Parisax Aktuelle Meldungen https://parisax.de/ Parisax Aktuelle Meldungen de Parisax Sat, 22 Jan 2022 21:53:27 +0100 Sat, 22 Jan 2022 21:53:27 +0100 TYPO3 news-7580 Wed, 12 Jan 2022 16:28:00 +0100 Interview: Sprach- und Kommunikationsbarrieren in der Sozialen Arbeit überwinden https://parisax.de/aktuelles/aktuelles-artikelansicht/news/interview-sprach-und-kommunikationsbarrieren-in-der-sozialen-arbeit-ueberwinden/ Gute Kommunikation ist eine wesentliche Grundlage unseres Zusammenlebens. Doch miteinander zu reden, heißt noch nicht, einander zu verstehen. Wie Sprach- und Kommunikationsbarrieren erkannt und in der Sozialen Arbeit abgebaut werden können, war Thema unseres Fachgesprächs ‚Wissen kompakt‘ mit Tim Ihde von AGIUA e.V. Gute Kommunikation ist eine wesentliche Grundlage unseres Zusammenlebens. Doch miteinander zu reden, heißt noch nicht, einander zu verstehen. Wie Sprach- und Kommunikationsbarrieren erkannt und abgebaut werden können, war Thema unseres Fachgesprächs ‚Wissen kompakt‘ mit Tim Ihde von AGIUA e.V.

Was kann man gegen sogenannte Sprachbarrieren tun?

Tim Ihde: Der erste Schritt ist es, Sprachbarrieren überhaupt als solche zu erkennen. Dafür ist eine sensible Haltung - bestenfalls von allen Beteiligten - notwendig. In der Sozialen Arbeit sollten sich aber zumindest Fachkräfte dessen bewusst sein. Denn verfährt sich eine Situation und die zugrunde liegenden Missverständnisse werden als Ursache nicht erkannt, erschwert dies die künftige Kommunikation. Schlimmstenfalls kommt es zum Kontaktabbruch.

Was ist denn überhaupt unter einer Sprachbarriere zu verstehen?

Tim Ihde: Ich würde das ein wenig trennen. Es gibt Kommunikationsbarrieren, bei denen alle Beteiligten die gleiche Sprache sprechen und auch verstehen. Der Sachverhalt kann aber nicht so formuliert bzw. verstanden werden, dass es zu wechselseitigem Verstehen kommt. Sprachbarrieren innerhalb einer Sprache können beispielsweise entstehen, wenn eine Person sehr viel Fachsprache verwendet, dem Gegenüber die genaue Bedeutung jedoch fremd ist. Noch komplexer kann es sein, wenn eine Muttersprachler*in mit einer Person kommuniziert, die diese Sprache als Zweit- oder Drittsprache erlernt hat oder erst noch erlernt. So können zwar die einzelnen Vokabeln bekannt sein, die verwendeten Wendungen und Satzkonstruktionen und die dahinterstehenden Konzepte bleiben jedoch unverständlich oder die Lautformung der sprechenden Person wird fehlgedeutet. In der wechselseitigen Aushandlung der Kommunikation, im Verständigungsprozess, gibt es unzählige Stolpersteine auf dem Weg zum Verständnis.

Und was können aus Ihrer Sicht hilfreiche Maßnahmen sein?

Tim Ihde: Das kann so pauschal nicht gesagt werden und kommt immer auf die konkrete Situation an. Für die eine Person kann eine langsame und deutliche Aussprache mit regelmäßigen Sprechpausen schon hilfreich sein. Jemand anderes braucht hingegen Sprach- und Integrationsmittlung, um auch komplexere Sachverhalte verstehen und bearbeiten zu können. Hier kommt es darauf an, dass Muttersprachler*innen sensibel erkunden, auf welchem Sprachniveau das jeweilige Gegenüber sprechen und verstehen kann. Sensibel heißt hier auch, nicht gleich vorauseilend sein, wenn man bei einer Person etwa auf Grund ihres Namens eine Sprachbarriere annimmt. Am Ende spricht diese beispielsweise die deutsche Sprache fließend. Also ruhig erst einmal zwei, drei Sprechsequenzen abwarten und unvoreingenommen an das Gespräch heran gehen, auch von Sprachtempo und Betonung. Stellt sich dann aber heraus, dass ein wechselseitiger Redefluss nur schwer in Gang kommt, sollte vorsichtig nachgefragt werden, was für das gegenseitige Verstehen hilfreich sein könnte. Für Fachkräfte der Sozialen Arbeit ist es notwendig, sensibel für das Thema sprachliche Verständigung zu sein und sie nicht als gelungen vorauszusetzen. Dabei kann auch das klare Strukturieren der sprachlichen Information und die Verwendung von sogenannter „Einfacher Sprache“ helfen. Auch wenn die Grundlagen wie beispielsweise das Bilden kurzer Sätze leicht anmuten, sind das dennoch Fähigkeiten, die erst eingeübt werden müssen. Gelungene Verständigung bedeutet immer Aufwand zu betreiben

Sie erwähnten Sprach- und Integrationsmittlung. Was ist das?

Tim Ihde: Sprach- und Integrationsmittlungen sind Überführungen von Informationen, die über den bloßen Transfer einer Äußerung von einer Herkunfts- in eine Zielsprache hinausgehen, da sie kulturelle Erfahrungen, Kenntnisse und Konzepte sowie die Situation und das Verhalten der beteiligten Personen berücksichtigen. Sprach- und Integrationsmittler*innen sind Personen, die durch eine entsprechende Qualifizierung und eigenes kulturelles Wissen in der Lage sind, den Transfer einer sprachlichen Äußerung in den Vorstellungs- und Wissenshorizont der beteiligten Personen vorzunehmen, die mehr als die Wörter umfasst.

Wie kann so eine Sprachmittlung eingesetzt werden?

Tim Ihde: Bei uns können sich sowohl Fachkräfte als auch Privatpersonen melden, die Sprachmittlungen benötigen. Aktuell haben wir ca.120 ehrenamtliche und 3 hauptamtliche Sprach- und Integrationsmittler*innen, die insgesamt über 30 verschiedene Sprachen sprechen. Diese dolmetschen, sind in der Lage Informationen zu soziokulturellen und strukturellen Hintergründen zu vermitteln und können sogar Fachkräften der Sozialen Arbeit assistieren.

Wichtig ist, dass jeder Einsatz von Sprachmittlung durch eine gute Vorbereitung profitiert. Denn die Sprachmittlung kann nur erfolgreich sein, wenn neben der Sprache auch der Kontext erfasst und einbezogen wird. Und auch zwischenmenschlich sollte es stimmen, da die Bereitschaft zum Vertrauen eine Grundlage für das gegenseitige Verständigen ist. In Situationen, in denen es etwa um sehr persönliche Anliegen geht, kann bereits die Anwesenheit einer dritten Person als störend empfunden werden, obwohl diese in bester Absicht zum Sprachmitteln angeheuert wurde. Beziehen Sie alle Beteiligten in den Prozess ein - erst dann kann Sprach- und Integrationsmittlung gelingen und ein Gewinn für alle Seiten sein.

Kostet das Angebot etwas?

Tim Ihde: Ja, wie viel richtet sich nach dem Aufwand und der Art. Ein Einsatz in Präsenz in Chemnitz von bis zu einer Stunde kostet bei uns aktuell 25 Euro. Bei Sprachmittlungen über technische Hilfsmittel wie Telefon oder Webcam, die über die regionalen Grenzen hinausgehen, belaufen sich die Kosten auf 1,00 bzw. 1,20 Euro je Minute.


Tim Ihde ist studierter Germanist und war als Dozent an der TU Chemnitz tätig. Im Jahr 2016 kam er zum AGIUA e.V. und arbeitete im Projekt zur sozialen Betreuung von Asylsuchenden. Seit 2020 leitet er das Projekt SprInt Chemnitz, das sich mit der Vermittlung ehrenamtlicher Sprach- und Integrationsmittler*innen befasst.


Sprach- und Integrations- bzw. Kulturmittlung wird von mehreren Organisationen im Freistaat Sachsen angeboten. In Chemnitz bietet dies unser Mitglied AGIUA e.V. Migrationssozial- und Jugendarbeit.

Mehr zu deren Projekt Sprint lesen Sie unter www.agiua.de/projekt_sprint

Kontakt:

Tim Ihde
Tel.: 0371 495 127 54
Mobil: 0163 672 20 58
E-Mail: sprint_chemnitz(at)agiua.de


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news-7621 Tue, 04 Jan 2022 06:53:00 +0100 Kommentar: Ein Deckelchen für die Pflegekosten https://parisax.de/aktuelles/aktuelles-artikelansicht/news/kommentar-ein-deckelchen-fuer-die-pflegekosten/ Die sogenannten Eigenanteile, die Pflegebedürftige für ihren Platz im Heim zahlen müssen, sind in den letzten Jahren ständig gestiegen. Ab Januar 2022 sollen diese Kosten nun gedeckelt werden. Doch die Bewohner*innen werden davon nur wenig merken, kommentiert Andrea Wetzel, unsere Referentin für Entgelte in der Pflege. Die sogenannten Eigenanteile, die Pflegebedürftige für ihren Platz im Heim zahlen müssen, sind in den letzten Jahren ständig gestiegen. Ab Januar 2022 sollen diese Kosten nun gedeckelt werden. Doch die Bewohner*innen werden davon nur wenig merken, kommentiert Andrea Wetzel, unsere Referentin für Entgelte in der Pflege.

Jetzt ist er da, der Deckel des Eigenanteils für Bewohner*innen in Pflegeeinrichtungen. Wer sich seit der Pflegereform im Sommer 2021 darauf gefreut hat, bis zu 70 Prozent der Kosten für seinen Pflegeplatz einzusparen, wird vermutlich ziemlich enttäuscht sein, wenn er die Rechnung für den Monat Januar sieht. Was vom ehemaligen Bundesgesundheitsminister Jens Spahn als Kostenbremse angepriesen wurde, erweist sich in der Praxis als nur wenig wirksam. Warum? Der neu eingeführte Leistungszuschuss bezieht sich lediglich auf den pflegebedingten Aufwand. Gezahlt werden muss aber auch für die Unterkunft, die Verpflegung und die Investitionskosten. In der Summe sind diese Beträge jedoch unter Umständen viel höher als jene, die für die reine Pflege notwendig sind.

Lassen Sie mich das an einem fiktiven Beispiel verdeutlichen. Frau Schmidt zog im November 2021 in ein Pflegeheim. Sie zahlt bislang monatlich insgesamt 1.550 € für ihren Heimplatz. Der Betrag setzt sich aus 620 Euro für die Pflege und 930 Euro für die weiteren Kosten zusammen. Da sie seit weniger als zwölf Monaten in der Einrichtung lebt, reduziert sich der Anteil für die Pflege ab Januar 2022 gesetzlich vorgegeben um fünf Prozent. Das sind etwa 30 Euro pro Monat. Blickt man allerdings auf die Gesamtkosten, so spart Frau Schmidt insgesamt lediglich zwei Prozent. So weit, so gut - immerhin.

Mit ein bisschen Pech verhandelt ihr Pflegeheim aber gerade neue Preise mit den Pflegekassen und dem Sozialhilfeträger. Nicht aus Böswilligkeit oder gar Profitstreben - nein. Sondern um die steigenden Unterhaltskosten - beispielsweise für Energie und dergleichen - zu kompensieren. Vor allem jedoch, um die Löhne der Mitarbeitenden anheben zu können. Dadurch steigt die Gesamtrechnung vielleicht um insgesamt 60 € (30 € für die Pflege und 30 € für die weiteren Kosten). Von dieser Erhöhung übernimmt die Pflegekasse dann aber nur 1,50 Euro. Der Rest bleibt an Frau Schmidt hängen. Vom Deckel merkt sie also gar nichts. Im Gegenteil: Der Preis steigt für sie.

Anders sieht es aus, wenn Frau Schmidt bereits seit mehr als drei Jahren in der Einrichtung lebt. In diesem Falle wird ihr ein Leistungszuschlag von 70 Prozent in Aussicht gestellt. Ausgehend von den bisher monatlich 1.550 Euro für ihren Heimplatz reduziert sich der Betrag ab Januar 2022 also um gut 430 Euro. Das sind 70 Prozent der Pflegekosten – ist aber nicht mal ein Drittel der Gesamtkosten. Zu zahlen sind immer noch mehr als 1.100 €. Kommen dann die bereits beschriebenen Kostensteigerungen von 60 Euro zum Tragen, übernimmt die Pflegekasse von diesen auch nur etwa ein Drittel. Die tatsächliche Ersparnis liegt damit für Frau Schmidt in der Summe nur noch bei 25 Prozent gegenüber dem Dezember.

Zugegeben, das ist immer noch eine Menge Geld, die Frau Schmidt auf ihrem Konto behalten darf – aber einen angekündigten Leistungszuschuss von 70 Prozent stellt man sich doch irgendwie anders vor. Wenn wir uns dann noch vor Augen führen, dass die Verweildauer in stationären Pflegeeinrichtungen meist weniger als drei Jahre beträgt, kommen ohnehin nur wenige in den Genuss der höchsten Stufe an Leistungszuschlägen.

Ein Deckel, der seinen Namen verdient, sollte die Eigenanteile langfristig auf einem konstanten Niveau halten. Der Paritätische spricht sich seit Jahren für eine Deckelung bei 15 Prozent der Gesamtkosten aus. Das würde Pflegebedürftigen und ihren Angehörigen finanzielle Sicherheit geben. Die aktuelle Lösung ist dazu nicht geeignet. Sie birgt weiterhin die Gefahr, dass die Zuzahlungen überhandnehmen.

Wer gute Pflege und gut bezahlte Pflegekräfte will, muss auch die stetig steigenden Kosten hierfür tragen. Das darf jedoch nicht maßgeblich zu Lasten der Pflegebedürftigen geschehen oder die Kosten auf die Kommunen verlagern. Denn die müssen einspringen, wenn die Eigenanteile aufgrund der Zahlungsunfähigkeit der Bewohner*innen über die Sozialhilfe finanziert werden müssen.

Pflege ist eine Aufgabe für die Solidargemeinschaft. Daher ist es an der Zeit, dass hier endlich wirklich reformiert wird. Gute Vorschläge liegen auf dem Tisch.


Kontakt:

Andrea Wetzel (Referentin Entgelte)

Tel.: 0351 - 828 71 147
E-Mail: andrea.wetzel(at)parisax.de

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news-7638 Thu, 23 Dec 2021 13:52:41 +0100 Grußbotschaft: Das Gute im Schlechten sehen. https://parisax.de/aktuelles/aktuelles-artikelansicht/news/grussbotschaft-das-gute-im-schlechten-sehen/ In ihrer Grußbotschaft zum Weihnachtsfest und zum Jahreswechsel wünschen der Landesvorsitzende Christian Kamprad und Landesgeschäftsführer Michael Richter uns allen die Gabe, das Gute im Schlechten zu sehen.
"Ein Pessimist ist ein Mensch, der sich den Kuss vom Bakteriologen erklären lässt."

(Paul Hubschmid)

Liebe Paritäter*innen,
liebe Partner*innen des Paritätischen Unternehmensverbunds,

auch 2021 hat uns wieder einiges abverlangt. Vor allem Kraft.

Den Wahlen im Bund haben wir mit (An)Spannung entgegengeblickt, in Sachsen haben wir beharrlich für Verbesserungen in der von den haupt- und ehrenamtlichen Bürger*innen getragenen sozialen Landschaft gestritten, unser aller kleinen & großen Alltagskämpfe ausgefochten… und war da noch was? Ach ja – Corona. Nun hatten wir im Sommer gehofft, der ganze Spuk würde sich langsam von dannen trollen. Und zack – geht alles wieder von vorne los. Wir alle sind müde davon.

Dennoch: Bitte fangen Sie nicht an, überall nur noch halbleere Gläser zu sehen. Oder Viren und Bakterien. Manchmal hilft schon ein Perspektivwechsel, um das Gute zu sehen. Küsse können eben auch süß sein. Belebend. Wärmend.

Diese Gabe, noch immer das Gute im Schlechten wahrzunehmen, wünschen wir Ihnen für die Tage, die auf uns zukommen. Lassen Sie sich nicht entmutigen, denn es liegt noch so vieles vor uns, das wir nur gemeinsam und mit Zuversicht schaffen können. Solidarität und Zusammenhalt speisen sich aus Optimismus und Zugewandtheit – und nie war all das wichtiger als derzeit.

Kommen Sie gut ins Jahr 2022, in dem wir uns hoffentlich wieder öfter begegnen werden.

Es grüßen sehr herzlich,

Christian Kamprad, Landesvorsitzender
Michael Richter, Landesgeschäftsführer

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news-7567 Mon, 13 Dec 2021 06:45:00 +0100 Soziale Arbeit: Wie umgehen mit psychischen Belastungen bei Jugendlichen? https://parisax.de/aktuelles/aktuelles-artikelansicht/news/soziale-arbeit-wie-umgehen-mit-psychischen-belastungen-bei-jugendlichen/ Psychische Belastungen können sehr verschieden sein und oft sprechen Menschen nicht offen darüber. Wie in der Sozialarbeit Tätige die Betroffenen dennoch gut unterstützen können, war Thema im Fachgespräch mit der Psychologin Corinna Klinger vom Mosaik Leipzig e.V. Psychische Belastungen können sehr verschieden sein und oft sprechen Menschen nicht offen darüber. Wie in der Sozialarbeit Tätige die Betroffenen dennoch gut unterstützen können, war Thema im Fachgespräch mit der Psychologin Corinna Klinger vom Mosaik Leipzig e.V.

Da sind etwa junge Menschen, die eine gefährliche Flucht aus Kriegsgebieten überstanden, vielleicht sogar Familienangehörige verloren haben. In Deutschland angekommen, möchten sie eine Ausbildung beginnen. Sozialarbeiter*innen sind dann manchmal ratlos, wenn die gerade angetretene Berufsausbildung einfach nicht durchgehalten werden kann. Die Jugendlichen kommen zu spät oder wollen überhaupt nicht zur Berufsschule gehen. Das Lernen und die Hausaufgaben fallen sehr schwer. Neben sprachlichen Barrieren oder allgemeinen Lernschwierigkeiten können auch psychische Belastungen den Einstieg ins Berufsleben erschweren.

Corinna Klinger, Psychologin im Psychosozialen Zentrum Leipzig, erklärt: „Wenn Menschen sehr schnell erschöpfen, ist das oft ein Zeichen für massive Stresssituationen. Daher sollte sensibel herausgefunden werden, was den Stress verursacht. Das können zum Teil auch für Außenstehende wenig nachvollziehbare Dinge wie der Weg in die Berufsschule, der umfangreiche Lernstoff, der lange Unterrichtstag, Sorgen um Angehörige oder aber Konflikte in der Ausbildungsklasse sein.“

Nun gilt es, ohne Wertung zu schauen, welche Unterstützungsleistungen möglich und im konkreten Fall hilfreich sind. Dabei stünden die Fachkräfte nicht allein, ermutigt die Psychologin und sagt: „Beispielsweise können Ergotherapie und Physiotherapie den jungen Menschen Entspannungs- und Stärkungsmöglichkeiten erschließen. Eine Lernbegleitung kann den Lernprozess selbst unterstützen. Erziehungsbeistandschaft oder Kinder- und Jugendpsychotherapie können mithelfen, psychische Belastungen zu bewältigen.“ Sie verweist darauf, dass bei geflüchteten Menschen zu klären sei, welche Leistungen finanziert werden. Sind die Jugendlichen bereits 18 Jahre, helfen auch die Psychosozialen Zentren in Sachsen weiter, die es in Dresden, Chemnitz und Leipzig gibt.

Was Sozialarbeiter*innen außerdem tun können, ist Sensibilisierungsarbeit zu leisten. So können sie das Gespräch mit Ausbilder*innen oder Berufsschulen suchen und auf die besonderen Lebenslagen von Jugendlichen mit Fluchtgeschichte hinweisen. Gleichzeitig können sie Bereitschaft zur gemeinsamen Lösungssuche mit den Ausbilder*innen und den Jugendlichen signalisieren, sollte es doch mal Probleme geben.

Insgesamt ist es bei psychische Belastungen wichtig, Stressoren ausfindig zu machen und diese bestenfalls abzubauen oder aber zu lernen, mit ihnen umzugehen. Das ist nicht immer möglich. Daher brauchen Menschen auch Inseln der Stärkung. Für manche sind das Gesellschaft und Unterhaltung. Manche Menschen brauchen dagegen Orte und Zeiten für Ruhe und Entspannung. Auch hier können Sozialarbeiter*innen helfen, diese Wege gemeinsam zu finden. Daher ist es sinnvoll, mit den Jugendlichen zu klären, welche Situationen, Handlungen oder Worte sie besonders beunruhigen und von Unterstützenden am besten ganz vermieden werden sollten, um keinen zusätzlichen Stress zu erzeugen.

Sozialarbeiter*innen sollten sich bewusst machen, dass psychische Belastungen sehr individuell sind. Was der eine nicht mal wahrnimmt, kann die andere stark unter Druck setzen. Was dem einen dabei hilft, Stressoren abzubauen, kann bei anderen nutzlos oder gar stresssteigernd wirken. Die bereits erwähnte Unterstützung durch psychologische Fachkräfte kann daher sowohl für die Betroffenen als auch die Sozialarbeiter*innen eine wichtige Stütze sein. Im Idealfall sind Teams interdisziplinär aufgestellt.


Sie arbeiten in der Kinder- und Jugendhilfe und haben Fragen zu psychischen Belastungen bei Jugendlichen?

Fragen zu jungen Geflüchteten über 18 Jahre kann u.a. das Psychosoziales Zentrum für Geflüchtete Leipzig beantworten:

Tel.: 0341 - 41 45 360
E-Mail: psz@mosaik-leipzig.de

Weitere Kontakte zu entsprechenden Stellen vermittelt Ihnen Doreen Voigt, Referentin des Paritätischen Sachsen für Sucht und Sozialpsychiatrie

Tel.: 0341 - 961 746 2
E-Mail: doreen.voigt(at)parisax.de


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news-7558 Tue, 07 Dec 2021 14:03:51 +0100 Kommentar: Der Fackelzug von Grimma ist ein Weckruf https://parisax.de/aktuelles/aktuelles-artikelansicht/news/kommentar-der-fackelzug-von-grimma-ist-ein-weckruf/ Die schweigende Mehrheit in unserem Land muss laut werden, ist unser Landesvorsitzender Christian Kamprad mit Blick auf den Fackelzug vor dem Haus von Sozialministerin Petra Köpping überzeugt. Die schweigende Mehrheit in unserem Land muss laut werden, ist unser Landesvorsitzender Christian Kamprad mit Blick auf den Fackelzug vor dem Haus von Sozialministerin Petra Köpping überzeugt.

Vor Ängsten ist niemand gefeit. Das wäre auch fatal, da sie zum Menschsein ebenso dazugehören wie andere Empfindungen auch. Angst ist hilfreich. Sie kann uns vor Schaden bewahren. Unsere Aufmerksamkeit steigern. Angst kann aber auch blind machen. Sie kann den Blick auf die Realität vernebeln und uns zu rein emotional gesteuerten Wesen machen, die für sachliche Argumente nur noch schwer erreichbar sind.

Doch gerade für eine Demokratie, deren Kern der Dialog und das respektvolle Ringen um Lösungen sind, kann ein von Angst verstellter Blick zur Gefahr werden. Das Gespräch und offenes Aufeinanderzugehen sind unabdingbar für eine Gesellschaft, die miteinander und nicht gespalten leben möchte. Das ist nicht nur meine persönliche Ansicht, sondern auch Grundhaltung des Paritätischen Sachsen, der wie kein anderer Wohlfahrtsverband von Vielfalt geprägt ist.

Dialog kann aber auch an Grenzen stoßen. Dessen müssen wir uns schmerzlich bewusst werden, wenn wir die zunehmend radikaleren Proteste von Impfgegner*innen und selbsternannten Querdenkern sehen, die inzwischen oft von Rechtsradikalen unterwandert sind. Von sachlicher und vielleicht berechtigter Kritik haben sich die Beteiligten längst entfernt. Der Fackelaufzug vor dem Privathaus der sächsischen Sozialministerin Petra Köpping ist ein weiterer trauriger Beweis dafür. Wer mit derart martialischen Gesten versucht, politisch Andersdenkende unter Druck zu setzen, hat die Bodenhaftung zu unserer freiheitlich demokratischen Grundordnung verloren.

Den Solidaritätsbekundungen für Petra Köpping schließen wir uns als Verband vorbehaltlos an und verurteilen das Verhalten der Aufmarschierenden auf das Schärfste. Ja, auch wir als Verband sind nicht mit allen von der Staatsregierung während der Pandemie getroffenen Entscheidungen zufrieden. Bedrohung oder Gewalt sind jedoch nie Mittel, um gesamtgesellschaftliche Lösungen zu finden.

Mit Petra Köpping ist eine auch über Sachsen hinaus bekannte Persönlichkeit von den unsäglichen Handlungen radikalisierter Personen betroffen. Spricht man mit Beobachter*innen der Szene, wird schnell klar, dass es sich nicht um Einzelfälle handelt. Lokalpolitiker*innen oder zivilgesellschaftliche Akteur*innen im ländlichen Raum kennen ähnliche Begebenheiten schon länger. Die Begegnungen mit Personen, die sich vom Dialog verabschiedet haben, die mit Beschimpfungen anstatt mit Argumenten daherkommen oder unverhohlen mit Gewalt drohen, haben in den letzten Jahren zugenommen.

Dabei dürfen wir jedoch nicht vergessen: Es handelt sich immer noch um eine Minderheit in unserem Land. Selbst wenn deren mediale Präsenz etwas anderes vermuten lässt. Die Mehrheit hingegen schweigt noch zu oft. Deshalb muss der Fackelzug vor dem Privathaus von Petra Köpping für alle Demokrat*innen ein Weckruf sein, der genau das Gegenteil von dem erzeugt, was die Aufmarschierenden erreichen wollten. Wir alle, die für Grundrechte und Freiheit, Dialog und Menschenrechte, respektvollen Umgang miteinander und das Bekenntnis zu einer vielfältigen Gesellschaft stehen, dürfen nicht mehr schweigen. Wir müssen jetzt eine Grenze ziehen. Demokratie ist nicht selbstverständlich. Das muss angesichts der Bilder aus Grimma der schweigenden Mehrheit bewusstwerden. Sonst wachen wir eines Tages auf und müssen bemerken, dass es zu spät ist. Das darf auf keinen Fall geschehen.


Der Autor: Christian Kamprad ist Geschäftsführer des Bildungs- und Sozialwerks Muldental e.V. und auf der Mitgliederversammlung 2021 zum Landesvorsitzenden des Paritätischen Sachsen gewählt worden.

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news-7557 Fri, 03 Dec 2021 10:51:00 +0100 Kommentar: Abschiebung vs. Kindeswohl? https://parisax.de/aktuelles/aktuelles-artikelansicht/news/kommentar-abschiebung-vs-kindeswohl/ Am 30.11.2021 wurde der siebenjährige Ahmad aus seiner Grundschule abgeholt und abgeschoben. Unsere Bildungsreferentin Friderun Hornschild kommentiert das Ereignis. Am 30.11.2021 wurde der siebenjährige Ahmad aus seiner Grundschule abgeholt und abgeschoben. Unsere Bildungsreferentin Friderun Hornschild kommentiert das Ereignis.

Was macht das mit einem Kind, wenn es aus der Grundschule von der Polizei abgeholt wird? Diese Frage kam mir sofort in den Sinn, als ich von der Abschiebung des sieben Jahre alten Ahmad aus Delitzsch hörte. Da saß er eben noch im Schulunterricht mit seinen Mitschüler*innen zusammen. Freute sich womöglich auf den Hort. Wollte mit seinen Freunden spielen. Und dann steht da die Polizei. Sie wartet auf ihn. Auf ihn! Er muss ins Polizeiauto einsteigen und an einen Ort reisen, den er nicht kennt. Hier nach Deutschland, so die unmissverständliche Ansage der Staatsmacht, gehört er nicht. Dass sich dieses Erlebnis in Ahmads Erinnerung eingraben wird, ist anzunehmen. Mit sieben Jahren versteht man nicht, warum es plötzlich heißt: Du musst gehen. Das bekannte Umfeld, die Freunde – alles weg.

Doch nicht nur für Ahmad ist die Quasifestnahme in der Grundschule ein verstörendes Erlebnis. Was muss auch Ahmads Klasse denken? Plötzlich kommt die Polizei, holt jemanden ab, der dann nie wieder zurückkehrt – einfach verschwindet. Erzieher*innen und Lehrer*innen können nichts dagegen tun. Hilflos stehen sie neben dem Geschehen. Ich kann mir vorstellen, dass es unter Ahmads  Mitschüler*innen nun auch Kinder gibt, die Polizist*innen jetzt erstmal skeptisch betrachten. Die Angst haben, als nächstes abgeholt zu werden - auf Nimmerwiedersehen. Das Vertrauen in die Polizei ist erschüttert. Die pädagogischen Fachkräfte sind hier nun zusätzlich gefordert, mit den Kindern darüber zu sprechen. Ihnen zu erklären, was hier passiert ist.

Man kann zu Abschiebungen und insbesondere ihrer in Sachsen praktizierten Umsetzung unterschiedlicher Meinung sein. Worüber es aber keine Diskussion geben darf, ist der unbedingte Schutz des Kindeswohls. Deutschland hat sich zur UN-Kinderrechtskonvention bekannt und auch im sächsischen Koalitionsvertrag gibt es dazu klare Aussagen. Kinder müssen immer und zu jeder Zeit besonderen Schutz und besondere Fürsorge erhalten. Welcher Grund rechtfertig diese Maßnahme in Delitzsch? Eine schwerwiegende Bedrohung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung wird vom kleinen Ahmad wohl kaum ausgegangen sein. Die Abschiebung als solche ist schon schwierig und schlimmstenfalls traumatisierend für ein Kind. Aber warum dann auch noch die Abholung aus der Schule?

Nein, dafür fehlt mir jegliches Verständnis. Hier muss der Freistaat seinen Umgang mit Kindern dringend überdenken. Und wie bitte schön soll eine kindgerechte Abschiebung überhaupt aussehen?!


Kontakt:

Friderun Hornschild (Referentin Bildung)
Tel.: 0351 - 828 71
E-Mail: friderun.hornschild(at)parisax.de

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news-7540 Wed, 01 Dec 2021 08:49:11 +0100 Weiterbildungsprogramm 2022 jetzt online https://parisax.de/aktuelles/aktuelles-artikelansicht/news/weiterbildungsprogramm-2022-jetzt-online/ Mit neuen Seminaren und Workshops geht heute das Weiterbildungsprogramm 2022 des Paritätischen Sachsen an den Start. Ob Pflege oder Jugendhilfe, für Kindertagesbetreuung und Eingliederungshilfe, Management oder persönliche Kompetenzen - es ist für alle etwas dabei. Mit neuen Seminaren und Workshops geht heute das Weiterbildungsprogramm 2022 des Paritätischen Sachsen an den Start. Ob Pflege oder Jugendhilfe, für Kindertagesbetreuung und Eingliederungshilfe, Management oder persönliche Kompetenzen - es ist für alle etwas dabei.

Für Weiterbildungsträger bedeutet Corona viel Veränderung und dennoch lässt sich  Juliane Röder, Teamleiterin Weiterbildung des Paritätischen Sachsen, nicht entmutigen. Mit Stolz in der Stimme stellt sie das Weiterbildungsprogramm für kommendes Jahr vor, das diesmal ohne gedruckten Katalog auskommt: „Unsere jährliche Weiterbildungsbroschüre zeigte immer nur einen Ausschnitt unseres Programms. Doch das entwickelt sich ständig weiter und Corona zwang uns in den letzten zwei Jahren ohnehin immer wieder zu kurzfristigen Umplanungen. Deshalb starten wir erstmalig ohne Katalog in das neue Weiterbildungsjahr.

Auch 2022 orientieren sich die Weiterbildungen speziell an den Bedarfen der Beschäftigten im Sozial- und Bildungsbereich. Neben den Rückmeldungen der Nutzer*innen selbst spielt bei der Konzeption die Zusammenarbeit mit den Fachreferaten des Paritätischen Sachsen eine entscheidende Rolle.

Zusätzlich zu den vielen fachspezifischen Themen der Sozialen Arbeit und Bildung finden Interessierte immer auch Seminare rund um Management, Führung und Persönlichkeitsentwicklung, um ihre Fertigkeiten abzurunden.

„Wir bieten im kommenden Jahr einen gelungenen Mix aus Online- und Präsenzangeboten. Aktuell kommen täglich noch weitere Angebote und Termine hinzu. Es lohnt sich also, immer wieder reinzuschauen – dann verpassen Sie nichts“, lädt Juliane Röder ein.

Das gesamte Weiterbildungsangebot des Paritätischen Sachsen finden Sie hier.


Sollten Sie noch nicht das richtige Seminar finden oder Themenwünsche haben, wenden Sie sich gern jederzeit an das Weiterbildungsteam. Das gilt ebenso für den Wunsch nach Inhouse-Schulungen, die sich an den konkreten Bedarfen Ihrer Einrichtung oder Ihres Trägers orientieren. Wir stellen Ihnen dann ein passendes Angebot zusammen.

Kontakt:

Tel.: 0351 - 828 71 431
E-Mail: weiterbildung(at)parisax.de

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news-7533 Mon, 29 Nov 2021 10:06:28 +0100 Überlastung der Kitas: Sofort auf Notbetreuung umsteigen https://parisax.de/aktuelles/aktuelles-artikelansicht/news/ueberlastung-der-kitas-sofort-auf-notbetreuung-umsteigen/ Die Betreuung in den Kitas wird in Kürze nur noch stark eingeschränkt möglich sein, warnt der Paritätische Sachsen. Der Verband fordert den sofortigen Umstieg auf eine Notbetreuung. Die Betreuung in den Kitas wird in Kürze nur noch stark eingeschränkt möglich sein, warnt der Paritätische Sachsen. Der Verband fordert daher den sofortigen Umstieg auf eine Notbetreuung.

„Die Problemanzeigen der Kita-Träger häufen sich. Krankheitsbedingte Ausfälle oder Beschäftigte in Quarantäne reduzieren den Personalbestand spürbar. Viele Einrichtungen arbeiten bereits mit verkürzten Öffnungszeiten. Der eingeschränkte Regelbetrieb mit festen Gruppen kann nur bedingt umgesetzt werden. Zudem wird die Beschaffung von Corona-Tests schwieriger und die Kosten für diese steigen. Die Mitarbeitenden sind an ihrer Belastungsgrenze. Unter den aktuellen Gegebenheiten wird eine gesicherte Betreuung schon in Kürze nicht mehr möglich sein“, schildert Friderun Hornschild, Referentin für Bildung des Paritätischen Sachsen, die Lage.

Der Verband fordert daher den sofortigen Umstieg auf jene Notbetreuung, die nur dem in der Anlage zur Schul- und Kita-Coronaverordnung des Freistaates benannten Personenkreis offensteht.

„Wir müssen jetzt die Reißleine ziehen, sonst häufen sich die geschlossenen Einrichtungen. Auch wenn es aus pädagogischer Sicht fatal ist, erscheint der sofortige Umstieg auf Notbetreuung als einziger Ausweg, um in den kommenden Wochen eine Grundversorgung zu ermöglichen. Wir bekommen auch aus anderen Bereichen wie der Pflege und der Jugendhilfe deutliche Signale, dass Personal wegfällt, weil die Betreuung der Kinder plötzlich nicht abgesichert ist. Der sofortige Umstieg auf Notbetreuung hilft, das Infektionsgeschehen zu bremsen und die Betreuung sicherer zu gestalten. Nicht zuletzt ermöglicht die Regelung allen Beteiligten bessere Planbarkeit“, so die Bildungsreferentin.

Auch müssten die Infektionsschutzkonzepte der Kitas der aktuellen Situation angepasst werden. Dazu gehören mindestens anlassbezogen auch Tests bei Kindern. Denkbar sind drei Tests wöchentlich analog dem aktuell in Schulen angewandten Verfahren. Zudem muss der Freistaat die zentrale Beschaffung von Corona-Tests wieder aufnehmen, da die Gründe für das Aussetzen der Regelung (niedrige Preise, gute Verfügbarkeit) nicht mehr gegeben sind. Pädagogische Fachkräfte sollten darüber hinaus einen priorisierten Zugang zu Booster-Impfungen bekommen.

Unabhängig davon, wie die künftigen Regelungen im Freistaat aussehen werden, erwartet der Paritätische Sachsen klare Aussagen zur Kostenübernahme bei wegfallenden Elternbeiträgen. Freie Träger, die den Großteil der sächsischen Kitas betreiben, haben keine finanziellen Spielräume, um die unverschuldeten Beitragsausfälle zu kompensieren.

Der Paritätische Wohlfahrtsverband Sachsen ist der größte Spitzenverband der freien Wohlfahrtspflege im Freistaat. Seine rund 500 Mitgliedsorganisationen betreiben sachsenweit etwa 2300 Einrichtungen und Dienste der Sozial- und Bildungsarbeit, darunter auch mehr als 500 Kitas.

Für Presseanfragen:

Thomas Neumann (Pressesprecher, Paritätischer Sachsen)
Tel.: 0351 – 828 71 122
E-Mail: thomas.neumann@parisax.de

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news-7530 Thu, 25 Nov 2021 14:00:29 +0100 Jugendliche für das Ehrenamt gewinnen https://parisax.de/aktuelles/aktuelles-artikelansicht/news/jugendliche-fuer-das-ehrenamt-gewinnen/ Jugendliche für ein Ehrenamt zu begeistern, hat sich das Projekt „Jugend Engagiert Sich“ (JES) auf die Fahnen geschrieben. Wir sprachen mit der Projektleiterin Marta Glauer-Muche über jugendliches Engagement und die Vorteile für Einsatzstellen. Jugendliche für ein Ehrenamt zu begeistern, hat sich das Projekt „Jugend Engagiert Sich“ (JES) auf die Fahnen geschrieben. Wir sprachen mit der Projektleiterin Marta Glauer-Muche über jugendliches Engagement und die Vorteile für Einsatzstellen.

Frau Glauer-Muche, mit JES sollen junge Menschen ans Engagement herangeführt werden. Wie stehen Jugendliche aktuell zum Thema Ehrenamt?

Marta Glauer-Muche: Laut der Studie „Ehrenamt in Sachsen“ der Sächsischen Landeszentrale für politische Bildung sind lediglich acht Prozent der ehrenamtlich Aktiven in Sachsen jünger als 18 Jahre. Diesen Anteil an jungen Menschen zu erhöhen, finden wir wichtig. Allerdings treffen Jugendliche durchaus auf Vorbehalte in den Einrichtungen oder sie wissen nicht, wie sie eine passende Stelle finden können. Das möchte JES ändern. In unseren Freiwilligendiensten bemerken wir, dass Heranwachende sehr wohl Interesse an Engagement haben.

Bei JES geht es insbesondere um den Einsatz im sozialen Bereich. Wie stehen die Einrichtungen zum Engagement junger Menschen?

Marta Glauer-Muche: Das ist sehr unterschiedlich. Immer mehr Einrichtungen entscheiden sich, junge Menschen beispielsweise im Rahmen des Freiwilligen Sozialen Jahres bei sich mitarbeiten zu lassen. Sie freuen sich über zusätzliche Unterstützung und hoffen, junge Menschen für den sozialen Bereich zu begeistern. Mit Erfolg, denn ein Großteil der Freiwilligen schlägt anschließend eine berufliche Laufbahn im Sozialen ein oder engagiert sich längerfristig.

Das alles gelingt jedoch nur, wenn vor Ort eine gute Anleitung erfolgt. Dafür braucht es Zeit. Kommt man im Gespräch mit Einrichtungen auf dieses Thema, spüre ich manchmal Zurückhaltung. Nicht weil sie Anleitung überflüssig finden, sondern weil sie befürchten, diesen Aufwand nicht stemmen zu können. In der Praxis zeigt sich dann aber meist, dass Aufwand und Nutzen im Einklang stehen.

Warum lohnt es sich, junge Menschen frühzeitig ans Ehrenamt heranzuführen und was können potenzielle Einsatzstellen von JES erwarten?

Marta Glauer-Muche: Ein Engagementprojekt für Schüler*innen hat Vorteile für die jungen Menschen und die Einsatzstellen. Jugendliche lernen, Verantwortung zu übernehmen und sich einzubringen. Die gesammelten Erfahrungen stärken ihr Selbstbewusstsein und geben berufliche Orientierung.

Für Einsatzstellen liegt der Vorteil darin, zusätzliche Aufgaben bewältigen zu können und Jugendliche frühzeitig auf sich aufmerksam zu machen. Neben dem praktischen Nutzen der konkreten Unterstützung vor Ort kann das ein erster Schritt zur Gewinnung künftiger Fachkräfte sein. Und nicht zuletzt ergibt sich ein generationenübergreifender Dialog, der neue Impulse bringt.

JES soll mehr als eine reine Vermittlungsstelle für Jugendliche und Einsatzstellen sein. Wir sind Ansprechpartner für beide Seiten – beraten, begleiten und unterstützen. Dabei greifen wir auf unsere fast 30 Jahre Erfahrung in den Freiwilligendiensten zurück. Gerade Einsatzstellen, die noch wenig Erfahrung mit dem Einsatz und der Anleitung von Ehrenamtlichen haben, können wir gute Hinweise zur Umsetzung geben. Bevor die Jugendlichen in die Einrichtungen vermittelt werden, führen wir zudem Orientierungsgespräche mit ihnen. Dank unserer Erfahrung können wir dann recht gut abschätzen, wer wohin passt. Wir werden zudem Begleitveranstaltungen sowohl für Teilnehmende als auch für Anleitende anbieten. Bei Bedarf besuchen wir auch die Jugendlichen in den Einsatzstellen und leiten Reflexionsgespräche an. Wann immer nötig haben uns Einrichtungen und engagierte Jugendliche als Partner an ihrer Seite.

Herzlichen Dank für das Gespräch.


Aktuell sucht das Projekt „Jugend Engagiert Sich“ noch Einrichtungen, die jungen Menschen ein Engagement von bis zu zwei Stunden pro Woche anbieten wollen. Auch wenn der Einsatz von ehrenamtlichen Helfer*innen in der momentanen Lage nur eingeschränkt möglich ist, wird um Interessenbekundungen gebeten, damit junge Menschen in der Zukunft vermittelt werden können.

Für Ihre Interessenbekundung und alle Fragen zum Projekt Sprechen Sie bitte mit der Projektleiterin Marta Glauer-Muche.

Tel.: 0157 - 853 26 719
E-Mail: glauer-muche(at)parisax-freiwilligendienste.de

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news-7513 Tue, 23 Nov 2021 12:59:10 +0100 Sozialer Weihnachtsmarkt Pirna Sonnenstein abgesagt https://parisax.de/aktuelles/aktuelles-artikelansicht/news/sozialer-weihnachtsmarkt-pirna-sonnenstein-abgesagt/ Zum 12. Mal sollte der Soziale Weihnachtsmarkt Pirna Sonnenstein an den Start gehen. Nun musste der Paritätische Sachsen gemeinsam mit den mitwirkenden Mitgliedsorganisationen den Markt absagen. Zum 12. Mal sollte der Soziale Weihnachtsmarkt Pirna Sonnenstein an den Start gehen. Nun musste der Paritätische Sachsen gemeinsam mit den mitwirkenden Mitgliedsorganisationen den Markt absagen. 

Laut den Vorgaben der aktuell geltenden Corona-Notverordnung des Freistaates Sachsen dürfen derzeit keine Weihnachtsmärkte durchgeführt werden.

Claudia Nowakowski, Regionalkoordinatorin des Paritätischen Sachsen in der Region Dresden und Teil des Organisationsteams erklärt: „Wir haben viel Zeit und Ideen in den Sozialen Weihnachtsmarkt investiert. Wir haben von Anfang an mit hohen Hygienestandards, wie z.B. einer 3-G-Regelung und ausreichend Abstand geplant, um das Risiko einer Ansteckung mit Corona zu minimieren. Deswegen ist die offizielle Absage sehr bedauerlich, in Anbetracht der pandemischen Lage aber auch richtig. Wir hoffen, dass sich die bisherigen Bemühungen im kommenden Jahr umsetzen lassen.“

„Wir bedauern das sehr“, bringt der Geschäftsführer des Lebenshilfe Pirna-Sebnitz-Freital e.V. Burkart Preuß seine Enttäuschung zum Ausdruck. „Nachdem wir schon im letzten Jahr darauf verzichten mussten, war die Vorfreude bei allen Organisatoren, ehrenamtlichen Helferinnen und Helfern und natürlich bei den Kindern und Gästen groß. Aber so eine Veranstaltung birgt in der aktuellen Zeit auch ein hohes Gesundheitsrisiko, deswegen haben wir für die Entscheidung der Landesregierung großes Verständnis.“ Der Markt fand immer auf dem Gelände der Lebenshilfe statt.

Der Soziale Weihnachtsmarkt Sonnenstein wird vom Paritätischen Wohlfahrtsverband Sachsen gemeinsam mit seinen Mitgliedsorganisationen Arbeiter-Samariter-Bund, Volkssolidarität und Lebenshilfe veranstaltet. Der komplett ehrenamtlich organisierte Markt richtet sich an alle Menschen. Darüber hinaus soll er aber insbesondere Familien mit schmalem Geldbeutel etwas Weihnachtsfreude zum kleinen Preis ermöglichen.

Normalerweise werden die Besucherinnen und Besucher mit einem bunten Bühnenprogramm, kostenfreien Bastelangeboten für die Kinder und kleinen Buden mit einem vielfältigen Speise- und Getränkeangebot sowie hübschen Geschenkideen in weihnachtliche Stimmung gebracht. Bei den Kindern ist natürlich der Weihnachtsmann immer besonders beliebt. Er verteilt an jedes Kind Geschenke, die von den Pirnaer Bürger*innen im Vorfeld gespendet werden.


Quelle: Juliane Klein (Öffentlichkeitsarbeit, Lebenshilfe Pirna-Sebnitz-Freital e.V.)

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news-7473 Thu, 04 Nov 2021 17:46:00 +0100 Stereotype als Killer guten Miteinanders in Teams und Organisationen https://parisax.de/aktuelles/aktuelles-artikelansicht/news/stereotype-als-killer-guten-miteinanders-in-teams-und-organisationen/ Vorurteile können die Zusammenarbeit im Team stark stören. Mitunter verlassen Fachkräfte deshalb einen Arbeitgeber. Was Führungskräfte dagegen tun können, war Thema im Fachgespräch „Wissen kompakt“: Die zerstörerische Kraft von Stereotypen und Vorurteilen im Berufsalltag“ Vorurteile können die Zusammenarbeit im Team stark stören. Mitunter verlassen Fachkräfte deshalb einen Arbeitgeber. Was Führungskräfte dagegen tun können, war Thema im Fachgespräch „Wissen kompakt“: Die zerstörerische Kraft von Stereotypen und Vorurteilen im Berufsalltag“

In Zeiten des Fachkraft- und Personalmangels sind Führungskräfte froh, wenn offene Stellen wieder besetzt sind. „Nun kann es endlich wieder ganz normal weiter gehen“, denken viele. Doch jetzt geht die Personalarbeit erst richtig los. Denn sonst läuft das Unternehmen Gefahr, dass die neue Fachkraft ganz schnell wieder weg ist.

Nicole Börner, Referentin des Projektes PariFID des Paritätischen Sachsen sieht über die letzten Jahre hinweg deutliche Veränderungen der Gegebenheiten im Bereich Personal: „Bei der Personalauswahl gab es bisher eine Tendenz, Personen vorzuziehen, die der eigenen Person sehr ähnlich sind. Dazu gibt es sogar wissenschaftliche Untersuchungen. Über lange Zeit entstanden so vergleichsweise homogene Teams. Die Vielfalt an Meinungen und Perspektiven war nicht all zu groß. Heute ist die Zahl der Bewerber*innen im Verhältnis zu den offenen Stellen geringer. Es gibt zwar nach wie vor den unbewussten psychologischen Prozess, Ähnlichkeiten im Gegenüber finden zu wollen, allerdings ist die Wahrscheinlichkeit geringer und der Druck der Stellenbesetzung größer. Führungskräfte entscheiden sich heute also mitunter für Fachkräfte, die sie vor Jahren noch links liegen gelassen hätten.“

Im Ergebnis führt die geringere Auswahl zu größerer Vielfalt im Team. „Und das ist auch gut so, denn gerade soziale Organisationen können auf diese Weise viel konkreter auf ihre Zielgruppen eingehen, weil sich deren vielfältige Zusammensetzung nun auch beim Personal der Einrichtung widerspiegelt“, fügt die Referentin hinzu.

Aber wie kann ein gutes Miteinander dieser neuen Vielfalt in Teams und Organisationen gelingen? PariFID sprach hierzu mit Zarine Peukert, die das Projekt "THE DOORS" im Kinder - und Elternzentrum Kolibri e.V. leitet, und mit Camil El Khoury, Kulturmittler*in beim gleichen Träger.

Vorurteile sind normal – Führungskräfte sind im Umgang damit gefordert

Zarine Peukert befasst sich seit Jahren mit dem Thema Stereotype und Vorurteile. Sie kennt es selbst, wenn ihr auf Grund von Äußerlichkeiten bestimmte Eigenschaften zugeschrieben werden. „Aufgrund meiner kaukasischen Wurzeln wird oft gefragt, woher ich denn ursprünglich stamme, obwohl ich in Sachsen geboren bin“, berichtet sie und liefert fachliche Einordnung gleich mit: “Wissenschaftler meinen, dass wir alle Stereotype im Kopf haben, um uns zu orientieren. Wir sehen oder hören etwas und schließen auf die restlichen Eigenschaften einer Person, ohne diese wirklich zu kennen. Dadurch bilden wir Einstellungen. Einstellungen erzeugen Emotionen wie z.B. Ablehnung, Angst oder Neid. Unsere Emotionen sind die Basis für unser Verhalten, auch im beruflichen Kontext.“

Wenn Führungskräfte hier nicht aktiv werden, führen verfestigte Stereotype in Teams schnell zu Missverständnissen oder gar schweren Konflikten. Eine Führungskraft, die am Fachgespräch teilnahm, berichtete beispielsweise von einem Konflikt zwischen zwei sehr wesensunterschiedlichen Frauen ihres Teams. Dieser schwelt schon lange. Eine Frau greift die andere bei jeder Gelegenheit an. „Mein Team meint: Das war schon immer so. Ich möchte das aber so nicht hinnehmen. Am Ende sind ja alle nur unzufrieden und vielleicht verliere ich eine gute Fachkraft oder gar beide“, stellte die Teilnehmende fest. 

Missverständnisse vermeiden – Dialog suchen

Camil El Khoury ist neben seiner Tätigkeit beim Kolibri e.V. auch in der Betreuung von queeren Geflüchteten beim CSD Dresden aktiv. Er kennt sich aus mit zwischenmenschlichen Konflikten bei Menschen, die sich als sehr verschieden wahrnehmen, und gibt einige Tipps.

„Es ist wichtig, dass der Konflikt klar angesprochen wird. Ein geschützter Raum ist gut, in dem mit den Beteiligten einzeln gesprochen werden kann. Dort sollte einerseits Offenheit gegenüber der jeweiligen Person gezeigt werden. Oft hängen Konflikte mit sehr persönlichen Gefühlslagen und Einstellungen oder eben Stereotypen zusammen. Hier gilt es gut hinzuhören. Andererseits aber braucht es auch ganz klare Forderungen und Wünsche der Führungsperson an das Miteinander im Team. Menschen benötigen Akzeptanz der eigenen Person, aber auch Orientierung, was gewünscht oder auch unerwünscht ist.“, so Camil El Khoury. 

Handeln, denn: Schweigen heißt Zustimmung

Zarine Peukert ergänzt: „Ein bisschen Gelassenheit ist aber auch hilfreich sonst wird der Konflikt zum bestimmenden Thema. Allerdings sollten Sie keinesfalls weghören. Schweigen heißt Zustimmung und kann betroffene Personen indirekt sehr schwächen. Wichtig ist es auch, das Team einzubeziehen. Letztlich betrifft ein Konflikt zwischen einzelnen Personen oft mehrere. Es werden Allianzen geschmiedet, die ein Team schnell spalten können. Vielmehr muss es Führungskräften aber gelingen, Gemeinsamkeiten zwischen teils sehr verschiedenen Menschen zu finden und zu gestalten. Die Entwicklung gemeinsamer Teamregeln kann etwa hilfreich sein.“

Führungsaufgabe: Konflikte im Team moderieren

Kurz und knapp gefasst: Die meisten Menschen haben Stereotype. In Teams können sie jedoch zu schweren Konflikten führen, wenn über Menschen verallgemeinernd geurteilt und entsprechend gehandelt wird. Führungskräfte sind angesichts sich diversifizierender Teams gefordert, Prozesse aktiv zu gestalten und gut hinzuhören, damit Fachkräfte nicht wieder verloren gehen.

PariFID-Projektreferentin Nicole Börner ist überzeugt: „Führung kann sich im Personalauswahlprozess auch ganz bewusst für Vielfalt entscheiden. Wenn Vielfalt nicht Zufall, sondern Organisationsstrategie ist, können Unterschiede leichter gewinnbringend eingesetzt werden und führen zu mehr Zufriedenheit auf allen Seiten. Hierfür brauchen Führungskräfte die Reflexion der eigenen Stereotype im Kopf, einen guten Blick auf das vorhandene Team sowie klar kommunizierte Vorstellungen des Miteinanders.“


Das Online-Fachgespräch "Wissen kompakt" befasst sich mit unterschiedlichen Fragen der Interkulturellen Öffnung. Dabei stellen Expert*innen Lösungsansätze vor und beantworten die Fragen der Teilnehmenden.

Kommende Termine Fachgespräch "Wissen kompakt" (immer online, 15 Uhr bis 16 Uhr)

24.11.2021 - "Fit für Beruf und Alltag trotz Trauma? Menschen mit Psychischen Besonderheiten in der Sozialen Arbeit“ mit Corinna Klinger, Mosaik Leipzig e.V. und Doreen Voigt, Paritätischer Sachsen.

9.12.2021 - „Sprachbarrieren überwinden. Wie kann das gehen?“ mit Tim Ihde, Agiua e.V.

 

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news-7447 Tue, 02 Nov 2021 06:34:00 +0100 Gastbeitrag: Outplacement - Den Ausstieg gut gestalten. https://parisax.de/aktuelles/aktuelles-artikelansicht/news/gastbeitrag-outplacement-den-ausstieg-gut-gestalten/ Auch im Zeichen des Fachkräftemangels passt nicht jede Person in jedes Unternehmen bzw. in jede Organisation. Warum sich bei einer Trennung „Augenhöhe“ lohnt und ein „sozialer Ausstieg“ langwierige Rechtsstreitigkeiten verhindern kann, erklärt Sandra Geyer vom PARITÄTischen Arbeitgeberverband PATT e.V. Auch im Zeichen des Fachkräftemangels passt nicht jede Person in jedes Unternehmen bzw. in jede Organisation. Warum sich bei einer Trennung „Augenhöhe“ lohnt und ein „sozialer Ausstieg“ langwierige Rechtsstreitigkeiten verhindern kann, erklärt Sandra Geyer vom PARITÄTischen Arbeitgeberverband PATT e.V.

Manchmal passt es einfach nicht. Arbeitgebende und Arbeitnehmende haben unterschiedliche Vorstellungen. Sind Sie in Führungsverantwortung, müssen Sie reagieren, denn die Arbeit und das Betriebsklima leiden. Die freie Wirtschaft macht sich hierfür ein Instrument zu Nutze: Outplacement.

Outplacement kommt aus dem Englischen und lässt sich mit „Vermittlung nach außen“ übersetzen. Es bezeichnet eine vom Unternehmen zumeist extern eingekaufte Dienstleistung für ausscheidende Beschäftigte, denen professionelle Hilfe zur beruflichen Neuorientierung angeboten wird. Für Unternehmen und Organisationen der Sozialwirtschaft, deren Geschäftsprozesse im Wesentlichen auf Dienstleistungen um, für und mit Menschen fußen, ist Outplacement ein wertschätzendes Trennungsinstrument.

Was genau wird gemacht?

Outplacement kann als klassische Einzelberatung für Beschäftigte angewandt werden, die aus diversen Gründen nicht mehr ins Unternehmen oder die Organisation passen. Darüber hinaus hilft es auch, wenn ganze Betriebsteile oder Teams aus betriebsbedingten Gründen gekündigt werden müssen.

Inhalte und Schwerpunkte des Outplacements sind:

  • Vorbereitung und Begleitung der Kündigung und der Kündigungsgespräche
  • Begleitung der internen und externen Kommunikation
  • Beratung bei Aufhebungsverträgen und Abfindungen
  • Unterstützung der beruflichen Neuorientierung
  • Suche nach Arbeitgebern und Stellenanzeigen
  • Erstellung von Bewerbungsunterlagen
  • Vorbereitung der Vorstellungsgespräche
  • Begleitung im gesamten Bewerbungsprozess

Warum sich die wertschätzende Trennung lohnt

Sie stärken so das Betriebsklima, denn Sie vermeiden bei den Bleibenden Motivationsabfall und Krisendenken. Sie geben den Beschäftigten ein deutliches Signal, dass Sie sich Ihrer sozialen Verantwortung bewusst sind. Zudem verhindern Sie für Ihre Organisation oder Ihr Unternehmen einen Imageverlust gegenüber Kooperationspartnern, Klient*innen und Behörden.

Mehr noch: Sie bzw. Ihre Führungskräfte werden im Trennungsprozess begleitet und haben die Möglichkeit, externes Feedback zu erhalten. Zumeist gelingt es so, Rechtsstreitigkeiten vorzubeugen, weil sich im wertschätzenden Umgang ein Aufhebungsvertrag leichter abschließen lässt. Auch bleibt eine positive Beziehung zu den entlassenen Personen bestehen, weil ein Abschied auf Augenhöhe stattfindet. Es gelingt eine gütliche Trennung und es muss keine Alibilösung wie beispielsweise durch eine interne Umbesetzung gesucht werden.

Ein Outplacement-Prozess kann unter Nutzung interner Ressourcen und/oder mittels externer Expert*innen durchgeführt werden. Ausschlaggebend für die Entscheidung für einen internen oder externen Weg sind folgende Fragen:

  • Verfügen Sie über ausreichend internes Know-how?
  • Verfügen Sie über ausreichende interne Kapazitäten?
  • Kann eine interne Begleitung möglicherweise zu Rollenkonflikten führen?
  • Stößt ein interner Outplacement-Prozess auf ausreichend Akzeptanz bei den Beteiligten?

Jede Trennung sollte nach Möglichkeit fair und nachhaltig ablaufen, aktiv gestaltet werden und zu einem beidseitigen Lerneffekt führen. Ein strukturiertes Vorgehen wie das Outplacement kann dazu beitragen


Sie haben Fragen zum Thema oder möchten mehr über den PATT erfahren?

Kontakt:

Sandra Geyer (PATT e.V.)

Mobil: 0173-7444874
E-Mail: sgeyer(at)arbeitgeberverband-patt.de

Web: www.arbeitgeberverband-patt.de

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news-7438 Thu, 21 Oct 2021 16:37:42 +0200 Gastbeitrag: Beschäftigung von Menschen in Duldung https://parisax.de/aktuelles/aktuelles-artikelansicht/news/gastbeitrag-beschaeftigung-von-menschen-in-duldung/ Werden Asylanträge abgelehnt, leben zugewanderte Menschen bis zu ihrer möglichen Ausreise mit dem Status „Duldung“. Dennoch können sie in bestimmten Fällen einer Arbeit nachgehen. Wann das der Fall ist und worauf Arbeitgeber achten müssen, erklärt Jörg Eichler, Mitarbeiter im Projekt QuBe³ des Sächsischen Flüchtlingsrats e.V. Werden Asylanträge abgelehnt, leben zugewanderte Menschen bis zu ihrer möglichen Ausreise mit dem Status „Duldung“. Dennoch können sie in bestimmten Fällen einer Arbeit nachgehen. Wann das der Fall ist und worauf Arbeitgeber achten müssen, erklärt Jörg Eichler, Mitarbeiter im Projekt QuBe³ des Sächsischen Flüchtlingsrats e.V.

Frau A ist irakische Staatsangehörige und lebt seit knapp drei Jahren mit ihrer Familie in Deutschland. Der Asylantrag, den sie gestellt hatte, wurde vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge abgelehnt. Auch die Klage gegen diese Ablehnung hatte keinen Erfolg. Seither gilt sie als „vollziehbar ausreisepflichtig“. Die Ausländerbehörde hat ihr eine Duldung ausgestellt, in der eingetragen ist: „Beschäftigung mit Genehmigung der Ausländerbehörde erlaubt“.

Ihr jüngstes Kind ist inzwischen zwei Jahre alt und Frau A hat einen Kindergartenplatz gefunden. Nun könnte sie tagsüber einer Berufstätigkeit nachgehen. Sie bewirbt sich beim Jugendhilfeträger B auf eine offene Stelle als pädagogische Fachkraft. Im Irak hatte sie Erziehungswissenschaften studiert und ihren Abschluss in Deutschland anerkennen lassen. Fachlich würde sie die Anforderungen der Stelle sehr gut erfüllen, auch spricht Frau A bereits auf B2-Niveau Deutsch.

Die Personalchefin des Jugendhilfeträgers ist sich aber unsicher: Arbeitnehmer*innen in Duldung einstellen – geht das überhaupt? Was muss sie als Arbeitgeber beachten?

Auch Herr C, der seit 2018 in Deutschland lebt, sucht Arbeit. Er stammt aus dem Kosovo und ist ausgebildeter Altenpfleger. Die Pflegeeinrichtung D sucht händeringend nach Mitarbeiter*innen und würde sich über seine Unterstützung freuen. Doch auch sein Asylantrag ist abgelehnt worden und er besitzt lediglich eine Duldung. In dieser steht allerdings der Vermerk: „Beschäftigung nicht gestattet“.

Menschen mit Duldung können beschäftigt werden

Das erste Beispiel zeigt, dass es grundsätzlich möglich ist, Menschen im Status der Duldung zu beschäftigen. Es sei denn, sie unterliegen einem gesetzlichen Arbeitsverbot, wie es in § 60a Abs. 6 AufenthG näher geregelt ist.

Für alle anderen gilt: Geduldeten, die verpflichtet sind, in einer (Erst-)Aufnahmeeinrichtung (große Gemeinschaftsunterkünfte in Zuständigkeit der Bundesländer) zu wohnen, kann die Beschäftigung erlaubt werden, wenn sie seit mindestens sechs Monaten eine Duldung besitzen. Menschen, die nicht mehr in einer Erstaufnahme wohnen, sondern bereits kommunal verteilt sind, kann die Erwerbstätigkeit nach drei Monaten der Duldung erlaubt werden. Nach vier Jahren der Duldung besteht unbeschränkter Arbeitsmarktzugang.

Eintragung in Duldungspapieren prüfen

Um den aktuellen Status des Arbeitsmarktzuganges herauszufinden, lohnt ein genauerer Blick in das Duldungspapier. Auf der Innenseite unter „Nebenbestimmungen“ ist die jeweils gültige Regelung eingetragen, manchmal auch handschriftlich ergänzt oder korrigiert. Es gibt drei mögliche Einträge: „Beschäftigung nicht gestattet“ (Arbeitsverbot), „Beschäftigung mit Zustimmung der Ausländerbehörde gestattet“ (Einzelfallprüfung) oder „Beschäftigung gestattet“ (für jede nichtselbständige Tätigkeit).

Die Beschäftigungserlaubnis wird durch die zuständige Ausländerbehörde erteilt. Das geschieht üblicherweise mit einem Formularantrag und der Kopie des Arbeitsvertrages, in welchem der Arbeitgeber eine Stellenbeschreibung auszufüllen hat. Die Ausländerbehörde prüft dann zunächst, ob die Person einem konkreten Beschäftigungsverbot unterliegt. Bei unseren Beispielen trifft das auf Herrn C zu, da Personen aus den sogenannten „sicheren Herkunftsstaaten“, die ihren Asylantrag nach dem 31.08.2015 gestellt haben und eine Ablehnung erhalten haben, die Beschäftigung nicht gestattet werden darf. Herr C hat also leider keine Chance, eingestellt zu werden.

Zustimmung bei Bundesagentur für Arbeit und Ausländerbehörde einholen

In Fällen, die nicht mit einem Arbeitsverbot belegt sind, wird die Bundesagentur für Arbeit (BA) beteiligt, welche der Beschäftigung zustimmen muss. Die BA prüft die gleichwertigen Arbeitsbedingungen (Arbeitszeiten, Einhaltung des Mindestlohnes). Dafür hat sie maximal zwei Wochen Zeit, danach gilt die Zustimmung als erteilt. Die früher übliche Vorrangprüfung (keine Zustimmung, wenn bevorrechtigte Arbeitnehmer*innen, z.B. Deutsche, für den Job zur Verfügung stehen) findet seit März 2020 nicht mehr statt. Stimmt die BA der Beschäftigung zu, entscheidet die Ausländerbehörde nach Ermessen über die Erteilung der Beschäftigungserlaubnis. Üblicherweise kann diese Entscheidung innerhalb von zwei bis sechs Wochen erwartet werden. Eine Ablehnung bedarf einer individuellen Begründung.

Stimmt die Ausländerbehörde zu, wird diese Zusage unter den Nebenbestimmungen konkret eingetragen. Im Beispiel von Frau A würde der Eintrag dann lauten: „Beschäftigung bei Jugendhilfeträger B im Umfang von 30h/Woche gestattet.“

Wichtig! Den Arbeitgeber trifft die gesetzliche Verpflichtung zu prüfen, ob die Erwerbstätigkeit gestattet ist, wenn er eine*n Ausländer*in beschäftigen möchte. Im Zweifel ist daher eine Anfrage an die zuständige Ausländerbehörde oder der Kontakt zu einer Beratungsstelle sinnvoll.


Sie wollen jemanden einstellen und sind unsicher, ob das möglich ist? Dann lassen Sie sich beraten.

Jörg Eichler vom Sächsischen Flüchtlingsrat e.V. beantwortet Ihre Fragen im Online-Fachgespräch „Wissen kompakt“ am 2.11.2021 ab 15 Uhr. Sein Thema: Was bedeutet der Aufenthaltsstatus von eingewanderten Menschen für Arbeitgeber und soziale Angebote?

Mehr zur Veranstaltung und die Online-Anmeldung lesen Sie in unsrem Veranstaltungskalender.

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news-7320 Wed, 06 Oct 2021 05:52:00 +0200 Gastbeitrag: Männerberater – wozu das denn jetzt? https://parisax.de/aktuelles/aktuelles-artikelansicht/news/gastbeitrag-maennerberater-wozu-das-denn-jetzt/ Die Landesfachstelle Männerarbeit bietet seit kurzem eine Fortbildung zum Männerberater an. Thomas Hönel von der Landesarbeitsgemeinschaft Jungen- und Männerarbeit Sachsen e.V. erklärt, warum das Thema wichtig ist. Die Landesfachstelle Männerarbeit bietet seit kurzem eine Fortbildung zum Männerberater an. Thomas Hönel von der Landesarbeitsgemeinschaft Jungen- und Männerarbeit Sachsen e.V. erklärt, warum das Thema wichtig ist.

Nico ist ein sympathischer Mann Anfang vierzig. Er ist selbständig, hat zwei Töchter und lebt in einer festen Beziehung. In einer Mail formuliert er seine Situation:
 „… Ich komme an manchen Punkten nicht mehr weiter … Dann gibt es Differenzen und unsere Auseinandersetzungen nehmen immer mehr zu … Ich bin ratlos und weiß nicht mehr weiter.“

Steffen ist Mitte fünfzig, leitender Angestellter, hat vier Kinder aus zwei Ehen und lebt in einer Beziehung. Im Gespräch öffnet er sich und spricht davon, wie er täglich über zwei Stunden in sozialen Medien verbringt. Das macht ihn unausgeglichen, zerrissen und beunruhigt ihn sehr. Er hat versucht, die Zeit zu reduzieren - alle Versuche schlugen fehl. „Was kann ich nur machen? Was ist los mit mir?“, fragt er.

Das sind nur zwei Beispiele von Männern mitten aus der Gesellschaft. Sie sind in Deutschland geboren und aufgewachsen, sie sind materiell abgesichert und stehen mitten im Leben. Sind ihre Probleme nun ein Fall für eine Psychotherapie, für den Urologen (eines der Argumente, wenn es um Beratung für Männer geht) oder für ein Gespräch mit Kumpels beim Bier?

Durch den gesellschaftlichen Wandel nimmt die Komplexität der Herausforderungen auch für Männer zu. Althergebrachte Sprüche wie „Ein Mann muss tun, was ein Mann tun muss“ oder „Männer haben keine Probleme, sie lösen sie“ verlieren in kritischen Situationen ihre Wirksamkeit und funktionieren nicht mehr. Was tritt jedoch dann ein? Studien belegen, dass Männer den Spagat zwischen den erlernten äußeren und inneren Anforderungen sowie ihren körperlichen und emotionalen Zuständen oft schlicht nicht stemmen können. Es fällt ihnen zudem schwer, sich zu öffnen, zu vertrauen und Hilfe zu suchen.

Die Angst vor Verletzungen, vor Bloßstellung und davor, ausgeschlossen zu werden, trägt dazu bei, dass Männer über sechzig Prozent mehr Zeit benötigen als Frauen, bis sie sich Hilfe holen. Aufgrund früher Gewalterfahrungen, von denen zwei Drittel aller Männer betroffen sind, legen sie sich stattdessen einen Schutzpanzer zu. Diesen abzunehmen und Vertrauen aufzubauen, ist für Männer ein Schritt der Wagnis und fühlt sich meist an wie das Betreten eines neuen inneren Kontinents.

Gehen sie dann doch zu einer Beratung, sehen sich Männer oft Fachkräften gegenüber, zu denen sie nur schwer ein Vertrauensverhältnis aufbauen können. Denn in kritischen Phasen ihres inneren Konflikts möchten sie sich lieber mit einem Gegenüber austauschen, das ihre Nöte aus eigenem Erleben kennt oder diesen empathisch folgen kann. Die Erfahrung zeigt, dass sich Männer in der Beratung an ihrem Gegenüber orientieren. Das funktioniert bei Männern jedoch auch nicht zwangsläufig bei jedem Mann. Gerade in der Phase des Überdenkens und Reflektierens der eigenen Position, ist es hilfreich, wenn der gegenübersitzende Mann selbst gut in seiner eigenen Persönlichkeit verankert und reflektiert ist.

Die Reflektion des eigenen männlichen Lebens und die kritische Auseinandersetzung mit den aktuellen Anforderungen an Männer in der Gesellschaft sind zentrale Themen der Männerberaterfortbildung der Landesfachstelle Männerarbeit in Dresden. Der Therapeut und Männerberater Enrico Bischof empfiehlt die Fortbildung mit den Worten: „Es ist notwendig, sich spezifische Expertise anzueignen, welche dem lebensweltlichen und männertheoretischen Hintergrund gerecht wird.“

Weitere Informationen zur Jungen- und Männerarbeit finden Sie auf der Website unseres Mitglieds Landesarbeitsgemeinschaft Jungen- und Männerarbeit Sachsen e.V.: www.juma-sachsen.de


Der Autor: Thomas Hönel ist bei der Landesarbeitsgemeinschaft Jungen- und Männerarbeit Sachsen e.V. für die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit verantwortlich.

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news-7319 Wed, 29 Sep 2021 05:33:00 +0200 Gastbeitrag: Personalmanagement - Wer ist wer im Team? https://parisax.de/aktuelles/aktuelles-artikelansicht/news/gastbeitrag-personalmanagement-wer-ist-wer-im-team/ Ein gutes Team ist vielfältig und verfügt daher über einen gelungenen Mix aus Kompetenzen und Eigenschaften. Doch wissen alle, welche Rolle sie in ihm ausfüllen, um das eigene Potenzial im und für das Team voll auszuschöpfen? Ein gutes Team ist vielfältig und verfügt daher über einen gelungenen Mix aus Kompetenzen und Eigenschaften. Doch wissen alle, welche Rolle sie in ihm ausfüllen, um das eigene Potenzial im und für das Team voll auszuschöpfen?

In einem Team erlebte ich vor etwa einem Jahr Vorbehalte gegenüber neu eingestellten Kolleg*innen. Das führte sogar soweit, dass jemand nach kurzer Zeit die Organisation wieder verließ. Kennen Sie das, wenn die Zusammenarbeit im Team stagniert? Doch Mitarbeitende blockieren vor allem dann, wenn Abläufe, Aufgabenverteilungen oder Herangehensweisen unklar sind. Für die Entwicklung eines erfolgreichen Teams ist es somit wichtig, sich über die Zusammensetzung der Gruppe bewusst zu werden.

Neben fachlichen Qualifikationen bringen Mitarbeitende immer auch eigene Persönlichkeitsprofile und ihre grundsätzliche Teamfähigkeit mit. So setzt sich jedes gut funktionierende Team aus unterschiedlichen Menschen zusammen und im Idealfall passt die Rolle im Team zur Persönlichkeit der jeweils Rolleninhabenden. Der Team Role Circle der Universität Göttingen kann Ihnen dabei helfen, einen Überblick über die Verteilung in Ihrem Team zu gewinnen. Die unterschiedlichen Rollen sind im Kreis entsprechend der Quadranten dargestellt, die von flexibel zu strukturiert und von extern (am Markt orientiert) zu intern (auf das Team fokussiert) abgestuft sind.

Der kreativen Person, die ein reflektiertes Teammitglied ist und Impulse zur Problemlösung liefert, stehen die Koordinierenden gegenüber, die Abläufe überprüfen und sich für die Qualitätssicherung einsetzen. Den Networker*innen, die ein Team nach außen vertreten und eine Schnittstelle zur Umwelt bilden, liegen die Moderierenden gegenüber, die die Interaktion innerhalb des Teams anregen sowie strukturelle und organisatorische Funktionen einnehmen. Hinzu kommen die vier Mischrollen Coach, Manager*in, Monitor*in und Innovator*in. In jedem Team kann jedes Mitglied mindestens eine dieser Rollen erfüllen.

Für eine funktionierende Gruppe ist es gut, wenn die Rollenverteilung möglichst heterogen ist. Das bedeutet: Die Rollen sind über alle vier Quadranten im Team Role Circle verteilt. Hilfreich kann hierbei die Transparenz sein, wer welche Rolle inne hat und welche Rollen möglicherweise unbesetzt sind.
Oftmals glauben Teams, sie seien tatsächlich heterogen. Analysieren sie dann ihre Verteilung oder stellen sie sich im Team Role Circle entsprechend ihrer Rollen auf, wird jedoch deutlich, dass sich eine Mehrzahl der Mitglieder beispielsweise in nur einem Quadranten wiederfindet. Die Personen kommen zwar persönlich gut miteinander aus, aber die Arbeit stagniert, da die Menschen ähnliche Rollen inne haben und die Transparenz darüber nicht gegeben ist.

Die Schlüssel zu heterogenen, lebendigen oder diversen Teams sind der Wille und der Blick für genau jene Transparenz. Klarheit über die Rollenverteilung führt dazu, dass Haltungen, Einstellungen und Arbeitsabläufe reflektiert, strukturiert sowie effektiver und freudvoller gestaltet werden können. Neue und langjährige Mitarbeitende fühlen sich willkommen und wohl, wenn Aufgaben, Prozesse und Kompetenzen klar definiert sind.

Unterstützung von außen kann auf dem Weg zu einem besseren Überblick hilfreich und förderlich sein. Eine neutrale Betrachtung bietet Chancen, Störungen aufzudecken, aufzulösen und neue Ideen und Handlungsstrategien zu entwickeln.


Die Autorin: Claudia Kühnel-Kalamorz studierte Sozialarbeiterin und Pädagogin. Mittels systemischer Beratung hilft sie Teams dabei, Antworten zu finden und gemeinsam mehr zu leisten.

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news-7318 Thu, 23 Sep 2021 05:09:00 +0200 Mitglieder: Seit 30 Jahren im Gleichschritt mit der Gesellschaft https://parisax.de/aktuelles/aktuelles-artikelansicht/news/mitglieder-seit-30-jahren-im-gleichschritt-mit-der-gesellschaft/ Nach aufwühlenden Anfangsjahren blickt die sächsische pro familia auf drei Jahrzehnte voller leidenschaftlichem Einsatz für selbstbestimmte Sexualität zurück. Nach aufwühlenden Anfangsjahren blickt die sächsische pro familia auf drei Jahrzehnte voller leidenschaftlichem Einsatz für selbstbestimmte Sexualität zurück.

Über 6.000 Beratungen pro Jahr, sechs Standorte und zahlreiche Projekte machen die pro familia in Sachsen zu einer nicht mehr wegzudenkenden Säule der sozialen Infrastruktur im Freistaat. In diesem Jahr feiert der sächsische Landesverband der Deutschen Gesellschaft für Familienplanung, Sexualpädagogik und Sexualberatung e.V. sein 30-jähriges Bestehen.

Als die pro familia im Oktober 1991 ihre erste Beratungsstelle in Leipzig eröffnete, schrieb die BILD-Zeitung von einem neuen Ort für „heiße Themen in lockerer Umgebung.“ Vom Boulevard gewohnt anrüchig beschrieben, hat sich die Arbeit der pro familia in den vergangenen 30 Jahren kontinuierlich verändert. Der stete Wandel im Gleichschritt mit gesellschaftlichen und politischen Veränderungen steckt seit den Gründungstagen in der DNA des Verbandes.

Bereits kurz nach der Wende erkannten engagierte Frauen in Sachsen die Notwendigkeit, konfessionell unabhängige Beratungsstellen für die Themen Schwangerschaft, Partnerschaft, Sexualität und Familie zu etablieren. Der pro familia-Bundesverband entschloss sich für eine Fusion mit der DDR-Fachgesellschaft „Ehe und Familie” (EFA), obwohl sich das Selbstverständnis der EFA in einigen Punkten vom Selbstbild der pro familia unterschied. Das lag nicht zuletzt daran, dass die Gesetzeslagen zum Schwangerschaftsabbruch im geteilten Deutschland stark divergierten. Während Schwangerschaftsabbrüche in der DDR bis zur zwölften Woche legal waren, wurden sie in der Bundesrepublik ohne ärztliche Indikation strafrechtlich verfolgt. Nachdem die Frauen im Osten ab 1990 mit der westdeutschen Gesetzgebung konfrontiert waren, wurde der Kampf gegen die sogenannte „Indikationslösung“ im Paragraphen 219 ein wichtiger gemeinsamer Nenner im Annäherungsprozess der beiden Organisationen.

Im konservativen Freistaat begrüßten nicht alle politischen Entscheidungsträger*innen diese Einstellung. In den Neunzigern schlug den pro familia-Pionierinnen harscher Gegenwind entgegen. So wurden der pro familia im ersten Jahr nach der Wende von Bund und Ländern nur zwei Beratungsstellen genehmigt. Monatelang ließen Antworten auf Förderanträge auf sich warten und auf kommunaler Ebene wurden Beratungsstellen teilweise in letzter Sekunde politisch verhindert – ein Grund, weshalb die pro familia in Sachsen heute deutlich weniger Beratungsstellen betreibt als in den übrigen vier neuen Bundesländern.

Doch dank des beeindruckenden Engagements der pro familia-Vorreiterinnen beschäftigt der Landesverband Sachsen heute 22 Mitarbeiter*innen in der Beratung und sexuellen Bildung, in Projekten sowie in der Verwaltung und Geschäftsführung. Angebote für geflüchtete Frauen, Beratung für queere Personen, die Jugendsprechstunde, Onlineberatung sowie Angebote für Menschen mit sogenannter Behinderung gehören nach 30 Jahren genauso zum Portfolio wie die psychosoziale Beratung von Schwangeren, Paaren und Familien. Man darf also gespannt sein, welche „heißen Themen“ das Angebot der pro familia in den kommenden Jahren noch erweitern werden.


Weitere Informationen und den Kontakt zu unserem Mitglied pro familia Landesverband Sachsen e.V. finden Sie auf: www.profamilia.de

Autor: Aaron Wörtz

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news-7317 Tue, 21 Sep 2021 05:42:00 +0200 Gastbeitrag: Auf sexualisierte Gewalt (online) reagieren https://parisax.de/aktuelles/aktuelles-artikelansicht/news/gastbeitrag-auf-sexualisierte-gewalt-online-reagieren/ Mit den immer stärker verbreiteten digitalen Medien sind Fachkräfte der Kinder- und Jugendhilfe gefordert, Heranwachsende bei Fragen von sexualisierter Gewalt im Internet gut zu begleiten. Sozialpädagoge Christian Grüner gibt Hinweise. Laut der der JIM-Studie 2020 verfügen 94 Prozent der Befragten im Alter von 12 bis 19 Jahren über ein eigenes Smartphone, das sie auch täglich verwenden. Bereits die jüngste Gruppe – die 12- bis 13-jährigen – ist mit 91 Prozent digital sehr gut ausgestattet. Den „digital natives“ - also den Kindern und Jugendlichen, die von einem guten und einfachen Zugang zu medialen Welten umgeben sind - wird meist die Kompetenz zugeschrieben, sich dort sicher zu bewegen oder dies leicht erlernen zu können. Dies wird von der Annahme getragen: Wer mit digitalen Medien aufwächst und diese bereits von klein an kennt, der wird schon von alleine dort hineinwachsen und sich die nötigen Fertigkeiten aneignen. Denn was analog durch die Vorbildfunktion der Eltern und  Umgebung funktioniert, das wird auch digital so funktionieren.

Medienerziehung muss sein

Doch genau an dieser Stelle hinkt der Vergleich, da es in nicht wenigen Fällen an der entsprechende Begleitung und Vorbildfunktion fehlt. Meist zeigen sich Eltern und weitere an der Erziehung mitwirkende Menschen ab einem bestimmten Punkt (technisch) nicht in der Lage zur adäquaten Begleitung, beziehungsweise sind schlichtweg nicht daran interessiert oder fühlen sich nicht zuständig.

Doch bedarf es einer gegenüber neuen Dingen offenen, (auch technischen Entwicklungen) zugewandten und (auch an Selbsterkenntnissen) interessierten Haltung, um Kindern und Jugendlichen die notwendigen Fähigkeiten zu vermitteln, damit diese sich im digitalen Raum sicher bewegen und zu emanzipierten Nutzer*innen werden können.

Sexualisierte Gewalt in digitalen Medien

Ist dann diese erste Aufgabe angegangen, steht ein weiteres Thema an: Wie können Kinder und Jugendliche mit (alters-)unangemessenen sexuellen Inhalten umgehen, auf die sie zufällig oder bewusst - sicher jedoch zwangsläufig - stoßen werden?

Sexualisierte Gewalt findet schon lange nicht mehr nur im analogen Raum statt, sondern bedient sich auch der vielfältigen neuen Optionen, die die Vernetzung und Digitalisierung mit sich gebracht haben. Während Täter*innenstrategien oft in ähnlicher Form auftreten, so haben sich die zur Verfügung stehenden Möglichkeiten zur Umsetzung dieser entsprechend multipliziert.

Wie muss also Präventionsarbeit für den digitalen Raum gestaltet sein? Erfordert es anders gedachte Ansätze der Sensibilisierung für eine manchmal parallele Lebenswelt, die nicht selten ihren eigenen Wegen folgt? Neben dem Wissen über Inhalte, Vorgänge und Phänomene bedarf es einer klaren Haltung und unaufgeregten Kommunikation. Wer unterstützen möchte, der muss grenzenwahrend im Gespräch bleiben und Offenheit sowie das nötige Know-how signalisieren.

Während rechtlich viele Aspekte klar geregelt sind, bleibt pädagogisch also die Aufgabe, mit diesen Themen umzugehen. Themen, die (rechtlich) nicht sein dürfen, es faktisch aber sind. Es ist Aufgabe nicht zuletzt auch der Kinder- und Jugendhilfe, inhaltlich auf diese Fälle einzugehen, damit nicht das faktisch nicht durchsetzbare Verbot von Mediennutzung als letztes Wort stehen bleibt. Vielmehr muss ein fachlich angemessener Umgang mit diesen Themen gefunden werden: Sensibel, aber klar und mit praktisch umsetzbaren Lösungen.


Der Autor: Christian Grüner leitete sechs Jahre lang eine stationäre Einrichtung der Kinder- und Jugendhilfe. Als Referent und Mediator stärkt er nun Fachkräfte im Umgang mit Medien und sexualisierter Gewalt.

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news-7310 Wed, 15 Sep 2021 17:01:00 +0200 Mitgliederversammlung 2021: Satzungsänderung, neue Beitragsordnung und neuer Landesvorsitz https://parisax.de/aktuelles/aktuelles-artikelansicht/news/mitgliederversammlung-2021-satzungsaenderung-neue-beitragsordnung-und-neuer-landesvorsitz/ Zum ersten Mal fand die Mitgliederversammlung des Paritätischen Sachsen digital statt. Über 100 Mitglieder folgten der Einladung des Landesverbandes, um über Satzungsänderungen und die Beitragsordnung zu diskutieren sowie einzelne Positionen im Landesvorstand nach zu wählen. Zum ersten Mal fand die Mitgliederversammlung des Paritätischen Sachsen digital statt. Über 100 Mitglieder folgten der Einladung des Landesverbandes, um über Satzungsänderungen und die Beitragsordnung zu diskutieren sowie einzelne Positionen im Landesvorstand nach zu wählen.

Nachdem die Mitgliederversammlung 2020 coronabedingt abgesagt werden musste, kamen die Mittglieder am 15.9.2021 nach zwei jähriger Pause wieder im höchsten Gremium des Paritätischen Sachsen zusammen. Neben den Berichten über die Arbeit des Verbandes und  Informationen zur finanziellen Situation standen zwei richtungsweisende Anträge zur Debatte: Änderungen an der Satzung und der Beitragsordnung.

Satzungsänderungen weitgehend angenommen

Die von einer Arbeitsgruppe aus Mitgliedsorganisationen und Landesvorstand vorgeschlagenen Satzungsänderungen bezogen sich Großteils auf formelle und redaktionelle Aspekte. Sie wurden weitgehend von den Mitgliedern mitgetragen. Einzig die Verpflichtung, die Mitgliedschaft durch Verwendung des Verbandslogos sichtbar zu machen, stieß auf Widerstand. Die Mitgliederversammlung beschloss die vorgelegten Änderungen mit Ausnahme jener zur Logopflicht. Der Vorstand erhielt den Auftrag, die Formulierung zu überarbeiten und in der kommenden Mitgliederversammlung erneut vorzustellen.

Beitragsordnung befristet verändert

Eine angeregte Diskussion entspann sich hingegen zu den Änderungen an der Beitragsordnung, die im Vorfeld ebenfalls in einer Arbeitsgruppe aus Mitgliedsorganisationen, Landesvorstand und Geschäftsführung erarbeitet und bereits auf den Regionalkonferenzen im Sommer 2021 vorgestellt worden war. Der Volkssolidarität Landesverband Sachsen brachte einen Änderungsvorschlag ein, der unter anderem geringere Beitragssteigerungen sowie einen niedrigeren Deckel für Höchstbeitragszahler vorsah. Der Landesverband des Arbeiter-Samariter-Bundes plädierte dafür, die Beitragsordnung unverändert zu lassen. Der Kinderland Sachsen e.V. warb für eine gänzlich neue Berechnungsgrundlage.

Im Ergebnis zog der Landesvorstand seinen Vorschlag zurück und der Änderungsvorschlag der Volkssolidarität kam unter der Maßgabe zur Abstimmung, die Regelung auf das Kalenderjahr 2022 zu begrenzen und bis zur Mitgliederversammlung 2022 einen neuen Vorschlag zu erarbeiten. Dem stimmte die erforderliche Mehrheit der Mitglieder zu.

Christian Kamprad zum neuen Landesvorsitzenden gewählt

Da der bisherige Landesvorsitzende Uwe Martin Fichtmüller im Jahr 2020 sein Amt beruflich bedingt niederlegte, wurde eine Nachwahl erforderlich. Mit 96,8 Prozent der Stimmen wählten die Mitglieder Christian Kamprad zum neuen Landesvorsitzenden. Für den freiwerdenden Posten des stellvertretenden Vorsitzenden kandidierte Jens Juraschka, der die Zustimmung der Mitglieder erhielt. Zudem wurden Victoria Poppe und Peter Ixfeld in den Landesvorstand gewählt.

Eine Übersicht der Mitglieder des Landesvorstandes sehen Sie hier.


Die nächste Mitgliederversammlung wird voraussichtlich am 13.9.2022 in Dresden stattfinden.

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news-7278 Tue, 07 Sep 2021 15:03:41 +0200 Brennpunkt Sozialwirtschaft: Zwischen sachlichem Dialog und Shitstorm https://parisax.de/aktuelles/aktuelles-artikelansicht/news/brennpunkt-sozialwirtschaft-zwischen-sachlichem-dialog-und-shitstorm/ Brennpunkt Sozialwirtschaft am 16.9.: Zwischen sachlichem Dialog und Shitstorm - Social-Media-Kommunikation der Polizei Sachsen. Mit Pascal Ziehm, Leiter Kommunikation der Polizei Sachsen. Brennpunkt Sozialwirtschaft: Zwischen sachlichem Dialog und Shitstorm - Social-Media-Kommunikation der Polizei Sachsen. Mit Pascal Ziehm, Leiter Kommunikation der Polizei Sachsen.

In den sozialen Medien schlagen die Wogen manchmal hoch. Beleidigungen, Häme, Hass und Hetze scheinen mancherorts zum normalen Umgangston zu gehören. Rationale Argumente oder eine ausgewogene Diskussion sucht man dann vergebens.

Auch soziale Organisationen, die sich mit gesellschaftlich viel diskutierten Themen befassen, stehen manchmal im Kreuzfeuer unsachlicher Kritik. Da herrscht dann schnell Unsicherheit, wie man in den sozialen Netzwerken reagieren soll, wenn ein sogenannter Shitstorm über die eigene Organisation oder jene Menschen, die sie begleitet, losbricht. Reagieren, diskutieren oder einfach ignorieren? Nur selten verfügen soziale Träger über Fachkräfte, die sich strategischer Kommunikation im Sinne der Arbeit, der Werte und des Leitbildes des Trägers annehmen können. Schnell und kompetent zu reagieren, scheint daher nahezu aussichtslos.

Pascal Ziehm kennt es, wenn ihm der Wind Andersdenkender entgegenbläst oder Trolle die sprachliche Keule schwingen. Der studierte Kommunikationswissenschaftler arbeitete in der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit der Bundeswehr, betreute lange die Online-Kommunikation und PR-Arbeit der CDU-Fraktion des Sächsischen Landtages und zeichnet aktuell für die Social-Media-Kommunikation der Sächsischen Polizei verantwortlich.

Im Gespräch mit Michael Richter, Landesgeschäftsführer des Paritätischen Sachsen, spricht der freie Journalist und Medienberater in diesem Brennpunkt Sozialwirtschaft über seine Erfahrungen im Umgang mit Gegenwind im Netz. Zudem geht es um Fragen wie: Was tun, wenn der Shitstorm losbricht und wie bereitet man sich vor? Was sind grundlegende Dinge, die auch bei kleinem Budget und knappen personellen Ressourcen in der Social-Media-Kommunikation zu beachten sind? Teilnehmende können ihre Fragen ebenfalls einbringen.

Mehr über die Veranstaltungsreihe lesen Sie hier.

Der Brennpunkt Sozialwirtschaft mit Pascal Ziehm findet am 16.9.2021 ab 19 Uhr über das Videokonferenztool Zoom statt. Zur Teilnahme benötigen Sie eine stabile Internetverbindung sowie ein internetfähiges Endgerät (Computer, Tablet, Smartphone) mit Kamera und Mikrofon. Die Veranstaltung ist kostenfrei.

Zugangsdaten:
https://us02web.zoom.us/j/84067963982?pwd=NmdnVEFlYVJvSHJYRmNSc01SWjN0Zz09

Meeting-ID: 840 6796 3982
Kenncode: 946317

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news-7270 Mon, 06 Sep 2021 10:17:53 +0200 Menschen mit Behinderung und Migrationsgeschichte gut begleiten - aber wie? https://parisax.de/aktuelles/aktuelles-artikelansicht/news/menschen-mit-behinderung-und-migrationsgeschichte-gut-begleiten-aber-wie/ Einrichtungen für Menschen mit Behinderungen haben oft wenig Erfahrung mit migrantischen Menschen. Umgekehrt verhält es sich bei Trägern im Bereich der Migration. Im letzten Online-Fachgespräch „Wissen kompakt“ des Projektes PariFID ging es daher um eben diesen Brückenschlag. Einrichtungen für Menschen mit Behinderungen haben oft wenig Erfahrung mit migrantischen Menschen. Umgekehrt verhält es sich bei Trägern im Bereich der Migration. Im letzten Online-Fachgespräch „Wissen kompakt“ des Projektes PariFID ging es daher um eben diesen Brückenschlag.

Um einen fundierten Bogen zwischen Eingliederungshilfe und Migration schlagen zu können, stand Ralf Nieland, Referent in der Fachstelle Migration und Behinderung Sachsen der SFZ Förderzentrum gGmbH, den Teilnehmenden Rede und Antwort. Es kamen auch ganz konkrete Fallkonstellationen zur Sprache. Nachfolgend beantwortet unser Experte die wichtigsten Fragen.

Was kann ich tun, wenn bei Klient*innen eine Behinderung vermutet wird, aber bisher nicht nachgewiesen ist?

Ralf Nieland: In jedem Fall ist es wichtig, die Vermutung zu verifizieren. Ansprüche und Leistungen werden nur bei nachgewiesenen Beeinträchtigungen gewährt. Hierzu muss festgestellt werden, um welche Art von Beeinträchtigung und ggf. um welchen Grad der Behinderung es sich handelt und welche Ressourcen, aber auch individuellen Handlungs- und Unterstützungsbedarfe bestehen. Die ersten Anlaufstellen sind Hausärzt*innen sowie daran anschließend entsprechende Fachpraxen oder auch Psycholog*innen.

In einem zweiten Schritt wäre ein sogenanntes Feststellungsverfahren durch das Versorgungsamt wichtig. Hier wird überprüft und festgestellt, welcher Grad der Behinderung vorliegt, bzw. ob es sich um eine Schwerbehinderung handelt.

Welche Unterstützungsleistungen können von Menschen mit einer Behinderung in Anspruch genommen werden?

Ralf Nieland: Dies kann nicht allgemein beantwortet werden, sondern ist sehr individuell.

Hier hilft neben der Feststellung der Behinderung eine ausführliche Beratung in einer Teilhabeberatung, z.B. bei der Ergänzenden Unabhängigen Teilhabeberatung (EUTB). Es geht darum, dass der betroffene Mensch notwendige Unterstützungsleistungen erhält, um Benachteiligungen auszugleichen. Das betrifft alle Bereiche wie Gesundheit, Pflege, Wohnen/Leben, Zugang zu Arbeit und vieles mehr, um einen bestmöglichen Teilhabeerfolg zu erzielen.

Ist jemand beispielsweise in der Lebensführung so stark eingeschränkt, dass die eigenen Rechtgeschäfte nicht selbständig möglich sind, kann auch eine gesetzliche Betreuung notwendig sein.

Auch über das Asylbewerberleistungsgesetz sind schon Leistungen möglich. Generell sind dies jedoch stets Einzelfallentscheidungen und sie brauchen eine gute Begründung.

Was ist hinsichtlich der persönlichen Anhörung beim Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) zu beachten, wenn eine geistige Behinderung bei Klient*innen vermutet wird?

Ralf Nieland: Ist die geistige Behinderung nachgewiesen, sollte dies zwingend dem BAMF vorab mitgeteilt werden. Es ist wichtig, eine möglichst breite Schilderung der persönlichen Situation des Menschen beizubringen. Hierzu zählen z.B. Stellungnahmen von Sozialarbeiter*innen und Betreuer*innen zu Auswirkungen von Beeinträchtigungen auf den Lebensalltag. Diagnostische Vermutungen sollten eher vermieden werden – konkrete sachliche Schilderungen mittels ärztlicher Stellungnahmen sind jedoch wichtig. Ärztliche bzw. fachärztliche Berichte mit eindeutigen Diagnosen oder psychologische Gutachten sind für einen Gesamteindruck hilfreich.

Ebenso kann die Situation für Menschen mit Behinderung im Herkunftsland entscheidend für die Beurteilung des BAMF sein. Ist einer erwachsenen Person eine selbständige Lebensführung nach einer Abschiebung nicht mehr möglich, z.B. weil Unterstützungssysteme fehlen oder familiäre Hilfen für das erwachsene Kind nicht sicher sind, können dies aufenthaltsrechtlich relevante Sachverhalte sein. Eine Abschiebung ist dann ggf. nicht möglich. Dies gilt ebenso, wenn Gefahr für Leib und Leben des betroffenen Menschen zu erwarten ist. Hier ist eine sehr konkrete Schilderung mit Blick auf den einzelnen Menschen und dessen Eigenschaften wichtig mit Beschreibung der zu erwartenden Situation im Herkunftsland.

Welche Unterstützungsmöglichkeiten gibt es für die berufliche Integration von Menschen mit Behinderung und Fluchtgeschichte?

Ralf Nieland: Es stehen auch für Menschen mit Behinderung mehrere Wege offen. So etwa eine Berufsausbildung, die Beschäftigung in einer Werkstatt für Menschen mit Behinderung oder ein Arbeitsverhältnis auf dem ersten Arbeitsmarkt. Hier sind zum Beispiel Berufsbildungswerke, Werkstätten und Inklusionsfirmen eine gute Möglichkeit, im Arbeitsleben anzukommen. Generell gilt, dass eine entsprechende Eignung für die verschiedenen Wege vorhanden sein muss.

Ansprechstellen sind hierfür etwa die Agentur für Arbeit, Arbeitsmarktmentor*innen oder Bildungskoordinator*innen in Sachsen. Speziell für die Thematik Menschen mit Behinderung können auch die sächsischen Integrationsfachdienste (IFD) oder auch der Dienst zur betrieblichen Inklusion des SFZ Chemnitz genutzt werden. Hier erfahren Arbeitnehmer*innen und Arbeitgeber, welche Förderungen für die Ausbildung oder Beschäftigung von Menschen mit Einschränkungen möglich sind und sie werden zur notwendigen individuellen Arbeitsplatzausstattung beraten.

Wie können die Hürden beim Spracherwerb für Deutsch als Zweitsprache für Menschen mit kognitiven Einschränkungen überwunden werden?

Ralf Nieland: Kognitive Einschränkungen gehen oft mit mangelnden Sprachkompetenzen einher. Dies trifft dann auch besonders den Erwerb einer Zweitsprache. Hier ist es ganz wichtig, eine fachliche Beurteilung einzuholen.

Liegt nachweislich eine kognitive Einschränkung vor, kann dann auch Unterstützung beantragt werden. Eine persönliche Assistenz kann den Sprachunterricht beispielsweise begleiten und Elemente des Unterrichts in der Einzelbetreuung nochmals üben. Menschen mit kognitiven Einschränkungen können in Gruppen nicht immer so gut lernen. Für die soziale Einbindung sind Gruppen aber gerade wichtig. Hier können individuelle Lösungen gefunden werden.


Kontakt:

Ralf Nieland, Fachreferent SFZ Förderzentrum gGmbH - Fachstelle Migration und Behinderung Sachsen

Telefon: 0371 - 33 44 188
E-Mail: fachstelle-sachsen(at)sfz-chemnitz.de
Web: www.sfz-chemnitz.de/fmb

Nicole Börner, Referentin Migration & Projektleitung Paritätische Fach- und Informationsstelle für Interkulturelle Öffnung und Diversität

Telefon: 0351 - 828 71 152
E-Mail: nicole.boerner(at)parisax.de


Das nächste Fachgespräch "Wissen kompakt" findet am 16.9. um 15 Uhr statt. Diesmal stehen Zarine Peukert, Projektleitung "THE DOORS" Kinder - und Elternzentrum Kolibri e.V. und Camil El Khoury Kulturmittler*in bei Kolibri e.V. für Fragen zum Thema Die zerstörerische Kraft von Stereotypen und Vorurteilen im Berufsalltag bereit.

Jetzt mehr erfahren.

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