternehmen auslöst. Wir haben über Management in Krisenzeiten und am Rande der Belastungsgrenze gesprochen. Gleichzeitig nahmen wir wahr, dass Krisen die Prozesse in Unternehmen beschleunigen können und beispielsweise das Thema Tarifbindung bei den Führungskräften und Betriebsräten fachbereichsübergreifend in den Blick rückt. Es geht dabei primär um Personalbindung, die in der Pandemie noch einmal an Bedeutung gewonnen hat. Die Einführung eines Tarifs kann hier von Vorteil sein, stellen die Unternehmen fest. Zwei Fragen dazu begegneten uns in den Gesprächen immer wieder:

Wie lange dauert die Einführung eines Tarifs in einem Unternehmen?

Wir haben darauf keine Standardantwort. Eine Tarifeinführung ist ein Organisationsentwicklungsprozess. Wenn sich ein Unternehmen dafür entscheidet, das Tarifwerk PATT einzuführen, dann entwickeln wir gemeinsam einen individuellen Arbeitsplan, der konkrete Meilensteine enthalten muss. Wir analysieren die bisherigen Rahmen- und Vergütungsbedingungen und stellen diese in einer sogenannten Synopse den Regelungen des PATT gegenüber. Weitere wichtige Schritte sind die Eingruppierung des Personals sowie die Einbindung des Betriebsrates und der Beschäftigten. Der gesamte Prozess wird bei uns immer von Jurist*innen begleitet. Die Unternehmen werden individuell beraten und informiert. Auf Merkblättern haben wir zudem die wichtigsten Aspekte praxistauglich zusammengefasst. Abhängig von der Größe des Unternehmens und von den aktuellen Bedingungen - wie unter anderem der Refinanzierung - kann die Tarifeinführung etwa in einem Zeitrahmen von sechs Monaten bis zu zwei Jahren erfolgen.

Was sind besondere Merkmale des Tarifwerkes PATT?

Mit nicht einmal sechzig Seiten ist es ein schmales, übersichtliches und flexibles Tarifwerk, das eigens für die Sozialwirtschaft entwickelt wurde und stetig weiterentwickelt wird. Es bietet den Unternehmen ausreichend Gestaltungsmöglichkeiten für eigene betriebsinterne Regelungen. Alle Beschäftigtengruppen im Unternehmen werden in einer Entgelttabelle erfasst, was Transparenz und Gleichberechtigung garantiert und so den Betriebsfrieden fördert. Der PATT ist stärker leistungs- als altersbezogen ausgerichtet. Für Unternehmen, die übergreifend in mehreren Bundesländern arbeiten, sichert die Gleichheit der Flächentarifverträge eine Gleichbehandlung der Beschäftigten.


Sie haben Fragen zur Tarifbindung oder möchten mehr über den PATT erfahren?

Sandra Geyer (Referentin beim PARITÄTischer Arbeitgeberverband PATT e. V.)

Mobil: 0173-7444874
E-Mail: sgeyer(at)arbeitgeberverband-patt.de

Web: www.arbeitgeberverband-patt.de


Die Autorin: Sandra Geyer ist Referentin beim PARITÄTischer Arbeitgeberverband PATT e. V. Ihre Schwerpunkte liegen in der Zusammenarbeit mit den Paritätischen Landesverbänden, der Refinanzierung von Tarifen sowie der Akquise.

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news-8733 Sat, 03 Dec 2022 06:49:00 +0100 Checkliste für inklusive Online-Veranstaltungen veröffentlicht https://parisax.de/aktuelles/aktuelles-artikelansicht/news/checkliste-fuer-inklusive-online-veranstaltungen-veroeffentlicht/ Pünktlich zum Internationalen Tag der Menschen mit Behinderungen veröffentlicht das Projekt #GleichImNetz des Paritätischen Gesamtverbandes eine interaktive Checkliste für inklusive Online-Veranstaltungen. Pünktlich zum Internationalen Tag der Menschen mit Behinderungen veröffentlicht das Projekt #GleichImNetz des Paritätischen Gesamtverbandes eine interaktive Checkliste für inklusive Online-Veranstaltungen.

Wie können Online-Veranstaltungen möglichst inklusiv gestaltet werden? Bei dieser Frage herrscht oft noch Unsicherheit. Die Barrieren liegen meist in technischen Details oder im Moderations-Know-How. Dabei bieten virtuelle Veranstaltungen Chancen für mehr Inklusion.

Deshalb erarbeitete eine Arbeitsgruppe Paritätischer Mitgliedsorganisationen eine Checkliste, die wichtige Tipps- und Hinweise enthält, wie mögliche Barrieren schon bei der Planung beseitigt oder umschifft werden können. Die Checkliste soll insbesondere Beschäftigte in der Sozialen Arbeit dabei helfen, inklusive Online-Veranstaltungen umzusetzen. Die Liste lässt sich nach diversen Kriterien filtern und enthält derzeit Tipps für Teilnehmende mit Seh-, Hör-, kommunikativen, kognitiven und psychischen Beeinträchtigungen.

Die Checkliste finden Sie hier: www.der-paritaetische.de/checkliste-online-veranstaltungen


Alle Angebote des Projektes #GleichImNetz finden Sie hier: www.der-paritaetische.de/themen/bereichsuebergreifende-themen/gleichimnetz/

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news-8695 Thu, 24 Nov 2022 10:28:00 +0100 Kommentar: Tariftreuepflicht in der Pflege oder ‚Wenn gute Ideen auf die Realität treffen‘ https://parisax.de/aktuelles/aktuelles-artikelansicht/news/kommentar-tariftreuepflicht-in-der-pflege-oder-wenn-gute-ideen-auf-die-realitaet-treffen/ Seit September gilt die sogenannte Tariftreuepflicht für Pflege- und Betreuungskräfte. Was gut klingt, scheint in der Praxis allerdings auf Hürden zu treffen, die so nicht erwartet wurden, stellt Andrea Wetzel in ihrem Kommentar fest. Seit September gilt die sogenannte Tariftreuepflicht für Pflege- und Betreuungskräfte. Was gut klingt, scheint in der Praxis allerdings auf Hürden zu treffen, die so nicht erwartet wurden, stellt Andrea Wetzel in ihrem Kommentar fest.

Nun ist sie da, die sogenannte Tariftreuepflicht für Pflege- und Betreuungskräfte. Seit September müssen sie mindestens in Höhe eines anerkannten Tarifvertrags oder des sogenannten regional üblichen Durchschnitts bezahlt werden. Trägern drohen harte Konsequenzen, wenn sie sich nicht daran halten.

„Endlich!“, möchte man meinen, da die Bezahlung im Pflegebereich oft kritisiert wurde. In vielen Einrichtungen und Diensten können sich die Beschäftigten also über mehr in der Lohntüte freuen. Nachdem die Vorbereitungen recht holprig waren und die genauen Bedingungen im laufenden Prozess noch nachjustiert wurden, sollte zum Start im September alles klar sein und alle sollten sich über diesen wichtigen Schritt freuen.

Doch die meisten, die mehr oder weniger direkt von dieser Tariftreue betroffen sind, freuen sich nicht so sehr. Warum?

Da ist zum Beispiel Lisa M. Als Betreuungskraft hatte sie vor der Tariftreue einen geringeren Stundenlohn als jetzt – dank steuerfreier Vergünstigungen und Gutscheine kam am Ende jedoch deutlich mehr Geld heraus als jetzt. Ist das dann wirklich eine Verbesserung?

Peter H. ist Pflegefachkraft - und ja: Er freut sich. Bei ihm stehen jetzt 20 Prozent mehr auf dem Gehaltszettel. Ist das die Möglichkeit, auf die er immer gewartet hat? Er überlegt sich, seine Arbeitszeit zu reduzieren, denn er leidet unter der Arbeitsbelastung. Nun könnte er sich bei selbem Gehalt einen freien Tag mehr in der Woche leisten. Sein Arbeitgeber freut sich darüber aber nicht, da die Personaldecke ohnehin schon zu dünn ist.

Und Pflegedienstleiterin Julia K. hat jetzt noch mehr Probleme, den Dienstplan zu schreiben, da immer mehr Kolleg*innen es wie Peter H. halten und weniger Stunden arbeiten wollen. Für sie selbst ändert sich nichts - die Tariftreue erfasst sie nicht.

Auch die Hauswirtschafterin Susanne K. bleibt von der Tariftreuepflicht unberührt. Sie darf sich dennoch freuen, da sie durch die Erhöhung des Mindestlohns ab Oktober mehr Geld bekommt. Ihre Lohnsteigerung ist allerdings weitaus geringer als bei den Kolleg*innen, mit denen sie täglich im Wohnbereich zusammenarbeitet.

Einrichtungsleiter Christian B. versucht dagegen, den Bewohner*innen und ihren Angehörigen die Erhöhung ihrer Eigenanteile zu erklären. Warum mit Einführung der Tariftreuepflicht keine Anpassung der Leistungsbeträge der Pflegekassen erfolgt ist, versteht auch er nicht.

Geschäftsführerin Marianne D. wiederum muss ihrem Betriebsrat begründen, warum die Einführung eines Tarifs aktuell schwierig ist. Denn eine solche würde von den Kostenträgern nicht als ausreichend anerkannt werden, um die laufende Vereinbarung entsprechend anzupassen. Sie würde bis zur nächsten regulären Verhandlung auf den zusätzlichen Personalkosten sitzen bleiben. Gleichzeitig muss sie auch an die anderen Bereiche denken, denn der Tarif gilt dann auch für die Mitarbeiter*innen in der Kita und der Beratungsstelle und dort sieht die Refinanzierung nochmal anders aus. Eine gestaffelte Einführung des Tarifs innerhalb eines Unternehmens ist aber vom Gesetzgeber nicht vorgesehen.

Und um das Bild abzurunden: Als Vorständin eines kleinen Vereins prüft Stefanie S. gerade, ob sie ihren Pflegedienst abwickeln muss. Die vereinbarten Preissteigerungen haben kaum gereicht, die Gehaltserhöhungen abzudecken. Jetzt auch noch die gestiegenen Preise für Energie und Benzin zu bezahlen, ist schlechterdings nicht möglich. Die immer wieder in Aussicht gestellten finanziellen Erleichterungen kommen für ihren Pflegedienst zu spät.

Eins scheint demnach sicher zu sein: Bis es mangels Tariftreue zur Kündigung von Versorgungsverträgen kommt, sind die ersten Pflegedienste schon von sich aus vom Netz gegangen.

Insgesamt scheinen sich in der Tariftreue einige Pferdefüße versteckt zu haben, denen vorher niemand Beachtung geschenkt hat. Bedenkt man nun, dass die Richtlinien zum Nachweis der Tariftreue noch nicht einmal veröffentlicht worden sind, schwant nichts Gutes.

Zeit, zu handeln: Verbesserungen in der Pflege müssen ganzheitlich und über das Gehalt der Angestellten hinaus gedacht werden und mit einer Entlastung der Pflegebedürftigen einhergehen.

Das heißt, die Eigenanteile der Pflegebedürftigen müssen dringend begrenzt werden, damit sämtliche Kostenerhöhungen nicht zu deren Lasten gehen. Dann könnten auch die Kostenträger offener dafür sein, laufende Vereinbarung vor Ende der Laufzeit anzupassen. Und die heutigen Pflegekräfte wären sicher bereit, auf sofortiges Geld zu verzichten, wenn sie sicher sein könnten, dass sie etwaige eigene Pflegebedürftigkeit im Falle des Falles von ihrer Rente bezahlen können.

Vor allem muss sich aber die Arbeitssituation der Pflegekräfte verbessern – denn Geld allein motiviert eben nicht.

Und auch, wenn es eilt: Bitte alle Reformen wohldurchdacht und mit einem Zeithorizont, der es allen Beteiligten ermöglicht, ihren Anteil fristgerecht umzusetzen. Und der nicht nur die Träger unter Druck setzt.


Kontakt:

Andrea Wetzel (Referentin Entgelte)

Tel.: 0351 - 828 71 147
e-Mail: andrea.wetzel(at)parisax.de

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news-8538 Thu, 29 Sep 2022 06:00:00 +0200 Interview: „Die Begegnungen mit Menschen sind mir wichtig“ https://parisax.de/aktuelles/aktuelles-artikelansicht/news/interview-die-begegnungen-mit-menschen-sind-mir-wichtig/ Als Wohlfahrtsverband und Hilfsorganisation ist der Arbeiter-Samariter-Bund (ASB) sachsenweit mit einem Netz aus Orts-, Kreis- und Regionalverbänden aktiv. Seit Anfang Mai steht nun Stefan Mette an der Spitze des Landesverbandes. Wir sprachen mit ihm über seine Ziele, die Rolle des ASB und die Mitgliedschaft im Paritätischen Sachsen. Als Wohlfahrtsverband und Hilfsorganisation ist der Arbeiter-Samariter-Bund (ASB) sachsenweit mit einem Netz aus Orts-, Kreis- und Regionalverbänden aktiv. Seit Anfang Mai steht nun Stefan Mette an der Spitze des Landesverbandes. Wir sprachen mit ihm über seine Ziele, die Rolle des ASB und die Mitgliedschaft im Paritätischen Sachsen.

Herr Mette, Sie sind nun seit fast 30 Jahren in sozialen Bereichen tätig. Wie kam es dazu?

Stefan Mette: Ausgangspunkt waren meine ersten unmittelbaren Berührungspunkte im sozialen Bereich – das war auch beim ASB. Direkt nach der Wende leistete ich meinen Zivildienst beim ASB Chemnitz im Bereich Pflege und Fahrdienst ab. Daran schlossen sich diverse Ausbildungen im Rettungsdienst an: Ich arbeitete als Rettungssanitäter, wurde Rettungsassistent und schließlich Ausbilder. Diese vielen positiven Erfahrungen haben mich überzeugt, dauerhaft einen helfenden und sozialen Beruf ausüben zu wollen. Erst später habe ich mich dann für das Studium Pflegemanagement und Pflegewissenschaft entschieden. Nun schließt sich der Kreis: Ich bin wieder beim ASB.

Und seit dem 1. Mai 2022 Geschäftsführer des ASB-Landesverbandes. Was hat Sie an der neuen Position besonders gereizt?

Stefan Mette: Für mich ist es Herausforderung und Chance zugleich, die vielfältigen und verantwortungsvollen Themenfelder des Sozial- und Gesundheitswesens innerhalb des ASB in Sachsen geschäftsführend begleiten zu dürfen. Wichtig sind mir dabei insbesondere eine aktive Positionierung sowie die Einflussnahme des Verbandes auf aktuelle Grundsatzfragen unseres sozialen Engagements, beispielsweise auf die Erhaltung und Weiterentwicklung bestehender Versorgungsstrukturen des ASB in den Bereichen Kita, Pflege, Rettungsdienst und Soziale Arbeit. Am Herzen liegen mir auch die weitere Verbesserung attraktiver Arbeitsbedingungen für unsere Mitarbeitenden und die Unterstützung ehrenamtlicher Initiativen der rund 70.000 Mitglieder des ASB in Sachsen.

Was macht den ASB für Sie besonders?

Stefan Mette: Der ASB ist für mich eine Hilfsorganisation und ein Wohlfahrtsverband mit langjähriger sächsischer Verankerung und einer klaren Haltung. Ich erfahre hier einen sehr offenen und stetigen Umgang mit den Menschen. Flache Hierarchien ermöglichen eine zeitgemäße Unternehmenskultur. Die ist wichtig für unmittelbare und effektive Hilfsangebote.

Was war Ihnen in den ersten Monaten der neuen Position besonders wichtig?

Stefan Mette: Die Begegnungen mit den Menschen im und beim ASB sind mir wichtig - unabhängig davon, ob sie ehren- oder hauptamtlich arbeiten. Ich habe viele ASB-Gliederungen und Einrichtungen besucht, war beim Bundesverband und im Sommercamp unserer Arbeiter-Samariter-Jugend. Besonders das Kennenlernen der Menschen, die zum Aufbau und Erhalt sozialer Projekte innerhalb des ASB beitragen, hat mich sehr beeindruckt.

Beruflich waren Sie bisher hauptsächlich im Pflegebereich unterwegs. Worauf wollen Sie den thematischen Schwerpunkt Ihrer künftigen Arbeit legen?

Stefan Mette: Es gibt für mich nicht den einen Schwerpunkt. Mir ist es wichtig, gemeinsam mit dem Team der Landesgeschäftsstelle für die wesentlichen Frage- und Aufgabenstellungen unserer Regional-, Kreis und Ortsverbände, aber auch für übergeordnete Themen in Sachsen ansprechbar zu sein, sowie unsere Kommunikation und Zusammenarbeit zu fördern.

Welche Ideen haben Sie, um mehr Menschen fu?r ehrenamtliches Engagement beim ASB zu gewinnen?

Stefan Mette: Der ASB in Sachsen ist als gemeinnütziger Verein aus ehrenamtlichem Engagement heraus entstanden. Ehrenamt braucht Unterstützung – hier möchten wir professionell helfen, unter anderem durch Fachberatung, Equipment und Veröffentlichungen, damit die großartige freiwillige Hilfe tausender Sächsinnen und Sachsen präsent ist und anerkannt wird. Ich möchte, dass sich ein Ehrenamt für die Menschen auszahlt und das Motto des ASB „Wir helfen hier und jetzt“ wahrnehmbar und erlebbar ist. Das ist die beste Werbung für die Gewinnung von Ehrenamtlichen und neuen Mitglieder.

Waren oder sind Sie neben Ihrer hauptamtlichen Tätigkeit auch selbst in einem freiwilligen Rahmen engagiert?

Stefan Mette: Vor meinem Umzug nach Sachsen war ich wohnortnah als Mitglied der hiesigen Dorfgemeinschaft für meine Gemeinde tätig, aber zuvor auch als ehrenamtlicher Vorstand für einen Jugendhilfeverein. Im Frühjahr habe ich das Loyola Gymnasium, welches in Kooperation mit dem ASB als Schulprojekt im Kosovo entstanden ist, gemeinsam mit unserem Vorstandsvorsitzenden besucht und die dortige Arbeit des ASB unterstützt. Auch hier in Dresden sehe ich unglaublich viele Möglichkeiten, mich ehrenamtlich einzubringen.

Ein Blick in die Zukunft: Gibt es Themen oder Tätigkeitsfelder, die der ASB in Sachsen neu anpacken möchte?

Stefan Mette: Die Herausforderungen unserer Zeit brachten und bringen auch permanent neue Handlungsfelder hervor, denen wir uns als ASB Sachsen auf vielfältige Art und Weise stellen. Dazu gehören ohne Zweifel die Corona-Pandemie, die Auswirkungen des Ukraine-Krieges und die Folgen für viele Menschen auch bei uns. Wir sind gemeinsam mit allen anderen Hilfsorganisationen und mit unseren Kapazitäten und Erfahrungen in der Lage, benötigte Hilfsangebote zu entwickeln und unsere vorhandenen Kompetenzen einzusetzen.

Der ASB und seine Untergliederungen sind wichtige und aktive Mitglieder des Paritätischen Sachsen. Hatten Sie schon Berührung mit dem Spitzenverband und was ist Ihre Erwartung an die künftige Zusammenarbeit?

Stefan Mette: Die Zusammenarbeit innerhalb des Paritätischen ist essentiell für den ASB in Sachsen, um mittels Gremienarbeit zu diskutieren, aber auch die verbandseigenen Werte und Vorstellungen zu platzieren: in der Gesellschaft, gegenüber der Politik und den verantwortlichen Institutionen.

Zum Schluss: Was macht der ASB-Landeschef in seiner Freizeit?

Stefan Mette: In meiner Freizeit lese ich im Sommer gerne auf meiner Terrasse, erkunde das Dresdner Umland und freue mich auf zukünftige Konzertbesuche in Dresden.

Herzlichen Dank für das Gespräch und viel Erfolg für die bevorstehenden Aufgaben.


Das Interview führte Juliane Federowski. Es erschien zuerst in der September-Ausgabe 2022 unseres Verbandsmagazins anspiel.

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news-8533 Tue, 27 Sep 2022 06:00:00 +0200 Sächsischer Doppelhaushalt 2023/24: Ausfallzeiten in der frühkindlichen Bildung berücksichtigen https://parisax.de/aktuelles/aktuelles-artikelansicht/news/saechsischer-doppelhaushalt-202324-ausfallzeiten-in-der-fruehkindlichen-bildung-beruecksichtigen/ Aus Sicht der sächsischen Wohlfahrtsverbände müssen im Doppelhaushalt des Freistaates Sachsen für die Jahre 2023 und 2024 ausreichend Mittel eingeplant werden, um die Ausfallzeiten durch Krankheit, Urlaub und Weiterbildungen zu finanzieren. Aus Sicht der sächsischen Wohlfahrtsverbände müssen im Doppelhaushalt des Freistaates Sachsen für die Jahre 2023 und 2024 ausreichend Mittel eingeplant werden, um die Ausfallzeiten durch Krankheit, Urlaub und Weiterbildungen zu finanzieren.

Die Diskussion um den sächsischen Doppelhaushalt für die Jahre 2023 und 2024 ist im vollen Gange. Obwohl die vorliegenden Pläne der jeweiligen Ressorts bereits über dem finanziellen Rahmen der Vorjahre liegen, gibt es derzeit noch Lücken. Insbesondere mit Blick auf die frühkindliche Bildung sieht der Paritätische Sachsen gemeinsam mit den Verbänden der Liga der freien Wohlfahrtspflege dringenden Handlungsbedarf.

In einem gemeinsamen Papier weisen die Verbände darauf hin, dass die derzeit angesetzten Betreuungsschlüssel in Krippe, Kindergarten und Hort bestehende Fehlzeiten, die durch Urlaub, Weiterbildung oder Krankheit entstehen, nicht berücksichtigen. "In der Praxis führen diese Fehlzeiten dazu, dass eine Fachkraft in Vollzeitbeschäftigung durchschnittlich etwa zwei Monate pro Kalenderjahr nicht anwesend ist. Anders formuliert: Das Personal ist im Schnitt nur vier der fünf für die Personalschlüsselberechnung zu Grunde gelegten Werktage pro Woche in der Einrichtung tätig", so die Verbände. Daher sollten für die Finanzierung der Ausfahlzeiten ausreichende Mittel im sächsischen Doppelhaushalt eingeplant werden.

Weiter heißt es in dem Papier der Liga: "Der Freistaat hat in den vergangenen Jahren konsequent auf die Stärkung der frühkindlichen Bildung gesetzt. Diesen Weg muss er nun genauso entschieden weiterverfolgen, damit die Grundlagen für erfolgreichen Bildungsbiografien auch in Zukunft abgesichert sind. Die Berücksichtigung der Ausfallzeiten im frühkindlichen Bildungsbereich in Sachsens Doppelhaushalt für 2023/24 ist dafür ein elementarer Schritt."

Die Liga-Position "Fehlzeiten in der frühkindlichen Bildung berücksichtigen: Kinder fördern - Erzieher*innen entlasten" lesen Sie auf www.liga-sachsen.de

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news-8530 Thu, 22 Sep 2022 07:00:00 +0200 Interview: „Toll war die gute Zusammenarbeit zwischen Haupt- und Ehrenamt.“ https://parisax.de/aktuelles/aktuelles-artikelansicht/news/interview-toll-war-die-gute-zusammenarbeit-zwischen-haupt-und-ehrenamt/ Über 10 Jahre arbeitete Sabine Schwarz von der Volkssolidarität Plauen/ Oelsnitz e.V. im Landesvorstand des Paritätischen Sachsen mit. Nun geht sie in den Ruhestand. Wir sprachen mit ihr über die Vorstandsarbeit und ihren Blick auf die Zeit nach dem Berufsleben. Über 10 Jahre arbeitete Sabine Schwarz von der Volkssolidarität Plauen/ Oelsnitz e.V. im Landesvorstand des Paritätischen Sachsen mit. Nun geht sie in den Ruhestand. Wir sprachen mit ihr über die Vorstandsarbeit und ihren Blick auf die Zeit nach dem Berufsleben.

Frau Schwarz, was wird Ihnen aus der Vorstandsarbeit beim Paritätischen Sachsen besonders in Erinnerung bleiben?

Sabine Schwarz: Ich fand es sehr spannend, für die rund 500 teilweise ganz unterschiedlichen Organisationen der freien Wohlfahrtspflege im Paritätischen Sachsen nach passenden Lösungen zu suchen. Toll war die gute Zusammenarbeit zwischen Haupt- und Ehrenamt. Sie war stets ein durch Vertrauen, Toleranz und Wertschätzung geprägtes solidarisches Miteinander. Ein großes Dankeschön an alle Vorstandsmitglieder und vor allem auch die Mitarbeitenden im Paritätischen Sachsen für ihre fachlich fundierte und immer verlässliche Arbeit - gerade auch in schwierigen Zeiten, wie beispielsweise der Corona-Pandemie. Sie haben den Trägern Sicherheit gegeben.

Welche Themen waren Ihnen besonders wichtig und woran sollte der Verband auch in Zukunft festhalten?

Sabine Schwarz: Ausgehend von den Aufgaben in meinem eigenen Verein standen bei mir natürlich alle Fragen zu den Bereichen Pflege, Kindertagesstätten und ehrenamtliche Arbeit im Vordergrund. Hauptschwerpunkt waren die Rahmenbedingungen für jene Menschen, die im sozialen Bereich arbeiten. Ich bin mir sicher, dass die Mitgliedsverbände in Zukunft weiterhin große Unterstützung unter anderem bei der Gewinnung und Bindung von Mitarbeiter*innen, bei der Förderung der Gemeinnützigkeit und der noch besseren Anerkennung der ehrenamtlichen Arbeit benötigen.

Sie gehen nun in den Ruhestand. Worauf freuen Sie sich am meisten und was werden Sie vermissen?

Sabine Schwarz: Ich hoffe, ich kann mich jetzt ausgiebig und lange meinen für den neuen Lebensabschnitt geplanten Projekten widmen. Dazu gehören für mich in jedem Fall Reisen, Aktivitäten mit Familie, Freunden und Gleichgesinnten sowie die Unterstützung meiner Kinder und Enkelkinder. Zudem möchte ich etwas mehr Sport treiben und Italienisch lernen. Damit ich den Kontakt mit mir wichtigen Menschen nicht vermisse, werde ich auch weiterhin ehrenamtlich aktiv sein.

Frau Schwarz, wir danken Ihnen für das Gespräch und wünschen Ihnen alles Gute.


Das Interview führte Thomas Neuman, Referent für Verbandskommunikation.

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news-8531 Tue, 20 Sep 2022 06:06:00 +0200 Mitgliederbefragung 2022: Verband als Informationsvermittler https://parisax.de/aktuelles/aktuelles-artikelansicht/news/mitgliederbefragung-2022-verband-als-informationsvermittler/ Im Juni 2022 befragte der Paritätische Sachsen seine Mitgliedsorganisationen, um von ihnen ein Stimmungsbild zu erhalten und mögliche Verbesserungspotentiale auszuloten. Im Juni 2022 befragte der Paritätische Sachsen seine Mitgliedsorganisationen, um von ihnen ein Stimmungsbild zu erhalten und mögliche Verbesserungspotentiale auszuloten.

„Unsere Mitglieder haben jeder Zeit die Möglichkeit, uns per Telefon, via E-Mail oder in den verschiedenen Verbandsgremien anzusprechen und ihre Kritik zu äußern. Mit der Befragung wollten wir mehr darüber erfahren, wie die Mitglieder die drei großen Angebote des Verbandes – Fachinformationen, Beratungsangebote und Veranstaltungen – bewerten. Die Mitglieder bezahlen im Rahmen ihrer jeweiligen finanziellen Leistungsfähigkeit einen Mitgliedsbeitrag und dürfen dafür eine gute Qualität der verbandlichen Leistungen erwarten“, erklärt Michael Richter, Landesgeschäftsführer des Paritätischen Sachsen. Mit der Befragung möchte der Verband die Zufriedenheit in der Mitgliedschaft beleuchten und erkennen, wo es eventuell Stellschrauben gibt, um die Verbandsarbeit weiter zu verbessern.

Ansprache und Teilnehmende

Über die Mitgliederbefragung wurde in den verbandlichen Medien und auf den Regionalkonferenzen informiert. Zudem wurden alle Mitgliedsorganisationen noch zweimal per E-Mail und einmal postalisch eingeladen, sich zu beteiligen.

Die Teilnehmenden der Befragung verteilen sich über die Fachbereiche annähernd analog der tatsächlichen fachlichen Gewichtung innerhalb der Mitgliedschaft. Die regionale Verteilung der Teilnehmenden ist gleichmäßig. Aus Dresden und Leipzig haben etwas mehr Personen teilgenommen als aus den anderen Regionen. Rund 60% der Teilnehmenden kommen aus Mitgliedsorganisationen mit mehr als 50 hauptamtlich Beschäftigten und 48% gehören der Geschäftsleitung an.

Der Verband als Informationsvermittler

Ein Aspekt zieht sich durch alle Antworten der Befragung: Die größte Erwartung an den Verband liegt darin, Informationen zu vermitteln und Wissen bereitzustellen. Ein erwartbares Ergebnis, da dies eines der satzungsmäßigen Ziele des Landesverbandes ist. Erstaunlich ist hingegen, dass die Vernetzung und der Austausch untereinander bei allen Fachbereichen eher im Mittelfeld rangieren. Wobei die Frage im Raum steht, ob diese Möglichkeit in der Vergangenheit angesichts der vorhandenen Themenfülle lediglich nicht ausreichend genutzt wurde. Ebenso erstaunlich ist, dass die Interessenvertretung gegenüber Politik und Verwaltung zwar einen hohen Stellenwert besitzt, die Mitwirkung an der verbandlichen Willensbildung jedoch als eher nachrangig betrachtet wird. Ein Widerspruch, dem künftig mehr Aufmerksamkeit geschenkt werden muss.

„Unsere Fachreferate und Regionalgeschäftsstellen bündeln wichtiges Wissen und ordnen es fachlich ein. Das wird von vielen geschätzt und – wie die Befragung zeigt - scheint dies für die praktische Arbeit der meisten auch hilfreich zu sein. Das freut uns. Andererseits erkennen wir in den letzten Jahren den Trend, dass einige Mitglieder den Verband zunehmend als Dienstleister verstehen, der alle Informationen auf Abruf vorzuhalten hat, selbst wenn diese bereits an anderer Stelle öffentlich zugänglich sind. Als Spitzenverband geht es jedoch darum, Themen für die Mitglieder zielgerichtet und wirksam aufzubereiten, auf konkrete Probleme und Chancen hinzuweisen oder spezifische Hinweise für die praktische Umsetzung zu geben. Dieses Spannungsfeld zwischen Dienstleister und Spitzenverband sollte in den Fachgruppen diskutiert werden“, konstatiert der Landesgeschäftsführer.

Austausch zwischen dem Mitgliedern stärken

Beim Thema Informations- und Wissensvermittlung wird dem Austausch zwischen den Mitgliedern selbst künftig größere Beachtung zukommen müssen. Dies wird in den Antworten zu den verbandlichen Veranstaltungen deutlich. „Informationen zu aktuellen Themen“, „fachliche Impulse“ oder der „kollegiale Austausch mit anderen Mitgliedern“ werden als wichtig oder sehr wichtig für die Teilnahme an verbandlichen Veranstaltungen wie Fachbereichskonferenzen oder Fachgruppen sowie bei regionalen Formaten eingestuft. „Mit thematisch abgegrenzten Austauschrunden haben wir in den letzten Jahren gute Erfahrungen gemacht. In diesen wurde dem Dialog der Mitglieder untereinander nach einem kurzen fachlich-inhaltlichen Impuls mehr Raum gegeben. Dieser Ansatz, den Verband als Plattform von Ideen, Ansätzen und Erfahrungen zu verstehen, muss weiter gestärkt werden“, so Michael Richter zu diesem Punkt.

Auch die Frage nach verbandlicher Willensbildung und Lobbyarbeit für die Interessen der Mitglieder muss immer wieder kritisch aufs Tapet. Verbandliche Positionen können zwar in den Fachreferaten vorbereitet werden, gleichzeitig müssen diese jedoch von der Mitgliedschaft getragen und in ihrem Sinne formuliert sein. Die Beteiligungsformate zum gegenseitigen Austausch sind vorhanden und müssen aktiv genutzt werden.

Wichtigste Gründe für die Mitgliedschaft

Als wichtigste Gründe für die Mitgliedschaft im Paritätischen Sachsen wurden die fachlichen Informationen, die Interessenvertretung gegenüber Politik und Verwaltung sowie die gemeinsamen Werte - Offenheit, Vielfalt und Toleranz - benannt. „Dass die verbandlichen Werte eine so wichtige Rolle spielen, freut mich besonders“, kommentiert Michael Richter dieses Ergebnis und fügt an: „Die Werteorientierung und die Idee einer Solidargemeinschaft aus Trägern der Freien Wohlfahrtspflege sind unsere verbindenden Leitmotive. Das macht den Paritätischen aus.“

Fachinformationen werden positiv bewertet

Hinsichtlich der Fachinformationen war es aufschlussreich, zu erfahren, worauf die Mitglieder ihr Hauptaugenmerk legen. Rund 70% lesen die Fachinformationen, um Mitteilungen zu rechtlichen Vorgaben (Gesetze, Richtlinien etc.) zu erhalten, 52% wegen fachlicher Impulse und 51 % wegen exklusiver Informationen zu aktuellen Entwicklungen. Gut 92% bewerten die Fachinformationen als wichtig oder eher wichtig für ihre tägliche Arbeit. „Die Fachinformationen sind eines der zentralen Instrumente in der Kommunikation mit den Mitgliedern. Daher ist es erfreulich, dass dieses Angebot von den meisten genutzt und als positiv für die eigene Arbeit bewertet wird. Auf die inhaltliche Gewichtung werden wir noch einmal schauen. Auch darauf, wie die Inhalte der Fachinformationen mit anderen Angeboten wie etwa den Veranstaltungsformaten im Einklang stehen“, so der Landesgeschäftsführer.

Beratung

Mehr als 64% haben bereits Beratungen durch den Paritätischen Sachsen genutzt. Hauptgründe für eine Beratung sind Gesetze, Richtlinien etc. (39%), gefolgt von der Fachberatung zum jeweiligen Arbeitsfeld (35%) sowie zu Fördermitteln (27%) und Finanzthemen (23%). Mit den Beratungen sind mehr als 75% der Befragten zufrieden oder eher zufrieden. Hauptwege der Ansprache sind Telefon und E-Mail. Mehr als die Hälfte nimmt mindestens einmal im Monat Kontakt zum Verband auf.

Michael Richter dazu: „Die Mitglieder bei Fragen zu beraten oder auch bei Entwicklungsprozessen zu begleiten, ist uns ein wichtiges Anliegen. Mich freut, dass sich eine große Zahl an Mitgliedern hierbei gut betreut gefühlt hat, aber 75% reichen mir nicht aus. Wir werden prüfen, wo wir unsere Leistungen weiter verbessern können, aber gleichzeitig müssen wir mitunter sicher auch deutlicher formulieren, wie und wozu die Beratung durch den Verband erfolgen kann und ab wann diese den von der Mitgliedschaft erwarteten Rahmen übersteigt.“

Fazit

Die verbandlichen Leistungen scheinen den grundsätzlichen Erwartungen der Mitglieder zu entsprechen. Daraus lässt sich eine Grundzufriedenheit des Großteils der Mitgliedsorganisationen ableiten. Zugleich wird deutlich, dass sich die Erwartungshaltung erkennbar hin zu einem Dienstleistungsverständnis entwickelt, was einen Spitzenverband in der derzeitigen Form perspektivisch überfordern wird und auch nicht dem Ziel der Satzung entspricht. Dies wird im Dialog mit den Mitgliedern zu besprechen sein. Auf der anderen Seite müssen die verbandlichen Stärken wie das Bündeln von Wissen, die Förderung des fachlichen Austauschs zwischen den Mitgliedern und die Lobbyarbeit als Kernleistungen in den Mittelpunkt gestellt werden.


Sie möchten Näheres zur Befragung wissen? Sprechen Sie uns bitte an.

Thomas Neumann (Referent für Verbandskommunikation)

Tel.: 0351 - 828 71 122
E-Mail: thomas.neumann(at)parisax.de

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news-8523 Wed, 14 Sep 2022 16:51:08 +0200 Sprach-Kitas: Finanzierung fortsetzen! https://parisax.de/aktuelles/aktuelles-artikelansicht/news/sprach-kitas-finanzierung-fortsetzen/ Ende 2022 läuft die Bundesförderung für Sprach-Kitas aus. Sollte der Bund keine Anschlussfinanzierung auf die Beine stellen, sieht der Paritätische Sachsen den Freistaat in der Pflicht, die gezielte Sprachbildung in den sachsenweit 364 Sprach-Kitas fortzusetzen. Ende 2022 läuft die Bundesförderung für Sprach-Kitas aus. Sollte der Bund keine Anschlussfinanzierung auf die Beine stellen, sieht der Paritätische Sachsen den Freistaat in der Pflicht, die gezielte Sprachbildung in den sachsenweit 364 Sprach-Kitas fortzusetzen.

Rückschritt für die Qualität der frühkindlichen Bildung droht 

Seit 2016 ermöglicht die Bundesförderung, dass Kindertageseinrichtungen eine zusätzliche Fachkraft einstellen können, die sich insbesondere um die Sprachbildung der Kinder unter Einbeziehung der Eltern kümmert. So ist es möglich, Kinder mit Sprachschwierigkeiten oder aus Haushalten, in denen Deutsch nicht die Muttersprache ist, individuell zu unterstützen. Darüber hinaus geht es um Sprachbildung für jedes Kind und damit um qualitative Kommunikations- und Interaktionsprozesse, um Resilienzbildung und Persönlichkeitsentwicklung. Fener spielen Reflexion und Schulungen der Teams sowie die Begleitung bei der Eingewöhnung oder bei Konflikten eine wichtige Rolle.

„Der Wegfall der Sprach-Kitas ist in dreierlei Hinsicht fatal und insgesamt ein Rückschritt für die Qualität der frühkindlichen Bildung in Sachsen. Zunächst fällt die gezielte Förderung sprachlicher Kompetenzen im frühkindlichen Alter weg, einer Lebensphase, die prägend für die Entwicklung der Kinder ist. Zweitens wird es schwerer werden, die coronabedingten Bildungsnachteile auszugleichen und den in den letzten Monaten hinzugekommenen ukrainischen Kindern die deutsche Sprache näher zu bringen. Und schließlich ist es ein Schlag ins Kontor eines jeden Kita-Teams, das vor dem Hintergrund der ohnehin schon angespannten Personalsituation weiteres Personal einbüßt. Wenn auf Bundesebene keine Lösung gefunden wird, muss der Freistaat die Lücke unbedingt füllen, um diesen Rückschritt abzuwenden“, fordert Michael Richter.
 

Freistaat muss sich bekennen, wenn Lösung auf Bundesebene ausbleibt

Der Verband unterstützt die Aktivitäten der Wohlfahrtsverbände auf Bundesebene, die sich für eine Weiterführung des Sprach-Kita-Programms und dessen Finanzierung aus Bundesmitteln stark machen. Parallel dazu laufen aber auch Gespräche mit Vertreter*innen aus Politik und Verwaltung auf Landesebene. Hier lassen erste Äußerungen aus Kreisen der sächsischen Regierungsfraktionen erkennen, dass ein grundsätzliches Interesse an der Beibehaltung der Sprach-Kitas besteht. Der Freistaat muss sich demnach beim Bund stark machen und unter Umständen auch erwägen, eigene Gelder in die Hand zu nehmen.

Zudem braucht es ein klares Bekenntnis von Seiten des sächsischen Kultusministeriums, welche inhaltlichen Schwerpunkte es in der frühkindlichen Bildung mit den Bundesmitteln aus dem Qualitätsentwicklungsgesetz setzen möchte. Das wahrscheinlich im Frühjahr 2023 in Kraft tretende Gesetz sieht neben sechs weiteren Aspekten die Sprachförderung als einen Punkt vor, für den die Länder Geld vom Bund erhalten können.

Parallel zu den Entwicklungen auf Bundesebene hat der Paritätische den aktuellen Entwurf für den sächsischen Doppelhaushalt 2023/24 und die Umsetzung des Gute-Kita-Gesetz im Blick und wird sich für die Sprachförderung einsetzen.

Jetzt aktiv werden

Auf Bundesebene setzen sich die Wohlfahrtsverbände für den Erhalt der Bundesförderung für Sprach-Kitas ein. Die Debatte im Haushaltsausschuss am 19.10.2022 und die Haushaltsdebatte (22.11. - 25.11.2022) werden durch öffentliche Aktionen flankiert.

Auf der Seite des Deutschen Bundestags wurde zudem eine Petition zur Fortführung/ Verstetigung des Bundesprogramms "Sprach-Kitas: Weil Sprache der Schlüssel zur Welt ist“ gestartet. Diese kann noch bis zum 20. September 2022 mitgezeichnet werden. 

Die Petition finden Sie hier: https://epetitionen.bundestag.de/petitionen/_2022/_08/_01/Petition_137016.html

Aber auch die Einrichtungen selbst sollten in der jetzigen Phase ihre Möglichkeiten nutzen, um Aufmerksamkeit für das Thema zu generieren, ist Michael Richter überzeugt: „Einrichtungsvertreter*innen oder auch Eltern sollten auf die politischen Akteure in ihrem Wahlkreis zugehen und auf die Notwendigkeit des Angebotes aufmerksam machen. Einladungen in die Einrichtungen können das Anliegen durch einen Einblick in den Arbeitsalltag unterstützen.“

Unter folgendem Link finden Sie weitere Aktionsmöglichkeiten und können ganz einfach die Ansprechpartner*innen in Ihrem Wahlkreis finden: Mission - sprachkitas-retten.de.

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